Ratgeber

Von altem Geld leben: Budgetplanung mit dem iPhone

Dass Budgetplanung im Privaten sogar Spaß machen kann, ist schwer zu vermitteln. Sinnvoll ist sie allerdings in jedem Fall, verschafft sie doch Planungssicherheit und einen besseren Überblick über die Finanzen. Wir haben die besten Tools für dich getestet.

Wer sparen oder zumindest mehr von seinem Geld haben möchte, muss sich zunächst im Spiegel tief in die Augen schauen und sich dann in absoluter Ehrlichkeit zu sich selbst auf die Suche machen. Auf die Suche nach allen möglichen wiederkehrenden Ausgaben, und seien sie noch so klein. Das 1,99-Euro-Abo für diese eine Bildbearbeitungs-App etwa. Dieser Betrag muss genauso erfasst werden wie die 90 Euro für die Kfz-Versicherung oder die 1.200 Euro Miete. Nur dann ist eine Budgetplanung wirklich sinnvoll: Du musst alles erfassen, und du darfst dich nicht selbst austricksen. Denn das passiert allein aus einem Mangel an Disziplin allzu häufig. Da hat man mal keine Lust, den „Coffee to go“ einzutragen, dafür trägt man beim nächsten Mal einfach zwei ein. Und vergisst das dann.

Tatsächlich können einem gerade die ersten zwei, drei Monate, in denen man mit einer Budgetierungssoftware arbeitet, schmerzhaft die Augen öffnen. Oder hast du ad hoc eine Vorstellung davon, wie viel Geld du im Monat beim Bäcker lässt, der sich zufällig zwischen Bushaltestelle und Bürotür befindet?

Es geht aber auch darum, das Budgetieren von Einkommen und vor allem auch das ständige Eintragen von Ausgaben nicht als lästige Pflicht zu sehen. Beides dient höheren Zielen: Man gelangt relativ zügig in ein Gefühl finanzieller Sicherheit, da man schon am Monatsersten weiß, welche Ausgaben auf einen zukommen und welche Beträge verfügbar sind. Außerdem fällt das Ansparen von Geld auf diese Weise viel leichter, was größere Sprünge in der Zukunft erlaubt.

Mühelos sparen

Eine vernünftige Budgetplanung ermöglicht den sorgenlos(er)enUmgang mit dem verfügbaren Geld. Das schafft zusätzliche Lebensqualität.

Unser Tipp: You Need a Budget

Wer YNAB nutzt, trägt nicht nur stumpf Zahlen in eine Tabelle ein und hofft, dass am Ende ein positiver Wert stehen bleibt. YNAB-Nutzer lernen viel über den Umgang mit Geld. Zumindest können sie das, denn die Website youneedabudget.com bietet dafür neben Texten auch Workshops und sogar Videokurse an.

YNAB basiert auf einem Satz von vier relativ trivialen Regeln, die es zu befolgen gilt. Die erste lautet „Give Every Dollar a Job“. Das ist ganz wörtlich gemeint. Wer YNAB nutzt, wird angehalten, jeden einzelnen Dollar bzw. Euro schon am Monatsanfang zu verplanen. Dabei spricht nichts dagegen, einen bestimmten Betrag einem Budget für „Spaß“ zuzuweisen, aus dem zum Beispiel Impulskäufe getätigt werden können.

Regel zwei lautet „Embrace Your True Expenses“ und erfordert etwas Detektivarbeit. Hierfür müssen nämlich nicht monatlich wiederkehrende größere Kosten identifiziert werden. Weihnachtsgeschenke etwa. Das Ziel wäre es also, schon jetzt festzulegen, welchen Betrag man im Dezember für Geschenke zur Verfügung haben möchte, und ein Budget dafür anzulegen, in das man von jedem Gehalt zwischen heute und Dezember einen bestimmten Betrag einplant. Genau so viel, dass man im Dezember den gewünschten Betrag zur Verfügung hat.

Wir alle wissen, dass nicht alles im Leben planbar ist. Das gilt auch für die Menschen, die YNAB entwickelt haben, weshalb Regel Nummer drei lautet: „Roll With The Punches“. Die Umstände ändern sich ständig, und es ist nicht schlimm, wenn du dein Budget entsprechend anpasst oder umplanst. Du warst während des Corona-Lockdowns wenig mit dem Auto unterwegs, hast dafür aber umso häufiger Essen bestellt? Dann schieb einfach etwas von dem nicht ausgegebenen Benzinbudget in das für Lebensmittel. Voilà!

Die letzte Regel ist die einflussreichste: „Age Your Money“ bedeutet, dass du es schaffen sollst, im Laufe eines selbst definierten Zeitraums so viel Geld anzusparen, dass du im aktuellen Monat vom Einkommen des vorherigen leben kannst. Man schafft sich also einen finanziellen Puffer in Höhe eines Monatseinkommens.

