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Fortnite-Rauswurf: Epic Games geht gegen Apple und Google vor

Ganz bewusst provozierte Epic Games sowohl Apple als auch Google mit Änderungen am F2P-Hit Fortnite. Man brach Regeln, wurde entfernt und geht nun vor Gericht.

Was ist bisher geschehen?

In den Abendstunden bahnte sich etwas Großes an. Epic Games, die mit dem Überraschungshit Fortnite große Erfolge feiern, stellte ein Update bereit, das nur ein Ziel hatte: zu provozieren.

Bereits zuvor geriet Epic mit Google aneinander und entfernte 2018 Fortnite bewusst aus dem Play Store, um die 30-Prozent-Abgabe zu umgehen. Auf Android konnte man das Spiel dennoch installieren, aber dies brachte ein Problem: das Spiel ließ sich schwerer finden. Also kehrte im April 2020 Fortnite zurück in den Play Store.

Zum 13. August 2020 stellte Epic für Spieler des Free-to-Play-Titels einen neuen permanenten Rabatt von bis zu 20 Prozent auf verschiedene In-Game-Inhalte vor. Diese neuen Preise sollen auf dem PC sowie Konsolen verfügbar sein. Um die Preise für mobile Endgeräte mit iOS und Android zu erreichen, führte man eine neue direkte Bezahlmethode ein, die Spieler direkt via Kreditkarte oder Paypal abrechnet, ohne dass der Umweg über Google oder Apple läuft und beide Unternehmen einen Anteil am Umsatz erhalten. Auf der offiziellen Supportseite führt Epic folgendes aus:

Wenn du aktuell Zahlungsoptionen von Apple und Google verwendest, erheben Apple und Google eine Gebühr von 30 %, und die Preissenkung von bis zu 20 % gilt nicht. Wenn Apple oder Google in der Zukunft ihre Gebühren bei Zahlungen senken, wird Epic dir die Einsparungen weiterreichen.

Dabei ist anzumerken, dass Epic durch die direkt Zahlung Apples beziehungsweise Google 30 Prozent Abschläge umgangen hat und man dennoch nur bis zu 20 Prozent gab. In der kurzen Zeit strich das Unternehmen trotz Rabatt 10 Prozent mehr ein, obwohl man versprach „dir die Einsparungen weiterzureichen“. Gleiches gilt übrigens auch für eigene Titel, die man im Epic Games Store anbietet. Diese kosten in der Regel genauso viel wie etwa bei Steam und dort muss man ebenfalls 30 Prozent an Abgaben leisten. Sollte die Spiele bei Epic dann nicht deutlich günstiger sein, um „die Einsparungen weiterzureichen“? 

Der Rauswurf von Fortnite

Während Epic aggressiv auf Apple und Google zuging und ganz bewusst die Regelung umging, zog Apple überraschend schnell die Reißleine und entferne Fortnite aus dem App Store. Nur wenige Stunden später folgte auch Google diesem Beispiel und Epic erreicht sein herausprovoziertes Ziel, die Unternehmen als Monopolisten vorzuführen. Nicht unvorbereitet, hatte man die Supportseite mit Antworten zum Thema aktualisiert, Statements vorbereitet, die auf Klagen gegen beide Unternehmen hinweisen und sogar eine Fortnite-Hommage an Apples ikonischen Werbespot „1984“ hatte man zügig online gestellt. 

Was ist mit den Spielkonsolen?

Während Epic-CEO Tim Sweeny besonders auf Apple und Google schimpft, bleibt man die Frage nach Sony, Microsoft und Nintendo schuldig. Wie IGN bereits im vergangenen Jahr berichtete, ist die 30-Prozent-Abgabe üblich in der Branche, sodass Entwickler an die Konsolenhersteller ebenfalls gleichermaßen hohe Abgaben (inkl. Lizenzgebühren zur Veröffentlichung) leisten müssen und man Software dort ebenfalls nicht ohne Einhaltung der Richtlinien veröffentlichen darf. Obwohl Epic auf den Konsolen grundsätzlich die gleichen Bedingungen vorfindet wie auf den mobilen Plattformen, prangert man nur Apple und Google an und will sie sogar vor Gericht ziehen.

Insgesamt ist Epics Schauspiel medienwirksam inszeniert und rückt natürlich nur die größten Unternehmen in den Fokus, aber es weist zahlreiche Lücken auf. Denn es ist kein ausschließliches Problem von Apple und Google, sondern es zieht sich durch die gesamte Gamingbranche – zumal beide keine unüblichen Abgaben verlangen. Epic ist mit 12 Prozent die Ausnahme, aber eigene Titel verkauft man trotz gesparter „Provision“ nicht günstiger. Daher gilt auch hier: Jeder Store kann frei über seine individuellen Richtlinien entscheiden und wer die Regeln bricht, darf nicht teilnehmen. 

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