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iCloud, WhatsApp & iMessage: Britischer Premier verweigert Nutzern Recht auf Verschlüsselung – ein Kommentar

Der britische Premierminister David Cameron instrumentalisiert die Journalisten-Morde in Paris für den eigenen Wahlkampf. In einer Rede kündigte er an, dass sichere Verschlüsselung von Kommunikation im Falles eines Wahlerfolges seiner Partei im Mai 2015 illegal werden soll. Dies würde auch die iCloud, iMessage und WhatsApp betreffen, die erst im vergangenen Jahr sichere Verschlüsselungssysteme eingeführt haben. Grundrechte sind Cameron dabei herzlich egal.

Wenige Tage nach den Morden an französischen Satirikern und Journalisten des Magazins Charlie Hebdo hat sich der britische Premierminister David Cameron zu Wort gemeldet. In einer Rede versprach er nach einer erfolgreichen Wiederwahl im Mai diesen Jahres die Kommunikationsüberwachung im Vereinigten Königreich massiv auszubauen. Cameron bezog sich in seiner Rede speziell auf die Problematik verschlüsselter Kommunikation.

Cameron zufolge sei es absolut inakzeptabel, dass britische Sicherheitsbehörden die private Kommunikation der Bürger im Notfall nicht mitlesen könnten. Er versprach seinen Wählern, dass es mit ihm eine sichere Verschlüsselung für private Nutzer im Vereinigten Königreich in Zukunft nicht mehr geben werde. Um dies umzusetzen gibt es drei Möglichkeiten:

  • Die Sicherheitsbehörden entwickeln Methoden, die es ihnen erlauben sichere Kommunikationsverschlüsselung zu knacken. Dies ist jedoch unwahrscheinlich. Geheimdienste wie NSA und Co. arbeiten bereits seit Jahren mehr oder weniger erfolglos daran, die sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auszuhebeln.
  • Ein Gesetz könnte Anbieter von verschlüsselten Kommunikations-Programmen, zum Beispiel WhatsApp, Apples iMessage oder Threema dazu zwingen, Hintertüren in ihre Verschlüsselungen einzubauen. Bei Unternehmen, die ihren Sitz nicht im Vereinigten Königreich haben, dürfte die Umsetzung dieses Gesetzes jedoch kaum erzwungen werden können.
  • Großbritannien verbietet Bürgern die Nutzung sicherer Verschlüsselung. Briten könnten dann weder WhatsApp noch die iCloud oder andere Verschlüsselungssysteme nutzen, ohne sich strafbar zu machen. Dieses Szenario ist am Wahrscheinlichsten.

Sollte Camerons konservative Partei die anstehenden Wahlen im Vereinigten Königreich gewinnen und sich an dieses Wahlversprechen halten, werden Apple WhatsApp und Co. Stellung beziehen müssen. Die Unternehmen haben im Zuge des NSA-Schnüffel-Skandals gerade erst begonnen ihre Dienste, darunter die komplette iCloud und iMessage so zu verschlüsseln, so dass kein Dritter Zugriff auf die Inhalte hat. Staaten können Apple nun nicht mehr zwingen, die Inhalte seiner Kunden an die Geheimdienste weiterzugeben, weil Apple sie selbst nicht mehr entschlüsseln kann.

Die betroffenen Unternehmen werden es nun jedoch nicht riskieren, die Verschlüsselung ihrer Dienste für Bürger des Vereinigten Königreichs auszusetzen. Der Aufschrei und der Image-Schaden wären einfach viel zu groß. Diese Lektion haben alle haben Apple, Google, Microsoft und Co. in den letzten Monaten gelernt.

Die Konsequenz: Für britische Bürger bedeutet dies, dass sie sich strafbar machen würden, sobald sie ihre Bilder oder Nachrichten in ihrer iCloud als Backup abspeichern. Auch viele WhatsApp-Nachrichten wären illegal, seit das Unternehmen eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Nutzer der Android-App eingeführt hat.

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