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Apple Watch: Die Zukunft der Smartwatch – muss die Uhr dümmer werden?

Hersteller traditioneller Uhren haben sich bisher aus dem Smartwatch-Markt herausgehalten. Auch Kooperationen mit Apple und Co. zur Entwicklung einer Smartwatch hatten sie größtenteils abgelehnt. Nun scheinen die Smartwatch allerdings doch einen Effekt auf traditionelle Uhrenhersteller zu haben. Unter anderem Swatch möchte in Zukunft einige semi-intelligente Uhren auf den Markt bringen, die zwar nur wenige Smartwatch-Funktionen besitzen, dafür aber mehrere Nachteile der Smartwatch eliminieren.

Der Smartwatch-Markt ist kompliziert. Es ist kaum abzusehen, wie er sich weiter entwickeln wird. In den vergangenen Jahren haben mehrere Smartphone-Hersteller eigene Smartwatches entwickelt, von denen jedoch kaum eine zu Ruhm gelangt ist. Lediglich die Moto 360 kann als gelungen gewertet werden. Als Apple im April 2015 schließlich seine Apple Watch veröffentlicht hatte, hoffte deshalb auch die Konkurrenz, dass der Smartwatch-Markt nun Fahrt aufnehmen würde. Nach einer anfängliche massiven Nachfrage, stellte sich in den vergangenen Wochen jedoch heraus, dass auch die Apple Watch sich schlechter abzusetzen scheint als erhofft – auch wenn Apple mehr Smartwatches verkaufen konnte als die gesammelt Konkurrenz. Im Mainstream ist die Smartwatch demnach immer noch nicht angekommen.

Die traditionellen Uhrenhersteller, viele davon sind in der Schweiz beheimatet, scheinen dies geahnt zu haben. Angeblich hatte Apple mehrere schweizer Uhrenhersteller angesprochen und versucht einen Kooperationspartner für die Entwicklung der Apple Watch zu gewinnen. Kein einziger der Uhrenhersteller ging jedoch darauf ein. Stattdessen gaben sie vor, dass sie sich auf den traditionellen Uhren-Markt konzentrieren möchten, der mit dem Smartwatch-Markt nicht verbunden sei.

Sind semi-intelligente Uhren die Zukunft?

Smartwatches scheinen nun allerdings doch einen Effekt auf traditionelle Uhrenhersteller zu haben: Die Unternehmen planen zwar keine Smartwatches herzustellen. Die intelligenten Uhren haben jedoch offenbar eine andere Marktlücke geöffnet: semi-intelligente Uhren. So hat der Chef von Swatch, Nick Hayek, gegenüber dem Tagesanzeiger angegeben, dass sein Unternehmen in Zukunft mehrere Uhren herstellen will, die die ein oder andere Smartwatch-Funktionalität besitzen werden. So soll die kommen Swatch Touch Zero Two einen NFC-Chip besitzen. Swatch verhandelt derzeit mit mehreren Kreditkartengesellschaften, um aus der Uhr eine Kreditkarte zu machen. Die Uhr soll 2016, während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro auf den Markt kommen.

Nick Hayek grenzt diese Art von Uhren klar von den Smartwatches ab. Zwar sagt er, dass Armbanduhren nicht wegen der Funktionalität, sondern wegen dem Design gekauft werden. Etwas mehr Funktionen scheinen jedoch trotzdem keine schlechte Idee zu sein. In Zukunft wird sein Unternehmen wohl mehrere Uhren entwickeln, die die ein oder andere intelligente Funktion haben werden. Dabei betont Hayek zwei Vorteile seiner semi-intelligenten Uhren: Zum eine hält die Batterie Monate. Zum anderen sei der Datenschutz besser gewährleistet, da die Uhren nur einen begrenzten Funktionsumfang besäßen und eben nicht alle möglichen Daten erheben und in eine Cloud hochladen würden. Ob letzteres jedoch stimmt ist fraglich.

Ein Vorreiter dieser semi-intelligenten Uhren ist die Activité von Withings. Dabei handelt es sich um eine klassische Armbanduhr, die aber auch die Schritte des Trägers und einige andere sportliche Aktivitäten aufzeichnen kann. Außerdem hat Withings in der Uhr einen Vibrations-Wecker integriert.

Hayek könnte mit seiner Einschätzung richtig liegen. Smartwatches besitzen zwar einen riesigen Funktionsumfang. Das meiste kann jedoch auf dem Smartphone besser erledigt werden, da es einen größeren Bildschirm besitzt. Gleichzeitig sind die meisten Smartwatches nicht gerade günstig und die geringe Akkulaufzeit kann tatsächlich sehr nervig sein. Solange Smartwatches auf ein Smartphone angewiesen sind und nicht eigenständig funktionieren, hält sich der Mehrwert deshalb für die meisten Nutzer in Grenzen. Die Semi-Smartwatches würden jedoch einige Nachteile eliminieren, da sie sich auf wenige Funktionen konzentrieren, die Käufer der Uhr tatsächlich nutzen möchten. Durch den beschränkten Funktionsumfang erhalten Anwender zwei Vorteile: Die Akkulaufzeit verlängert sich auf mehrere Monate und die Uhr dürfte deutlich günstiger sein. So kostet die Withings Acticité Pop gerade einmal rund 150 Euro.

Ob sich der Markt so entwickelt, wie es Hayek glaubt, ist allerdings nicht abzuwarten. Echte Smartwatches wie die Apple Watch sind mehr oder weniger universal einsetzbar. Entwickler müssen lediglich eine neue App schreiben und schon erhält die Uhr eine neue Funktion. Auch das Problem der kurzen Akkulaufzeit wird sich über kurz oder lange wohl etwas entspannen.

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