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Big Sur: Der große Guide zu macOS 11

Mit der Veröffentlichung von macOS 11 Big Sur gelingt Apple der Sprung in die Zukunft. Bei uns liest du alles, was du jetzt über das neue Mac-Betriebssystem wissen musst..

Apple hat sich in den vergangenen Jahren mit Blick auf den Mac nicht nur mit Ruhm bekleckert, sondern sich gleich mehrfach Häme von außen, aber mindestens auch starkes Kopfschütteln von den eigenen Anwendern eingehandelt. Damit soll nun Schluss sein. Auf der WWDC (World Wide Developer Conference, Apples Entwicklerkonferenz), die in diesem Jahr erstmals ausschließlich online in Form eines vorab produzierten Videos abgehalten wurde, präsentierte Apple neben einer ersten Vorschau auf macOS Big Sur auch gleich einen Plan für die kommenden Jahre. Der Mac wird Intel-Prozessoren abschwören und fortan – wie auch iPhone und iPad – mit ARM-Chips ausgestattet sein. So soll es Apple gelingen, die verschiedenen Plattformen noch weiter zusammenzuführen. Und macOS Big Sur soll dafür den Grundstein auf dem Mac legen.

Eine kurze Reise durch die Zeit

Um zu verstehen, weshalb Apple die Veröffentlichung von macOS Big Sur so hervorhebt und sich erstmals seit 20 Jahren „traut“, dem Betriebssystem eine neue Versionsnummer (11.0) zu spendieren, muss man sich dessen Historie vor Augen führen.

Nicht nur, weil der Versionssprung von 9 auf 10 es verlangte, sondern auch, weil die Zeit reif war, lieferte Apple mit Mac OS X 10.0 einen wirklich großen Wurf ab. Dabei startete alles nicht etwa mit einer Katze: Das erste „Mac-Tier“ war ein Bär. Für den Preis von 30 US-Dollar konnte man im September 2000 die erste Public Beta mit dem Codenamen „Kodiak“ kaufen. Inzwischen bietet Apple die Public-Beta-Versionen jedem Nutzer kostenfrei zum Download an. Aber mehrere hundert Megabyte an Daten runterzuladen war damals nicht sonderlich opportun. Die 30 US-Dollar waren wahrscheinlich eine Mischung aus Deckungsbeitrag für die realen Kosten (Pressen der Datenträger und Versand) sowie zu einem weiteren Teil auch eine Art „Schutzgebühr“.

Das offizielle Release von Mac OS X 10.0 (Codename „Cheetah“) erfolgte sechs Monate später – und änderte alles. Vor allem wegen der neuen Oberfläche, die auf den Namen „Aqua“ hörte und dem Mac eine neue Leichtigkeit und Verspieltheit verschaffte. Die Installation von Cheetah schluckte 800 Megabyte Plattenplatz und verlangte 128 MB an Arbeitsspeicher – Hürden, die längst nicht jeder Mac zu nehmen wusste.

Nur ein halbes Jahr später folgte „Puma“, das allerdings wenig neue Funktionen enthielt und rückblickend nicht viel mehr als eine fehlerbereinigte Version war – etwas, das uns später erneut begegnen wird. Interessant anzumerken ist, dass diese Version von Mac OS X (10.1.2) diejenige war, die Apple neu gekauften Computern erstmals beilegte, was das Ende des Vorgängers OS 9 endgültig besiegelte.

Schon 2002 begab sich Apple mit „Jaguar“ auf einen Pfad, dem man in Cupertino bis heute folgt. Denn mit der Einführung von „Universal Access“, den „Bedienungshilfen“ also, will es Apple Menschen mit körperlichen Einschränkungen seitdem leicht machen, einen Computer zu benutzen.

2003 brachte „Panther“ neben der Exposé-Funktion auch Safari als neuen Standard-Webbrowser mit sich, der Microsofts Internet Explorer ablöste.

2005 ergänzte „Tiger“ neben der Universalsuche „Spotlight“ Widgets für den Mac-Desktop.