App und Website

Um alle diese übergeordneten Ziele zu erreichen, bietet YNAB neben der Website Apps für iPhone und iPad. Besonders über die App lassen sich Ausgaben schnell erfassen, was essenziell ist, um am Ball zu bleiben und nicht die Lust zu verlieren.

Den einzigen echten Punktabzug gibt es dafür, dass YNAB auch nach mehreren Jahren im Markt und bei einem jährlichen Preis von 45 US-Dollar ausschließlich in englischer Sprache vorliegt und man weiterhin Transaktionen nur mit einem US-amerikanischen Bankkonto automatisiert erfassen kann.

Sebastian Schack

„YNAB hilft mir seit Jahren dabei, sorglos, aber nicht achtlos mit meinem Geld umzugehen und auf finanzielle Rückschläge vorbereitet zu sein.“

Finanzguru

Einer der vielen großen Vorteile der App ist, dass sie von einer deutschen Firma angeboten wird. Uns zumindest ist deutlich wohler mit einem definitiv DSGVO-konformen Angebot, bedingt die App doch, dass man seine Giro- und Kreditkartenkonten mit dem Service verbindet. Dafür erhält man dann aber auch eine erfreulich detaillierte Analyse der Ausgaben der vergangenen Monate und hat die Möglichkeit, falsch zugeordnete Beträge einem anderen Bereich zuzuweisen.

Außerdem wirft der Dienst einen Blick auf gefundene Verträge und schlägt – wo es die Datenbank hergibt – Alternativen vor. Etwa wenn sich bei der Wahl eines anderen Stromanbieters echtes Geld sparen ließe.

Schade ist, dass sich die komplette Budgetierungsfunktion hinter einer Bezahlschranke von 2,99 Euro pro Monat verbirgt. Echten Punktabzug gibt es dafür, dass sich Bargeldausgaben nicht in der App hinterlegen lassen.

Preis: kostenfrei (In-App-Käufe möglich)
Web: finanzguru.de

Wally

Wally rühmt sich damit, die Nummer-eins-App für „Personal Finance“ in 22 Ländern zu sein. Das glauben wir gerne, schließlich lassen sich in Wally nicht nur US-amerikanische, sondern eben auch internationale Bankkonten einbinden.

Die App ist etwas unübersichtlicher als Finanzguru, bietet dafür aber auch mehr. Zum Beispiel das manuelle Anlegen von Ausgaben. Wie auch YNAB bittet Wally dabei um Zugriff auf den aktuellen Aufenthaltsort, um Zahlungen direkt einem Geschäft zuweisen zu können. Budgets sind einfach angelegt. Wer ein Konzept davon hat, welche Budgetkategorien gebraucht werden, kann schnell loslegen. Um den vollen Funktionsumfang nutzen zu können, wird auch hier eine Abo-Gebühr fällig. Diese beträgt rund 28 Euro im Jahr. Wer etwas mehr als 40 Euro (einmalig) investiert, erhält eine Lifetime-License, wird also fortan nicht mehr zur Kasse gebeten. Wally leidet am selben Malus wie YNAB: Die App gibt es nur in englischer Sprache.

Preis: kostenfrei (In-App-Käufe möglich)
Web: wally.me

Wallet

Wallet konzentriert sich zunächst auf die wesentlichen Funktionen: Budgets anlegen, Ausgaben erfassen, rudimentäre Statistiken ausgeben. Für das meiste, was darüber hinausgeht, musst du das „Upgrade“ kaufen. Dieses gibt es als Monats-Abo für 6 Euro, im Jahresbezug für 23 Euro oder, wie auch schon bei Wally, mit einer Lizenz auf Lebenszeit (der App) für knapp 50 Euro.

Neben detaillierteren Analysen erkauft man sich damit vor allem die Möglichkeit, Bankkonten zu verknüpfen. Eine Funktion, die wir beim eigentlichen Branchenprimus YNAB bis heute schmerzlich vermissen. Außerdem können „Upgrade“-Käufer ihre Daten mit anderen, etwa dem Lebenspartner, teilen,

Wallet hält seine Nutzer dazu an, die jeweiligen Transaktionen zu bewerten, und stellt die Frage „Hat es sich gelohnt?“, die das Potenzial birgt, existenzielle Krisen auszulösen. Grundsätzlich ist Wallet in deutscher Sprache verfügbar, allerdings mit einer eher schwachen Übersetzung.

