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Apple Music im Test: Was kann der Dienst und was macht ihn besser als Spotify?

Wie angekündigt hat Apple soeben den neuen Musik-Streamingdienst Apple Music gestartet. Voraussetzung, um den Dienst nutzen zu können ist ein iPhone oder iPad mit dem ebenfalls gerade veröffentlichten iOS in der Version 8.4, beziehungsweise ein Mac oder PC mit dem heute aktualisierten iTunes. Android-Nutzer müssen - wie während der WWDC angekündigt - noch bis zum Herbst auf eine App warten – wie auch Besitzer eines Apple TV.

Apple, einst an der vordersten Front, wenn es um digitale Musik ging, hat die letzten Jahr ein wenig verschlafen. iTunes Radio war nicht der große Erfolg. Den hatten bislang Spotify und Co. Ab heute, mit der Prämiere von Apple Music, soll das alles anders werden. Wir haben den Streaming-Dienst bereits (ange)testet und zeigen Ihnen, was er kann - hier bleibt noch einmal zu erwähnen, dass es sich dabei  um einen ersten Eindruck und nicht um einen Langzeittest handelt.
 
Nach den ersten Gehversuchen mit Apple Music erkennt man schnell: Apple meint es ernst und hat die verstrichene Zeit gut genutzt. Besonders im Vergleich mit bisherigen Such-Erlebnissen im iTunes- oder auch App-Store wird klar, dass Apple enorm von der Übernahme von Beats profitiert. In Apple Music werden einem eine Menge an kuratierten Playlisten angeboten, die, soweit wir das bis jetzt beurteilen können, zumindest in sich stimmig sind. Wer sich für die Rock Hits der 70er-Jahre entscheidet bekommt genau das. Die Playlisten werden dabei, genau wie bis zuletzt bei dem Streaming-Dienst von Beats, Beats Music, von Genre-Experten zusammengestellt und umfassen in der Regel 15 bis 30 Songs.
 
 

Musik „Für Dich“

„Für Dich“ ist eine weitere Funktion, die Apple Music von Beats Music geerbt hat. Basierend darauf, welche Musik einem gefällt, schlägt einem die App hier Wiedergabelisten und Alben vor, die einem ebenfalls gefallen könnten. Das beste daran ist, dass man sich um diese Funktion nicht wirklich kümmern muss. App und Dienst lernen durch die ständige Nutzung von Apple Music und werden mit der Zeit immer treffsicherer. Bei Beats Music, das in Deutschland eigentlich nicht verfügbar war und ist, hat dieser Part schon recht gut funktioniert, weshalb wir nicht daran zweifeln, dass dieses Feature auch in Apple Music viele Freunde finden wird.
 

Alles neue – aus einem Genre

Hinter dem Reiter „Neu“ verbirgt sich eine Sammlung neuer Musik eines Genres, das man selbst festlegen kann. Leider nur eines Genres. So erfährt man beispielsweise, was es neues in „Rock“ gibt, verpasst aber (zumindest in dieser Funktion der App), alles was neu in „Metal“ oder „Country“ passiert.
 

 
„Neu“ zeigt einem dafür nicht nur neue Alben, sondern auch einzelne Songs, Music-Videos oder Playlisten an, die in das gewählte Genre gehören. Zusammen mit „Für dich“ sollte man so eigentlich immer etwas zum Hören finden.
 
 

Meine Musik

Hinter „Meine Musik“ verbirgt sich im Prinzip die nun alte Musik-App. Allerdings mit neuem Anstrich. Hier findet sich all die Musik, die man in iTunes erworben hat oder via iTunes Match in die iCloud geladen hat. Hier gibt es zwei Reiter: Mediathek und Playlists.
 

 
Die Wiedergabelisten werden dann nochmals nach „Alle Playlists“, „Meine Playlists“ und „Apple Music Playlists“ unterteilt. Wenn einem eine Wiedergabeliste gefällt, kann man sie zu „Meine Musik“ hinzufügen. Außerdem können Playlisten, fast selbstverständlich, auch offline verfügbar gemacht werden.
 

Netter Bonus: Musik-Videos

Völlig überraschend beinhaltet Apple Music auch das Streamen von Musik-Videos. Ein Feature, das zumindest uns bislang entgangen war. Musik-Videos, die zum Beispiel in der Suche auftauchen, können einfach angetippt werden und werden abgespielt. Vielleicht verhilft das zu einer Renaissance der Musik-Videos, denn MTV, Viva und Co. schaut ja wohl kaum jemand mehr und dank des Streits zwischen Google und Gema sind auch auf YouTube nur wenige Videos zu finden.
 

Beats 1 Radio

Das zweite Standbein von Apple Music ist der 24/7-Radiosender Beats 1. Besonders für deutsche Ohren ist dieser eher gewöhnungsbedürftig. Deutsches Musik-Radio ist seit Jahren ein einziger Einheitsbrei mit größtenteils austauschbaren Moderatoren, die die immer gleichen „heißen Hits“, also die, die auf „Heavy Rotation“ sind, spielen. Das führte dazu, dass es kaum mehr originelle Ideen gibt und man beim Durchschalten durch Radio-Sender nicht selten auf mehreren Kanälen den gleichen Song zur gleichen Zeit hört.
 

 
In englischsprachigen Ländern scheint Musik-Radio bis heute einen höheren Stellenwert zu haben und das merkt man Beats 1 auch an. Daran werden sich deutsche Ohren – abgesehen von der Sprache – erst einmal gewöhnen müssen.
 
Neben dem Live-Sender gibt es diverse Genre-Sender. Diese funktionieren genau so, wie man es schon von anderen Diensten kennt: Es wird Musik gespielt, die mal mehr mal weniger gut zusammenpasst. Basis dafür sind Algorithmen gepaart mit menschlichem Einwirken. Anders als beim Live-Radio können Songs, die nicht gefallen, allerdings übersprungen werden. Nach einem ersten Probehören ist zu sagen, dass die Genre-Sender gut funktionieren. Nicht unbedingt besser, vor allem aber auch nicht schlechter als bei Konkurrenten.
 

Connect – Verbunden mit den Künstlern

Das wiederbelebte „Ping“, jetzt unter dem Namen „Connect“, ist der einzige Teil von Apple Music, der noch ein wenig Ratlosigkeit zurück lässt. Hier kann man Künstlern folgen und deren neuesten Updates sehen. Aber das kann man auch schon auf Facebook, Twitter und anderswo tun. Mit „Connect“ geht Apple ein kleines Risiko ein. Der Erfolg wird voll und ganz davon abhängen, wie die Künstler das Angebot annehmen und nutzen.
 

 
Zum aktuellen Zeitpunkt wirkt „Connect“ auch nicht wie ein integraler Bestandteil des Dienstes. Sollte „Connect“ nicht wie gedacht funktionieren, kann Apple es einstampfen, ohne dass die restlichen Teile des Angebots darunter leiden würden.
 
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