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Amazons merkwürdige Prime-Day-Gebaren – ein Fallbeispiel

Der Prime Day lockt jährlich Millionen von Menschen zu Amazon. Im Mittelpunkt der Online-Verkaufsschlacht stehen Amazons eigene Produkte, etwa Echo-Lautsürecher, diverse Fire-Devices wie Streaming-Sticks sowie Tablets und die Kindle-E-Book-Lesegeräte. Doch bei der Kinder-Edition des Kindle hat man das Gefühl, auf ein unangenehmes Lockangebot statt eines Schnäppchens gestoßen zu sein.

Auf der Suche nach einem passenden Kindle für meinen Sohn stach es mir ins Auge, das wohl verlockendste Kindle-Prime-Day-Angebot für Kinder und Erwachsene: Die „Kindle Kids Edition“ für nur 53,59 Euro statt 107,21 Euro. Eine erste schnelle Recherche zeigte, dass diese Kids-Edition eigentlich eine simple, aber spannende Zusammenstellung herkömmlicher Amazon-Produkte und Services ist: Sie besteht aus einem aktuellen Kindle der 10. Generation, einer kindgerechten Hülle, einer 2-Jahre-Sorglos-Garantie sowie einem Jahr lang Zugriff auf Amazon Kids+ (ehemals FreeTime Unlimited).

So weit, so gut! Ein schneller Blick in das Angebot von Kids+ offenbarte, dass nicht etwa nur angestaubte Nischentitel Teil der Flatrate sind, sondern auch moderne Klassiker wie Harry Potter oder die beliebte Serie „Gregs Tagebuch“ – allein in deren ersten 12 gedruckten Bände hatten wir zuletzt rund 130 Euro investiert. Eine schnelle Rückbestätigung bei meinem Sohn ergab: Das Prime-Day-Angebot für die „Kindle Kids Edition“ sollte unbedingt bestellt werden – und zwar bis zum 14. Oktober!

Die auffällig lange Lieferzeit fiel mir beim ersten Stöbern in den Prime-Day-Angeboten nicht auf – kein Wunder, war es doch auch schon kurz nach Mitternacht. Zugegeben, beinahe zufällig schaute ich zu später Stunde nach den ersten Prime-Day-Highlights und packte den „Kids-Kindle“ auf meinen Merkzettel. Als ich am folgenden Abend dann den Kauf des vermeintlichen Schnäppchens abschließen wollte, es war wohlgemerkt noch der selbe Tag, offenbahrte sich die Verfügbarkeit der Kindle Kids Edition auf ein „in 3 bis 6 Monaten“!

Warum gibt es nicht, was es gibt?

Meine erste Vermutung: Der Prime Day muss so sehr durch die Decke gegangen sein, dass selbst der Kindle der 10. Generation vollkommen ausverkauft sein musste. Denn die Kids-Edition beruht ja schließlich auf diesem Gerät zuzüglich einer Hülle und eines digitalen Diensts (der nur schwerlich vergriffen sein kann).

Aber: Weit gefehlt! Der Kindle 10. Generation war (und ist) nach wie vor innerhalb von 24 Stunden lieferbar.

Folglich stellte ich mir in der Not meine eigene Kindle Kids Edition zusammen:

  • Kindle 10. Generation: 48,72 Euro (Prime-Day-Preis)
  • Kindle Kids Edition: monatlich 2,99 Euro, über 12 Monate 38,55 Euro
  • Kindle-Hülle, adäquat aber preiswert: 14,99 Euro
  • 2 Jahre Kids-Garantie, egal wer den Schaden verursacht: separat nicht erhältlich

Gesamt: 99,59 Euro (statt 53,59 Euro)

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46 Euro Express-Aufschlag

Zwischenzeitlich hatte sich die von Amazon angegebene Lieferzeit für die Kids-Edition auf in „2 bis 3 Monaten“ verbessert. Ich stand vor der Entscheidung das in Vorfreude verzückte Kind noch Monate warten lassen zu müssen, bestenfalls bis nach Weihnachten, oder die abgespeckte Individualkonfiguration, die nach Erwerb auch noch selbst eingerichtet werden muss, für einen satten Aufschlag von 46 Euro zu bestellen. Und zugleich froh darüber sein, dass ich immerhin auf den Kindle 10. Generation knapp 25 Euro durch den Prime Day sparen kann.

Was bewegt Amazon?

[commentbox commentator="Kassian Alexander Goukassian"]Was Amazon indes bewegt, die Kompilation der Einzeteile eines Kids-tauglichen Kindle (was als Produkt zweifelsohne eine geniale Idee ist) erst in mehreren Monaten zu liefern, während sämtliche Einzelteile sofort verfügbar sind, bleibt mir schleierhaft.[/commentbox]

Ein Schelm, wer Böses denkt! Immerhin habe ich mich kurzfristig intensiv mit dem Angebot beschäftigt und dann zähneknirschend die einzelnen Komponenten bestellt – damit habe ich letztlich für ein unterlegenes Produkt auch noch knapp 50 Euro mehr investiert. Ganz zu schweigen von der Frage, warum sich die Lieferzeit über Nacht von 3 bis 6 auf 2 bis 3 Monate halbierte. Natürlich steht es mir frei, mich in Geduld zu üben und bis zu einem halben Jahr zu warten. Aber will man das als Prime-Day-Jäger wirklich?

Wie steht es um eure Erfahrungen bei der diesjährigen Schnäppchenjagd bei Amazon? Seid auch ihr auf solche Angebote mit schalem Beigeschmack gestoßen oder konntet ihr ein richtiges Schnäppchen machen?

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