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Apple präsentiert Apple Watch Series 6 mit Pulsoximeter und Apple Watch SE

Apple hat soeben die neue Apple Watch 6 mit Pulsoximeter und erstmals zeitgleich auch ein neues, günstigeres Modell, die Apple Watch SE vorgestellt.

Die Apple Watch ist das aktuell spannendste Apple-Produkt (vielleicht abgesehen von dem kommenden ersten Mac mit ARM-Prozessor) und hat als solches wirklich ein eigenes Event verdient. Wir sind uns allerdings nicht so sicher, ob ihr der ganz große Auftritt auch dann zuteilgeworden wäre, befänden wir uns nicht in einer Pandemie. Die nämlich hat, so sind sich alle Beobachter einig, dafür gesorgt, dass das neue iPhone in diesem Jahr später vorgestellt wird.

So aber ist die Apple Watch erstmals „Headliner“ einer Presseveranstaltung von Apple gewesen, was nach dem Titel des Events („Time Flies“) aber auch niemanden mehr wundern durfte.

Dabei hat die Apple Watch einen kuriosen Weg hinter sich. Als Tim Cook 2015 die erste Generation der Apple Watch präsentierte, legte man noch allergrößten Wert darauf, dass das neue – und mindestens rückblickend trifft der Begriff zu – Technikspielzeug vor allem erst einmal eine sehr, sehr gute Uhr sei. Alle weiteren Funktionen waren eher ein Bonus. Nicht zuletzt deshalb gab es die Apple Watch auch mit einem Gehäuse aus Gold. So nämlich unterstrich man, in welcher Liga man sich sah. Nicht etwa bei all diesen sonderbaren Plastik-Fitness-Armbändern.

Die Geschichte aber hat gezeigt, dass die erste Apple Watch im Prinzip ein Produkt im Beta-Stadium war. Denn selbst Apple war offenbar nicht ganz klar, wo die Reise wirklich hingehen würde. Erst in den kommenden Jahren kristallisierte sich immer mehr heraus, dass die Apple Watch nicht hauptsächlich sondern eher auch eine gute Uhr ist. Eine sehr gute Uhr ist sie erst seit der Apple Watch Series 5 mit immer eingeschaltetem Display. 

Die Schwerpunkte haben sich verschoben und Apple hat ein immer größeres Augenmerk auf die Bereiche Sport, respektive Fitness und Gesundheit gelegt. Und genau in diesen Punkten galt es für Apple nun, die Hegemonialstellung zu verteidigen. Schließlich bieten gleich mehrere Konkurrenzprodukte inzwischen Funktionen an, die die Apple Watch so bislang nicht vorweisen konnte. So etwa hat der französische Hersteller Withings gerade erst seine neue ScanWatch mit der Möglichkeit der Messung der Sauerstoffsättigung im Blut auf den Markt gebracht.

Vorhang auf für die neue Generation

Heute also hat Apple die neue Uhren-Generation vorgestellt und dabei erstmal gleich zwei Modelle präsentiert: Die Apple Watch 6 und die Apple Watch SE.

Als man die Namen der neuen Geräte verkündete haben wir kurz aufgeatmet. Eine Zeit lang geisterte nämlich das Gerücht durch das Internet, Apple könnte sie „Apple Watch Series 6“ und „Apple Watch Series 6 Pro“ (ggf. Auch ohne das „Series“) taufen. Und die Vorstellung einer Profi- und einer Amateuruhr fanden wir dann doch ziemlich lächerlich. Allerdings: Beim iPhone ist Apple genau diesen Schritt gegangen und verkauft seit ziemlich genau ein Profi-Telefon. Da kann man fast von Glück sagen, dass man vor dem Kauf keinen Test bestehen oder einen IHK-Ausbildungsnachweis als Profi-Telefonist nachweisen muss. Aber zurück zu den Uhren.

Mehr Akkulaufzeit für sauberes Schlaftracking

In Sachen Hardware schreitet Apple vor allem im Bereich der Gesundheitsüberwachung und -förderung voran. Ganz zu forderst steht dabei die Schlafüberwachung, weil sie dank watchOS 7 auch mit älteren Apple-Watch-Modellen möglich sein wird. Schon in den vergangenen Jahren haben sich im App Store eine ganze Reihe an Anwendungen hervorgetan, die die Sensoren der Apple Watch genau für diesen Einsatzzweck benutzen. Nun aber integriert Apple diese Funktion ins System und stellt die Entwickler bisheriger Schlaf-Tracking-Apps vor die beachtliche Herausforderung, sich zumindest von Apples Ansatz zu differenzieren, eigentlich aber sogar, noch mehr liefern zu müssen.

Apple misst dabei aber nicht etwa nur die Bewegungen, die man unweigerlich während des Schlafes macht, und bemisst daraus einen Wert, der aussagen soll, wie gut man geschlafen hat. Apples Schlafmodus sorgt zum Beispiel automatisch dafür, dass die Apple Watch sich in den „Nicht stören“-Modus schaltet, damit man nicht von dem hell aufleuchtenden Display geweckt wird. Auch das iPhone wird mit eingebunden, so dass sich dessen Display dimmt und Benachrichtigungen stummgeschaltet werden. Alle gesammelten Informationen über Schlafdauer und -qualität landen natürlich in der Health-App und werden dort ansprechend aufbereitet.

