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AirTags offiziell enthüllt: Was du über Apples Schlüsselfinder wissen musst

Wenn überhaupt, waren Schlüsselfinder zuletzt in den 1990er Jahren angesagt. Mit den AirTags beschert Apple dem zuletzt eher als billigen Werbegeschenk belächelten Technik-Accessoire einen zweiten Frühling: Im Rahmen des „Spring Loaded“-Events wurde das langerwartete Gadget endlich enthüllt.

Moderne Schlüsselfinder sind keine Erfindung Apples, es tummeln sich bereits eine Handvoll Anbieter auf dem Markt. Gut möglich, dass Apple einmal mehr seine berühmt-berüchtigte Erfolgsformel zur Anwendung bringen kann: Eine bestehende Produktkategorie zu perfektionieren und die Konkurrenten sozusagen vom Standstreifen kommend von rechts zu überholen und in technologischer Finesse vorbeizuziehen.

Den Start der AirTags hat Apple von langer Hand geplant. Bereits Wochen vor der iPhone-11-Keynote war klar, dass Apple an einem solchen Produkt arbeitet. In Vorabversionen des iPhone-Betriebssystems iOS 13 fiel Journalisten bereits Mitte 2019 auf, dass dort ein Gerät mit der Bezeichnung „Tags1,1“ referenziert war. Auch erste Grafiken wurden in den Tiefen der iOS-Testversionen aufgestöbert, die auf die jetzt bestätigte Form kleiner runder Plaketten hinwiesen. Das in der letzten Oktoberwoche 2019 veröffentlichte Update auf iOS 13.2 enthielt abermals Hinweise auf das neue Produkt, unter anderem den jetzt auch offiziell bestätigten Namen: AirTag.

Es begann ein monatelanges Warten auf die Ankündigung und den Verkaufsstart. Vielleicht war es die noch immer herrschende Pandemie mit ihren Ausgeh- und Reisebeschränkungen, eventuell auch die Knappheit an Mikrochips, die den Startschuss erst jetzt haben fallen lassen. Erste Zeichen gab es bereits vor Wochen: Apple öffnete Anfang März sein „Wo ist?“-Netzwerk auch für Dritte – dass man dabei mit dem Chipolo One Spot unter anderem ein auf den ersten Blick zum AirTag ganz ähnliches Produkt eines Drittherstellers beklatschte, dürfte in erster Linie wettbewerbsrechtliche Gründe gehabt haben: Apple wollte so schlicht mögliche Monopolvowürfe bereits im Vorfeld des Starts eigener Produkte entkräften.

AirTags: Suchen und finden in der AR

Quatsch wie etwa lautes Pfeifen, in die Hände klatschen oder ähnlichen Unsinn kann man sich bei Apples Sachenfinder getrost sparen. Gesucht wird stattdessen über die „Wo ist?“-App auf dem iPhone, iPad und Mac, die aus der „Mein iPhone suchen“-Anwendung hervorgegangen ist – oder aber im Netz via iCloud.com. Einmal an einem Objekt befestigt, findige Dritte bieten bereits entsprechendes Zubehör für die Apple-Plaketten an, lässt sich ein AirTag und damit das mit ihm verbundene Objekt zentimetergenau ausfindig machen – Voraussetzung hierfür ist allerdings ein iPhone-Modell ab iPhone 11 mit der Ausnahme des zwischenzeitlich vorgestellten iPhone SE der 2. Generation oder aber ein neueres iPad. Aber auch mit älteren iPhone und iPad lässt sich der Apple-Schlüsselfinder verwenden: Die AirTags sind abwärtskompatibel und verstehen sich auch auf Bluetooth, ziehen dann in der Funktion in etwa mit dem Chipolo One Spot oder einem Tile gleich. Hier verlässt man sich bei der Suche vor Ort letztlich auf die eigenen Ohren, der Tracker kann einen Signalton von sich geben und gibt derart seine Position preis. Die AirTags hingegen arbeiten derart genau, dass eine äußerst genaue Ortung im Raum möglich ist – eine AR-Ansicht unterstützt hier tatkräftig bei der Suche.

Warum die AirTags besser sind

Mit den AirTags setzen die Apple-Ingenieure auf gegenüber dem Mitbewerb überlegene Technik. Statt wie die Konkurrenz in erster Linie Bluetooth zu verwenden, kommt im Apple-Sachenfinder hochauflösender Ultrabreitband-Funk zum Einsatz.

Ultrabreitband (Englisch „Ultra-wideband“, kurz UWB) ist ein Begriff aus der Funktechnik. Er steht für eine Nahbereichskommunikation, die extrem breite Frequenzbereiche nutzt, dort aber nur eine geringe Sendeleistung im Bereich von wenigen Milliwatt nutzt – Störungen anderer Anwendungen im gleichen Frequenzbereich sind deshalb minimal und da wenig Energie benötigt wird, reicht zum Betrieb zudem ein sehr kompakter Stromspender.

Die Genauigkeit einer Ortung im Nahbereichsfunk wird von Herstellern entsprechender Systeme mit „bis auf wenige Zentimeter“ angegeben und ist damit deutlich höher als bei einer Ortung via Bluetooth oder gar WiFi. Und genau diese findet in den AirTags plakativ Anwendung: Die Position des Objektrackers wird in einer Navi-artigen Ansicht der „Wo ist?“-App eingeblendet – so wird man zentimetergenau an den AirTag gelotst. Selbst dann, wenn er in der Sofaritze steckt.

AirTags: Preis und Verfügbarkeit

Die AirTags lassen sich ab Freitag direkt bei Apple bestellen, geliefert wird ab dem 30. April. Der Stückpreis beträgt 29 US-Dollar. Schlichtere Objektracker, die ausschließlich mit Bluetooth-Technik arbeiten, kosten um die 25 Euro pro Stück – der Preis ist also durchaus konkurrenzfähig. Apple bietet auch diveres Zubehör rund um die AirTags an. Details zum Deutschlandstart wurden noch nicht kommuniziert – wir liefern diese hier an dieser Stelle baldmöglichst nach.

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