2007, im „Jahr des iPhone“, bescherte „Leopard“ vor allem zwei sinnvolle und tiefgreifende Neuigkeiten. Mit Time Machine hat es der Nutzer einfach, verlässliche Back-ups zu erstellen und einzelne Dateien (oder das ganze System) wiederherzustellen. Außerdem schuf Leopard die Grundlage für die Unterstützung von 64-Bit-Apps.

2009 nahm Apple den gleichen Schritt wie schon 2001 mit Puma, denn „Snow Leopard“ (die namentlich enge Verwandtschaft mit dem Vorgänger ließ es schon erraten) war nicht viel mehr als ein Wartungs-Update für Leopard, integrierte darüber hinaus allerdings den Mac App Store. Ja, das ist tatsächlich schon elf Jahre her. Von historischer Bedeutung ist des Weiteren, dass Snow Leopard das erste Mac OS X war, das keine PowerPC-Macs mehr unterstützte.

Obwohl Apple dem 2011er-Mac-OS-X den Namen „Lion“ spendierte, also den König aller Wildkatzen zur Galionsfigur machte, sollte dies noch nicht das Ende der „Katzendynastie“ sein. Lion war einer der größeren Würfe in Apples Betriebssystemgeschichte. So war es die erste Version, die es nicht mehr auf Plastikscheiben zu kaufen gab – man musste sie online aus dem Mac App Store laden und installieren. Mit Mac OS X 10.7 adaptierte Apple außerdem diverse Bestandteile des iPhone-Betriebssystems iOS, etwa die Gerätesteuerung per Gesten. Außerdem hielt nun die iCloud Einzug auf den Mac.

Mit „Mountain Lion“ (auch hier ist der Name gewissermaßen Programm) verkündete Apple 2012 den Wechsel auf einen jährlichen Updatezyklus für das Mac-Betriebssystem. Ansonsten beschränkten sich die ganz großen Neuerungen mit dieser Version auf den Import weiterer iOS-Funktionen, wie der Nachrichten-App als Ersatz für iChat, die Erinnerungen-App und eine Adaption der Mitteilungszentrale. Außerdem strich Apple dem Betriebssystem mit Version 10.8 das „Mac“ aus dem Namen: „OS X Mountain Lion“ war nun die komplette Bezeichnung.

Der König ist tot. 2013 markierte das Ende der „Großkatzen-Betriebssysteme“: Apple schwenkte um auf Orte in Kalifornien, dem US-Heimat-Bundesstaat des Konzerns. Den Anfang Anfang machte „Mavericks“, das erstmals ein kostenfreies Betriebssystem-Update darstellte – eine Politik, die Apple bis heute durchhält.

Mit OS X 10.10 „Yosemite“ kümmerte sich Apple erstmals seit vielen Jahren wieder ausführlich um das Äußere des Mac-Betriebssystems und nahm sich auch hier einmal mehr iOS als Vorlage für einen flacheren Look mit mehr Transparenz und Milchglaseffekten.

Auf Seiten der Systemfunktionen war sicherlich Handoff die bemerkenswerteste Neuerung: Seither können Apps ihre Inhalte einfach vom Mac auf das iPhone (oder umgekehrt) übergeben. So kann man etwa anfangen, eine Mail auf dem iPhone zu tippen und sie dann auf dem Mac beenden.

2015 wiederholte Apple ein schon bekanntes Schema, auch wenn es sich am Namen nur „um die Ecke gedacht“ erkennen ließ. „El Capitan“ ist eine Felsformation im Yosemite-Nationalpark. Leopard/Snow Leopard, Lion/Mountain Lion – alles wie gehabt.

Nach nur vier Betriebssystemversionen war Schluss mit dem neuen Namensmuster. Apple strich das „X“ und führte das „Mac“, wenngleich nun mit kleinem „m“, wieder ein. macOS 10.12 hörte auf den Namen „Sierra“. Mit diesem Release schaffte endlich auch Siri den Sprung auf den Mac und in Safari kann seitdem auch auf dem Mac mit Apple Pay bezahlt werden. Grandioses Komfort-Feature für alle Apple-Watch-Besitzer: Die Smartwatch darf nun den Mac entsperren und so das Eintippen des Passworts ersparen.

