News

iPad-Absatzzahlen: Kaum jemand braucht ein Tablet – ein Kommentar

Steve Jobs lag mit seiner Vorhersage bei der Vorstellung des ersten iPads vor rund fünf Jahren daneben. Der derzeitige Trend belegt, dass das Tablet den Desktop-Markt nicht überholen wird. Anders als das Smartphone, das Notebook oder der Desktop-Rechner ist das Tablet für die meisten Nutzer nicht sprichwörtlich unverzichtbar. Stattdessen handelt es sich beim iPad um ein ergänzendes Nischenprodukt.

Apple hat einen absoluten Rekord-Quartalsgewinn eingefahren. Der Großteil des gestiegenen Umsatzes ergibt sich aus den hervorragenden Absatzzahlen des iPhones. Beim iPad sieht die Welt dagegen anders aus: Apple konnte im letzten Quartal des vergangenen Jahr mit nur 21,42 Millionen Geräten 18 Prozent weniger Tablets verkaufen als noch im gleichen Zeitraum des Jahres 2013. Der Trend des schwächelnden Tablet-Markts scheint sich damit zu bestätigen. Offenbar sind die Kunden gesättigt.

Anders als das Smartphone wurde das Tablet für die meisten Nutzer nie zum unverzichtbaren Werkzeug. Viele Hersteller bieten in Deutschland beispielsweise gar keine Tablets mit SIM-Karten-Slot mehr an, weil Tablets in erster Linie auf der Couch im Wohnzimmer verwendet werden und es dort sowieso Wi-Fi gibt. Um Surfen, Lesen, Musik hören oder ein Video ansehen zu können benötigt man außerdem nicht alle zwei Jahre ein neues Gerät. Solange das iPad funktioniert – und Apples Geräte halten vergleichsweise lange durch – benötigen die Nutzer kein neues Tablet. Neue Funktionen wie Apple Pay spielen im eigenen Wohnzimmer nun einmal keine Rolle.

Hinzu kommt, dass der Tablet-Markt derzeit durch die Phablets teilweise kannibalisiert wird. Bereits im vergangenen Herbst war spekuliert worden, ob Apple das iPad mini einstellen wird, weil das iPhone 6 Plus geringfühig kleiner ist und mehr oder weniger denselben Funktionsumfang abdeckt. Der Nutzer benötigt mit dem iPhone 6 Plus nur noch ein Gerät und nicht mehr zwei. Apple hat zwar dann doch ein neues iPad mini veröffentlicht. Allerdings hat das Gerät kaum Neuerungen erhalten und bekam bei Vorstellungs-Event nur sehr wenig Rampenlicht geschenkt.

Steve Jobs Meinung, dass das iPad Desktop-Rechner und Notebooks ersetzen wird, scheint sich als falsch zu erweisen. Der Desktop-Markt konnte seinen Abwärtstrend im letzten Jahr stoppen und sogar leicht wachsen. Auch Ultrabooks und Notebooks verkaufen sich nach wie vor sehr gut. Das Tablet ist eben nicht das Äquivalent zum Auto, dass den Desktop beziehungsweise LKW im Bereich der Absatzzahlen überholt. In Steve Jobs Analogie ist das Smartphone das Auto und das Tablet das Motorrad – es bietet viel Spaß, ist aber nur bedingt nutzwertig.

Das Tablet wird nicht vollständig verschwinden. Es ist ein ergänzendes Gerät, das seine berechtigte Nische hat. Auch Apples CEO Tim Cook glaubt weiterhin an die Zukunft des iPads. Neue Eingabemethoden wie ein Stylus könnten einem Tablet außerdem einige zusätzliche Anwendungsgebiete eröffnen. Der Trend der letzten beiden Jahre deutet jedoch daraufhin, dass das Tablet nicht einmal ansatzweise die Verbreitung eines Notebooks, geschweige denn eines Smartphones, erreichen wird – denn nur wenige Nutzer brauchen es wirklich.

Mehr zum Thema
zur Startseite