Preis: kostenfrei (In-App-Käufe möglich)
Web: www.budgetbakers.com

Pennies

Die App Pennies kennt keine monatlichen oder jährlichen Gebühren und auch nichts anderes als Budgets. Pennies, das für 4,50 Euro im App Store zu haben ist, ist die mit Abstand schlichteste App, die wir uns genauer angeschaut haben. Man kann Budgets anlegen, Ausgaben erfassen und … das war’s. Keine Konten und erst recht keine Synchronisation mit echten Bankkonten. Keine Gimmicks, keine Trophäen für erreichte Ziele, keine Tipps, welcher Stromanbieter einem 3,60 Euro im Monat sparen könnte.

Diese App ist wirklich auf das Wesentliche reduziert. Das ist erfreulich, erfordert aber auch einiges an Kreativität oder zumindest Umdenken. Es muss einem egal sein, ob man einen Betrag vom Girokonto oder aus dem Barvermögen bezahlt, damit die App so schlicht bleibt. Das scheitert bei den meisten vermutlich spätestens dann, wenn Gemeinschaftskonten ins Spiel kommen oder Kredite abgebildet werden sollen. Auch diese müssen dann ein Budget werden.

Preis: 5,50 Euro*
Web: www.getpennies.com

Im Gespräch mit Jesse Meecham, Gründer und CEO von YNAB

»Wir brauchen nur 20 Minuten deiner Zeit, um dir unsere vier Regeln zu erklären. Dann kann es sofort losgehen.«  Jesse Meecham

Eine Budgetierung ohne Hilfsmittel, sei es eine Tabellenkalkulation oder ein ausgefeilteres Werkzeug wie YNAB, ist schwierig. Was machen deiner Meinung nach die meisten Menschen falsch?

Der erste Fehler, den wir oft sehen, ist die Annahme, dass, wenn nicht alles nach Plan verläuft, der Haushaltsplan kaputt ist, und zwar für den ganzen Monat. Tatsächlich ändern sich Pläne, und unerwartete Ausgaben entstehen – das ist nicht schlimm, es ist eine Tatsache. Ein Budget ist fließend und ändert sich ständig. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein lebendes Dokument, und es sollte sich dementsprechend anpassen. Wir lehren unsere Kunden, flexibel mit ihrem Budget umzugehen und sich selbst zu verzeihen, wenn aus dem Ruder laufen. Das heißt, wenn du mehr Geld für Lebensmittel ausgibst, als du geplant hast, solltest du nicht ins Schwitzen kommen. Passe das Budget an und arbeite weiter an dem neuen Plan.

YNAB ist schon seit einigen Jahren im Spiel und nicht nur ein Werkzeug, sondern auch eine Plattform. Was unterscheidet YNAB von anderen Angeboten?

Die meisten Budget-Apps arbeiten rückwärts, indem sie dein zukünftiges Geld prognostizieren. Man stellt es ein, vergisst es und macht sich dann selbst fertig, wenn es nicht klappt. YNAB hingegen ist ein proaktives System, bei dem du nur das Geld verplanen kannst, das dir gerade zur Verfügung steht. Wir betrachten ein Budget als ein Lifestyle-Instrument, das dir beibringt, die totale Kontrolle über dein Geld zu erlangen, und dir die Freiheit und Flexibilität bietet, es für die Prioritäten auszugeben, die dir am wichtigsten sind. Das Hauptunterscheidungsmerkmal zu anderen Budgetierungsplattformen ist, dass wir dir beibringen, wie man diese Dinge macht. Das YNAB-Team ist Teil der Community, um dir zu helfen, dich anzuleiten und dich mit Videos, Workshops und Bildungsressourcen zu versorgen. Unsere Methode sagt dir nicht, was du mit deinem Geld tun sollen. Es hilft dir, die Entscheidung für dich selbst zu treffen.

Wenn ich mit Leuten darüber spreche, wie ich YNAB nutze, um meine Einnahmen und Ausgaben im Auge zu behalten, sind die meisten erstaunt, weil sie nicht glauben, dass sie diszipliniert genug wären, um jeden einzelnen ausgegebenen Euro zu dokumentieren. Was ist dein Trick, um Menschen heranzuführen?

So viele Menschen zucken sofort zusammen, wenn es um das Thema Budgetplanung geht. Sie glauben, es sei einschüchternd, zeitaufwendig – und am Ende scheitert man eh. Unsere Aufgabe ist es, das Gegenteil zu beweisen. Deshalb halten wir es mit vier Regeln einfach, die der Schlüssel zur Bewältigung deines Budgets sind. Um es noch zugänglicher zu machen, haben wir mobile Apps für Android und iPhone, damit du dein Budget jederzeit zur Hand hast, wenn du es brauchst. Alles, was wir benötigen, sind 20 Minuten deiner Zeit, um unsere Budgetierungsmethode zu erklären, die sich schnell in deinen Alltag einfügt, und ehe du dich versiehst, wird sie zur täglichen Gewohnheit werden.

Das Interview führte Sebastian Schack.

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