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Samsung-Betriebssystem Tizen: Warum der Android-Konkurrent keine Chance hat

Tizen kommt, Tizen kommt nicht, Tizen kommt - Samsung hält weiterhin an dem alternativen und auf Linux basierten Betriebssystem für seine Mobilgeräte fest. Doch: Je länger es dauert, desto schwieriger wird es für den Tech-Konzern seinen vermeintlichen Android-Konkurrenten auf dem Markt zu etablieren.

Erst hieß es aus der Gerüchteküche, Samsung liefere eines der fabulierten Galaxy-S5-Modelle mit dem alternativen Betriebssystem Tizen aus. Spätestens seit dem Unpacked5-Event auf dem Mobile World Congress in Barçelona ist es klar: Android macht sich weiterhin auf dem Samsung-Smartphone breit – genau genommen kursiert die Meinung im Internet, Google habe Samsung dazu gezwungen, hauseigene Anwendungen dauerhaft auszumustern, um somit mehr Platz für die eigenen Dienste zu schaffen. Dass diese Gerüchte nicht weit hergeholt sind, beweisen – neben der Aussage eines Samsung-Mitarbeiters – einerseits der beim S5 fehlende Samsung Hub und andererseits ein auf dem Startbildschirm prominent platzierter sowie zuvor noch nicht dagewesener Ordner, der zahlreiche Google-Anwendungen enthält.

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Wille zum Widerstand

Obwohl oder gerade weil Samsung weltweit am meisten Android-Smartphones und -Tablets verkauft, hat sich der südkoreanische Tech-Konzern dazu entschlossen, sein eigenes Betriebssystem herauszubringen.

Der Will zum Widerstand gegen Googles Dominanz auf dem Mobilbetriebssystem-Markt scheint gegeben zu sein – nicht zuletzt, da Google offensichtlich sein Maß an Restriktionen gegenüber Samsung erhöht hat. Was also hält Samsung davon ab, seine Smartphones, Phablets und Tablets mit dem auf der Linux-Distribution Debian basierende Tizen auszuliefern?

Provider verweigern Unterstützung

Bei Tizen handelt es sich schon lange nicht mehr nur um ein anfängliches Hirngespinst auf dem Reißbrett. Im Gegenteil: Im Laufe der Entwicklungsphase hat sich das alternative Betriebssystem bereits zur Version 2.2.1 gemausert und sich seinen Weg auf Wearables, wie die kürzlich erschienenen Smartwatches Gear 2 und Gear 2 Neo, gebahnt. Ein auf Tizen basiertes Massen-Smartphone gibt es allerdings nicht – wenigstens noch nicht. Den Angaben der Nachrichtenagentur Reuters zufolge verkündete Yoon Han-kil, seines Zeichen Senior-Vizepräsident der Abteilung Produktstrategie, Samsung werde noch dieses Jahr zwei Tizen-Telefone auf den Markt bringen, ein High-End-Modell und ein Mittelklasse-Telefon. Gleichzeitig räumte er ein, Android müsse nach wie vor Samsungs Kerngeschäft bleiben. Aber wieso? Was bewegt Samsung dazu, weiterhin mit Google Geschäfte zu machen.

Bislang nimmt Tizen unter den Providern eine geringe Rolle ein. NTT DoCoMo, Japans größter Mobilfunkbetreiber, sowie der mittlerweile zur France Télécom gehörende Provider Orange haben zwischenzeitlich zwar zugestimmt, Tizen-Geräte in ihrem Netzwerk zu vertreiben. Als sich jedoch der Fertigungszeitpunkt des Randbetriebssystems verspätetet, haben sich auch die beiden Anbieter aus den Vereinbarungen zurückgezogen. Ein Sprecher von NTT DoCoMo gab als Erklärung an, der Mobilfunkmarkt sei nicht groß genug für ein weiteres Betriebssystem. Aufgrund der mangelnden Unterstützung seitens der Provider – und das dürfte weltweit gelten – wird es Samsung äußerst schwer fallen, Google Paroli zu bieten und die für 2014 angekündigten Tizen-Geräte zu verkaufen.

Linux-Konkurrenz schläft nicht

Selbst wenn Samsung mit der Unterstützung von Providern rechnen könnte, müssten der Tech-Konzern erst einmal an der Konkurrenz Jolla, Mozilla und Ubuntu vorbei. Alle drei Unternehmen haben schon längst ihre eigenen Linux-basierten Betriebssysteme entwickelt – Mozilla tüftelt bereits sogar an Version 2.0 seines Firefox OS und Ubuntu hat Mitte Februar einen Vertrag mit dem spanischen Hersteller bq sowie chinesischen Fabrikanten Meizu unterschrieben, die das Smartphone für den weltweiten Markt herstellen werden.

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Apps sind Mangelware

Es ist allerdings nicht nur die Konkurrenz, die Tizen den Rang abläuft; auch mangelt es bislang noch an Apps, die für den Nutzen und folglich den Erfolg eines Betriebssystems essentiell sind. Diese Lücke einerseits zu schließen und andererseits mit dem Apple App Store sowie dem Google Play Store aufzuholen, wird sich als echte Herausforderung entpuppen. Ob und wie erfolgreich Samsung diese meistern wird, bleibt anzuwarten.

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