Mit der 2017er-Version folgte auf Sierra nun „High Sierra“ – und damit ist im Prinzip auch schon alles gesagt. Die bemerkenswerteste Neuerung war die Einführung von AFS, dem Apple File System, das das inzwischen stark betagte HFS+ ablöste.

Nachdem High Sierra einmal mehr vor allem Dinge „unter der Haube“ verbesserte und ergänzte, gab es 2018 mit macOS 10.14 „Mojave“ endlich wieder etwas zu sehen: Mit der Einführung des Dark-Modus hatte macOS dem iPhone- und iPad-Betriebssystem erstmals ein wichtiges, weil augen- und energieschonendes Feature voraus.

Auf Mojave folgte im vorigen Jahr macOS 10.15 „Catalina“, das vor allem für eine Sache in Erinnerung bleiben wird: die Einstellung von iTunes. Apples Mediathek begleitete Mac-Nutzer seit dem Januar 2001 und war im Laufe der Jahre fast schon so etwas wie ein eigenes „Betriebssystem im Betriebssystem“ geworden – und als solches nicht mehr zu retten. Ein schwerfälliges Ungetüm, für das es keine Chance mehr auf ein Zurück zu leichtfüßigeren Tagen gab. Stattdessen hielten nun die Medien-Apps „Music“, „Podcasts“ und „TV“ Einzug.

Gleichzeitig brachte Apple Mac und iPhone respektive iPad weiter zusammen: Mit „Catalyst“ war es nun erstmals möglich, ohne allzu große Verrenkungen auf Seiten der Entwickler iPad-Apps auf den Mac zu portieren.

Warum Big Sur so wichtig ist

Mit diesem basalen Wissen um zwanzig Jahre Apple-Betriebssystem-Historie sind wir gut gewappnet für einen Blick auf die unmittelbare Zukunft, die auf den Namen „Big Sur“ hört. Mit Catalina hat Apple in vielerlei Hinsicht den Grundstein für diese Version gelegt. Man könnte fast soweit gehen, zu sagen, Apple habe den Spieß diesmal umgedreht: Es folgt eben nicht erst der große Wurf (à la Leopard), gefolgt von einem Wartungs-Update (à la Snow Leopard). Vielmehr fand das Wartungs-Update sozusagen vorher statt: Catalina diente quasi als Steigbügelhalter für Big Sur.

So scheut sich Apple, das um markige Marketingsprüche ohnehin nie verlegen ist, auch nicht, Big Sur mit großen Worten anzukündigen: „macOS Big Sur takes the world’s most advanced desktop operating system to a whole new level of power and beauty.“ („macOS Big Sur hebt das fortschrittlichste Betriebssystem der Welt auf ein ganz neues Level von Leistung und Schönheit.“)

Eine ganz schön breite Brust, die Apple da präsentiert! Vor allem, wenn man bedenkt, dass Apple in der jüngsten Vergangenheit in Sachen Mac und macOS selbst unter eingefleischten Fans nicht nur Applaus geerntet hat. Der 2013er-Mac-Pro war langfristig betrachtet ein Debakel – und sein Nachfolger ließ ewig auf sich warten. Die MacBooks litten über Jahre an unzuverlässigen Tastaturen. Und das jüngste Betriebssystem Catalina hatte bis in den Sommer 2020 hinein mit teilweise eklatanten Macken zu kämpfen – Apple hat es bis heute nicht von allen nervenden Fehlern befreit.

2020 ist also das Jahr, in dem Apple liefern muss. Und will. Neben der Ankündigung von macOS Big Sur zeigt dies vor allem auch die Abkehr von Intel als Prozessor-Lieferant für die Macs. Parallel zu macOS Big Sur hat Apple die ersten Macs mit ARM-Prozessor vorgestellt und will innerhalb von zwei Jahren alle Mac-Modelle umgestellt haben. Ein von vielen Fans und Experten gleichermaßen herbeigesehnter Schritt, der Apple auch im Lager der Skeptiker einen Vertrauensvorschuss zu verschaffen scheint.