Die Krux dabei, die wir in unseren Tests mit der Beta-Version von watchOS 7 und einer Apple Watch Series 5 mehrfach erlebt haben: Der Akku der vorigen Generation reicht dafür leider nicht aus. Zwar warnt ein die Apple Watch abends, man möge sie doch vor dem Schlafengehen noch einmal kurz laden, damit der Akku zu mindestens 30 Prozent gefüllt ist – damit kommt die Uhr aber natürlich nur durch die Nacht. Am Morgen reicht dann zumindest unsere Badezimmeroutine nicht aus, um die Uhr wieder soweit aufzuladen, dass sie bis zum nächsten (späteren) Abend durchhält. Ehrlich gesagt, sind wir nach wie vor schon keine Freunde davon, eine Uhr täglich laden zu müssen. Sie dann aber gleich mehrmals täglich auf die Ladestation legen zu müssen, ist uns für den Dauereinsatz zu absurd. Abhilfe schaffen kann unter Umständen, das „Always-on Display“ zu deaktivieren, so dass das Display, wie schon bei allen Apple-Watch-Modellen vor der Series 5, ausgeschaltet wird, wenn man den Arm nicht gerade angehoben hat. Dann aber wieder verliert die Apple Watch die Funktion einer „sehr guten Uhr“.

Auch deshalb hat Apple bei der Series 6 nachgebessert und der neuen Premium-Uhr einen Akku spendiert, der immerhin dafür sorgen soll, dass die Uhr weiterhin nur einmal täglich geladen werden muss. Wir sind gespannt, ob wir das in unseren Tests werden bestätigen können.

Die erste Apple Watch mit Pulsoximeter

Eine spannende Erweiterung des Funktionsumfangs der Apple Watch ist das nun integrierte Pulsoximeter. Ein Sensor also, der die Sauerstoffsättigung des Blutes misst. Ganz so, wie du es aus diversen Krankenhausserien (und vielleicht auch eigenen -aufenthalten) kennst. Da allerdings wird so ein Pulsoximeter für gewöhnlich nicht um das Handgelenk geschnallt, sondern am Finger angebracht und misst dort neben der Sauerstoffsättigung auch noch den Puls, daher der Name. Und das funktioniert so: Gesättigtes, also mit Sauerstoff angereichertes Hämoglobin ist selbst hellrot und absorbiert rotes Licht. Ungesättigtes Hämoglobin hingegen ist selbst dunkelrot bis bläulich und absorbieren Licht im infraroten Bereich. Im Sensorblock der Uhr befindet sich neben einem Fotosensor, der eben diese Reflexionen unterscheiden kann, auch eine hinreichend starke rote Lichtquelle, damit der Fotosensor überhaupt etwas zu „sehen“ bekommt. Das ist auch schon der ganze Trick.

Ganz ähnlich funktioniert dann auch die Messung des Pulsschlags. Das Herz pumpt das Blut in Schüben durch die Adern. Genau diese Schübe erkennt derselbe Sensor und zählt sie innerhalb eines gewissen Zeitraums.

Sportler verwenden die Sauerstoffsättigung SpO2 zum Beispiel für die Trainingssteuerung, besonders wenn es um Ausdauersport geht. Denn mit diesem Wert kann nicht nur die Atemfunktion ganz Allgemein sondern zu einem guten Teil auch die Leistungsfähigkeit eines Menschen beurteilt werden. Du kennst das vielleicht von den Olympischen Spielen, wenn alle Jahre wieder erzählt wird, dass gerade die Langstreckenläufer sich zum Training ins Hochland zurückgezogen haben, weil dort die Luft „dünner“, also weniger sauerstoffhaltig, ist. Bereiten sie sich dort auf ein Rennen vor und erzielen akzeptable Zeiten, dann können sie ihre Laufleistung in der Regel auf einer Strecke, die näher am Meeresspiegel liegt, noch steigern, weil ihnen der zusätzliche verfügbare Sauerstoff einen Leistungsschub verpasst. Über den Sinn einer permanenten SpO2-Überwachung im Bereich des Freizeitsports kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Neben sportlich relevanten Indikationen kann eine zu niedrige Sauerstoffsättigung auf eine Vielzahl von Erkrankungen hindeuten. Etwa Asthma oder eine Herzinsuffizienz. Häufige Symptome sind dann neben einer erhöhten Herzfrequenz auch anhaltende Nervosität und ein Leistungsabfall, auch plötzliche Schweißausbrüche sind nicht selten. Besonders in der heutigen Zeit darüber hinaus wichtig: Eine niedrige Sauerstoffsättigung ist oft auch ein Indikator für Atemwegserkankungen, wie etwa Covid-19 („Corona“).