Apple selbst gibt fünf wesentliche Felder an, in denen man mit Big Sur punkten möchte: das Design, die Überarbeitung von Safari, neue Funktionen für die Karten-App sowie die Feature-Parität der Nachrichten-App mit den Versionen für iPhone und iPad und Privatsphäre.

In diesem Artikel werden wir uns an diesen Punkten entlanghangeln und abarbeiten, können aber jetzt schon sagen, dass der Blick auf die Karten-App ein ernüchternder sein wird: Die allermeisten relevanten Neuerungen sind vorerst nicht in Deutschland verfügbar.

Neues Design als Zeichen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Der Mac-Mensch vielleicht sogar im Besonderen. Letztlich bekommt es der „homo applensis“ aber auch so vorgelebt. Apple hält seit Jahren an einer ganz klaren Designsprache mit nur minimalen Änderungen fest. MacBook-Air-Geräte der letzten Jahre gleichen einander ebenso sehr, wie es die Pro-Laptops untereinander tun. Das iPhone 6 sieht aus wie das 6s, das aussieht wie das iPhone 7, das aussieht wie das iPhone 8, das wiederum nur von Kennern vom diesjährigen iPhone SE zu unterscheiden ist. Und der iMac und der Mac mini? Genau.

Ähnlich verhält es sich beim Design der Betriebssysteme. In Sachen iOS für iPhone und iPad fand der letzte große Schritt mit iOS 7 statt – was damals, also 2013, zu einem wahren Aufschrei führte. Zu flach, zu bunt und überhaupt zu anders sei das Design! Und in Teilen hatten die Kritiker Recht: Schon während der Betaphase ruderte Apple teilweise zurück und korrigierte sich auch mit iOS 8 und 9 noch weiter. Seither hat man aber auch hier eine Designsprache gefunden, die man immer weiter optimiert, die aber im Wesentlichen bis heute trägt.

Auf dem Mac lief das Ganze ein bisschen anders ab. Hier war der „ganz große Wurf“ die Einführung der Aqua-Oberfläche. Du erinnerst dich? Komplexe Texturen, Bonbon-artige Buttons und spiegelnde Flächen, die an Reflexionen auf dem Wasser erinnerten. Daher der Name und daher auch das fabelhafte Steve-Jobs-Zitat: „It’s liquid. One of the design goals was when you saw it you wanted to lick it.“ (etwa: „Es ist flüssig, und eines der Designziele war: Wenn du es siehst, willst du dran lecken.“).

Die 2000/2001 eingeführte Aqua-Oberfläche hat Apple, anders als eben bei iOS, nicht mit einem Schlag abgelöst. Der Prozess war ein schleichender – und man kann seinen Beginn vielleicht auf das Jahr 2011 und das Erscheinen von Mac OS X Lion datieren. Weitreichende und dennoch subtile Änderungen gab es allerdings auch schon mit Mac OS X Leopard. Der Entwicklungsprozess hielt im Wesentlichen bis OS X El Capitan (2016) an, und Apple übernahm immer mehr Designelemente aus dem iPhone-Betriebssystem. macOS Catalina von 2019 hingegen sieht im Wesentlichen genauso aus wie El Capitan.

Mit der Veröffentlichung von macOS Big Sur entscheidet sich Apple – verglichen mit den vorangegangenen Jahren – für einen gigantischen Sprung. Dabei haben Apples Designer praktisch jedes sichtbare Element des Betriebssystems angepasst: nahezu alle Standardanwendungen, das Fenster-Design, das Dock, die Menüleiste, die Seitenleisten, alle App-Icons und Buttons.