An der Stelle sei aber gleich auch noch eine Warnung ausgesprochen: Die Apple Watch ersetzt nicht den Besuch beim Arzt! Zeigt die Apple Watch bei der Messung von Puls, EKG oder SpO2 irgendwelche Sonderbarkeiten auf, solltest du sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen. Wenn es dir nicht gut geht, die Uhr aber keine „Fehler“ feststellst, solltest du das wiederum nicht für bare Münze gehen und dich trotzdem zum Arzt aufmachen. Praktisch ist, dass die Apple Watch Series 6 den SpO2-Wert auch im Hintergrund periodisch messen kann, so dass man nicht selbst daran denken muss und einen die Apple Watch im Zweifel rechtzeitig darauf aufmerksam macht.

Zu einem „must have“ für unzählige Menschen hätte die Apple Watch die Möglichkeit zur Messung von Blutdruck und Blutzucker gemacht. Schließlich sind sowohl zu hoher und zu niedriger Blutdruck als auch Diabetes wahre Volkskrankheiten, deren ständige und vor allem automatisierte Überwachung vielen Betroffenen sicherlich ein paar hundert Euro wert wären. Aber das steht wohl erst für kommende Generationen der Smartwatch an. Dass Apple an beidem arbeitet, verraten entsprechende Patente und Patentanträge.

Erstmals ein günstiges Modell

In den vergangenen Jahren hat Apple stets versucht, Watch-interessierte Personen mit dem Weiterverkauf von Vor- oder Vorvorjahresmodellen zu locken. Aktuell verkauft Apple zum Beispiel parallel zur Apple Watch Series 5 noch die Series 3 weiter. Diese unterscheidet sich in einer Vielzahl von Faktoren. So verfügt sie über ein kleineres Display, das nicht ständig eingeschaltet bleiben kann und kann keine EKG-Messungen vornehmen. Außerdem ist das 3er-Modell lediglich mit einem Aluminium-Gehäuse verfügbar, während bei der Series 5 neben Aluminium noch Edelstahl, Keramik und Titan als Materialien zur Auswahl stehen. Zusätzlich verfügen die Nicht-Alu-Varianten der Series 5 über ein Quartz-Glas zum Schutz des Displays. Ganz zu schweigen vom zwei Generationen älteren Chip.

So hatte man zwar immer das Gefühl, ein echtes Schnäppchen schießen zu können, aber eben auch den (vollkommen korrekten) Eindruck, eigentlich veraltete Technik zu kaufen. Damit ist in diesem Jahr Schluss!

Apple stellt neben der Apple Watch Series 6 auch noch die Apple Watch SE vor. Das Namensschema ist vom iPhone bekannt. Dort steht das „SE“ für aktuelle Technik in einer alten Verpackung. So etwa setzt sich das im Frühjahr vorgestellte iPhone SE zu weiten Teilen aus der Technik des iPhone 11 und dem Gehäuse des iPhone 8 zusammen.

Die neuen Modelle im Überblick

Interessant ist, dass Apple sich für neue Farben für die Gehäuse entschieden hat: Dunkelblau, Rot (Product Red) und ein Graphit. Mit den neuen Möglichkeiten, die watchOS 7 für Zifferblätter bietet, wird die Apple Watch so noch individueller und wandelbarer.

Apple Watch Series 6: Der neue S6-Prozessor basiert auf Apples A13-iPhone-Prozessor und ist 20% schneller als der S5-Chip. Weiterhin gibt es die Uhr in zwei Größen mit Durchmessern von 42 und 44 Millimetern und in den Geschmacksrichtungen mit Bluetooth/WLAN oder mit zusätzlichem LTE-Modul.

Vollständig neu ist die Apple Watch SE, die mit dem selben Display wie die Apple Watch Series 6 daherkommt, allerdings „nur“ über einen S5-Chip verfügt, der aber immer noch doppelt so schnell ist, wie der Chip in der Apple Watch Series 3. Gegenüber der Apple Watch Series 6 fehlt der SE somit lediglich die größere Auswahl an Gehäusen, die EKG- und SpO2-Messung.

Ebenfalls neu ist ein neuer Armband-Typ: Der „Solo Loop“, ein Armband, das ganz ohne Schnalle oder anderweitigen Schließmechanismus auskommt. In der Plastikvariante kommt der Solo Loop in 7 Farben und einer gewebten Version in 5 Farben.

Fazit

Apple baut die hauseigene Smartwatch sukzessive zum wichtigsten, wenn auch vielleicht nicht meistverkauften, Gerät des Portfolios aus. Während iPhone, iPad, Mac und Co. vor allem gut für die Arbeit und die Unterhaltung sind, stellt die Apple Watch den Menschen selbst in den Mittelpunkt und hilft ihren Trägern und Trägerinnen dabei, aktiver und gesünder zu leben.

Praktisch ist im Übrigen auch das neu vorgestellte „Family Setup“, eine Funktion, mit der Eltern die Apple Watches von ihren Kindern konfigurieren können. Auf Kinderuhren können besondere Features aktiviert werden, die für mehr Sicherheit sorgen sollen. Etwa die Möglickeit, sich in regelmäßigen Abständen über den Aufenthaltsort des Kindes informieren zu lassen.

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