Das alles mit dem Ziel, macOS wieder moderner aussehen zu lassen und dem System eine neue Leichtigkeit und Verspieltheit zu verschaffen, die den Nutzer gleichzeitig aber nicht ablenkt, sondern bestenfalls noch effektiver und effizienter mit dem Mac umgehen lässt. Nach rund 20 Jahren findet die Geschichte der Aqua-Oberfläche also hier endgültig ihr Ende, wenngleich natürlich nicht all ihre Errungenschaften aus Prinzip über Bord geworfen werden. Ihr Erbe scheint weiterhin durch.

Ein Design, das Nutzer anleiten soll

Die neue Leichtigkeit von macOS Big Sur findet auch darin Ausdruck, dass die einzelnen Elemente mehr Platz „zum Atmen“ bekommen. Die Menüleiste etwa ist nun ein gutes Stück größer, dafür aber durchsichtig, und die auf ihr platzierten Menulets (die Schnellzugriff-Schaltflächen, die Programme dort ablegen können) sind weiter voneinander entfernt.

Bei einigen wenigen Programmen, die sich mithilfe der Menüleiste aufrufen lassen, sieht das schick und elegant aus. Beherbergt der Mac dort eine ganze Batterie von Icons, überschneiden diese sich leider schnell mit den Menüeinträgen („Ablage“, „Bearbeiten“, „Darstellung“, …) des jeweils aktiven Programms – insbesondere dann, wenn diese Programme selbst über viele Einträge verfügen oder wenn du ein MacBook benutzt und somit vor einem relativ kleinen Bildschirm sitzt.

Wir haben diesen Umstand als Anlass genommen, zu hinterfragen, welche Menulets wir zwingend benötigen und welche eigentlich verzichtbar sind.

Das überarbeitete Dock von macOS ist eindeutig dem des iPad (und damit eigentlich auch dem des iPhone) nachempfunden. Es besteht weiterhin aus einer Art Milchglasscheibe mit nun deutlich abgerundeten Ecken und ist vollkommen losgelöst vom Bildschirmrand.

Aufgeräumter wirkt es vor allem dadurch, dass Apple die eigenen App-Icons standardisiert hat. Vorbei sind die Zeiten ausgefallener Icons etwa für „Mail“ oder auch „Nachrichten“. Alle Symbole haben als Grundform nun ein Quadrat mit abgerundeten Ecken. Auch das kennen wir von iPhone und iPad, wo diese Designvorgabe an App-Entwickler bereits seit 2008 besteht.

Wir sind gespannt, ob die Entwickler diesen Standard auch für ihre Mac-Apps adaptieren werden – vor allem bei Apps, die sie nicht in Apples App Store vertreiben. Denn eigentlich sind uns die nicht uniformen und oft überaus kreativen App-Icons auf dem Macs doch ans Herz gewachsen.

Ein Mindestmaß an Verspieltheit lässt sich aber auch Apple bei den eigenen Icons nicht nehmen. Vergrößert man das neue Mail-Icon, sieht man, dass ein „Apple Park, California 95014“ auf dem Umschlag „eingestanzt“ ist.

Die Design-Direktive von mehr Platz und und Transparenz setzt sich auch in den Programmfenstern selbst fort: durchsichtige Milchglasoptik etwa für die Seitenleiste, größere Abstände zwischen den Icons. Man darf sich fragen, ob gerade dieser großzügige Umgang mit dem Bildschirmplatz nicht vielleicht doch auf die baldige Einführung der Touchbedienung von Macs hindeuten könnte. 

Die neue „User-Experience“, die „Benutzererfahrung“ also, wird abgerundet durch neue Sounds. Auch hier hat Apple kaum einen Stein auf dem anderen gelassen und alle Systemtöne überarbeitet. Aber keine Sorge: Bekannte Töne hat man nicht etwa durch vollkommen andere ersetzt. Der Erneuerungsgrad bewegt sich, wie etwa bei der „neuen“ Tagesschaumelodie, irgendwo nah der Mitte zwischen „altbekannt“ und „modern“.

Zeitgleich bringt Apple auch einen alten Bekannten zurück: Der „Startup Chime“, der Klang beim Start eines Mac, ist wieder da! Dabei stehen die Chancen gut, dass dir gar nicht aufgefallen ist, dass er weg war. Apple hat den Sound aber bei allen Macs seit 2016 (merkwürdigerweise mit Ausnahme des 2017er-MacBook-Air) ab Werk deaktiviert. Mit macOS Big Sur ändert sich das wieder.

Falls du noch ein bisschen mit dem Umstieg auf das neue macOS warten, aber nicht länger auf den Start-up-Sound verzichten möchtest, kannst du ihn mit folgendem Terminal-Befehl unter macOSCatalina aktivieren:
sudo nvram StartupMute=%00
Zum Abschalten nutzt du:
sudo nvram StartupMute=%01

Wer mehr über die Sounds des Mac erfahren möchte, findet bei CNBC ein Interview mit Jim Reekes, der in den 1980er-Jahren als Sounddesigner bei Apple arbeitete. Darin erzählt Reekes, dass alles mit einem Rechtsstreit mit den Beatles begann. Diese zwangen Apple unter anderem dazu, mehrere Sounds umzubenennen. Reekes wollte einen, in Anspielung an den Beatles-Hit „Let it be“, „Let it Beep“ taufen. Das wäre allerdings vermutlich nicht gut ausgegangen und so habe er sich gedacht: „So sue me!“ (zu deutsch: „Verklag mich doch!“) – damit war der Sound-Name „Sosumi“ geboren.

Kontrollzentrum und Mitteilungszentrale

Während es auf dem iPhone und iPad schon seit vielen Jahren ein praktischer Gehilfe im Alltag ist, musste der Mac bis jetzt auf eine wirklich vergleichbare Lösung verzichten: das Kontrollzentrum. Mit macOS Big Sur findet eine Adaption der iOS- und iPadOS-Steuerzentrale ihren Weg auf den Mac. Aufrufen lässt sie sich mithilfe des Icons mit den zwei Kippschaltern in der Menüleiste.

Dort erlangst du Schnellzugriff auf die Einstellmöglichkeiten für die WLAN-Verbindung, Bluetooth-Geräte und AirDrop. Außerdem kannst du die Helligkeit von Display- und Tastaturbeleuchtung sowie die Lautstärke steuern und den „Nicht stören“-Modus aktivieren oder den Mac via AirPlay mit einem anderen Bildschirm beziehungsweise Apple TV verbinden. Wenn du während der Arbeit am Mac Musik hörst, findest du auch eine Art Mini-Player für die Audiowiedergabe im Kontrollzentrum.

Die überarbeitete Mitteilungszentrale, die ebenfalls sehr ähnlich wie auf iPhone und iPad funktioniert, ist indes etwas versteckt. Man ruft sie auf, indem man auf (natürlich) die Uhrzeit in der Menüleiste klickt – was allerdings bedeutet, dass man die Uhrzeit in der Menüleiste von Big Sur nicht länger ausblenden kann.

Die Mitteilungszentrale schiebt sich vom rechten Bildschirmrand über alle anderen Elemente und gibt den Blick auf verpasste (oder ignorierte) Mitteilungen frei. Was genau dort und in welcher Form es angezeigt wird, kannst du in den Systemeinstellungen unter „Mitteilungen“ festlegen: etwa, ob die Benachrichtigungen bestimmter Apps gruppiert werden sollen. Praktisch ist, dass sich im unteren Bereich der Mitteilungszentrale Widgets platzieren lassen. Zum Beispiel, um einen schnellen Blick auf den Kalender, das Wetter oder andere Informationen werfen zu können.

Safari: schneller, sicherer und persönlicher

Das Thema Webbrowser auf dem Mac ist ein schwieriges. Na klar, zunächst einmal ist wenig auszusetzen an Apples eigenem Programmvorschlag Safari. Wie man es von Apple gewohnt ist, ist der Browser perfekt ins System integriert und stellt sich nur selten zickig an. Aber eben doch immer mal wieder. Zum Beispiel im Zusammenspiel mit Google-Diensten, wie der Tabellenkalkulation Sheets oder der Videokonferenzlösung Meet. Diese funktionieren in aller Regel mit Chrome, dem Browser aus dem Hause Google, oder der quelloffenen Alternative Chromium naturgemäß besser. Dafür schafft Chrome es allerdings immer wieder, den Akku eines mobilen Mac in Rekordzeit auf null zu fahren.

An der Kompatibilität zu Googles Webdiensten wird Apple vermutlich so schnell nichts ändern – können oder wollen. Mit der neuen Version von Safari versucht man daher anderweitig zu punkten. Mit breiter Brust behauptet Apple, Safari wäre der schnellste und energieeffizienteste Browser der Welt. Untermauert wird dies mit drei Werten, die Apple im Vergleich zu Chrome und Firefox herausstellt: Mehr als 50 Prozent schneller sei Safari im Durchschnitt beim Öffnen häufig besuchter Websites. Außerdem beschere die Nutzung von Safari bis zu einer Stunde mehr Akkulaufzeit beim Browsen im Internet und bis zu drei Stunden mehr Zeit für die Wiedergabe von Videostreams.

Alle drei Punkte können wir mehr oder weniger bestätigen. Wir haben uns bei unseren Versuchen allerdings auch nicht ganz exakt an die Testaufbauten von Apple gehalten – trotzdem wichen die Ergebnisse nur minimal ab.

Dein persönlicher Webbrowser

Apples zweite große Neuerung für Safari löste in der Redaktion zunächst ein kollektives Schulterzucken aus. Man kann die Startseite des Browsers nun noch weiter den eigenen Vorstellungen anpassen, etwa mit einem selbstgewählten Hintergrundbild. Außerdem können hier jetzt neben den favorisierten Websites auch die Leseliste oder die Browser-Tabs anderer Geräte, die mit demselben iCloud-Account verknüpft sind, angezeigt werden. Irgendwie will das nicht so ganz dazu passen, wie wir unsere Browser verwenden – aber das mag für dich anders aussehen.

Einzig beim Thema Extensions, also den Erweiterungen, wird es noch einmal spannend. Denn schließlich ist dies ein Bereich, bei dem Chrome (und vielleicht sogar auch Firefox) Apples Browser wirklich um Längen abgehängt hat. Mit der neuen WebExtension-Schnittstelle will es Apple Entwicklern nun deutlich einfacher machen, Erweiterungen, die sie für andere Browser geschrieben haben, auch für Safari verfügbar zu machen. Gleichzeitig wird der Mac App Store um eine eigene Kategorie für Erweiterungen ergänzt, sodass noch mehr Menschen auf die neuen Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden.

Schön gelöst ist dabei, dass man Erweiterungen nicht bloß ein- und ausschalten kann; man kann sie auch nur für bestimmte Webseiten aktivieren und so verhindern, dass sie „mitbekommen“, was man sonst noch so im Web treibt.

Datenschutz und sichere Passwörter

Apple positioniert sich seit mehreren Jahren als das große Technikunternehmen, das auf die Privatsphäre der eigenen Kunden achtet, um sie vor neugierigen Blicken anderer zu schützen. Das gelingt Apple mit Ausnahme des (zugegeben: recht großen) blinden Flecks mit dem Namen „China“ auch recht glaubhaft.

Der nächste Schritt auf dem Weg zum „Privatsphäre-Ritter“ in solider Rüstung besteht nun darin, Safari dahingehend zu verbessern. Im Zentrum steht der neue „Datenschutzbericht“, hinter dem wiederum Apples „Intelligent Tracking Prevention“-Technologie steckt – eine neue Funktion also, die Webseiten daran hindern soll, ihre Besucher auszuspähen.

Den Datenschutzbericht spuckt Safari nach einem Klick auf das Schutzschild-Icon in zwei Stufen aus: einen dedizierten Bericht für die aktuell geöffnete Website und einen Tätigkeitsbericht über den vergangenen Monat. Besucht man etwa die Website des „Spiegel“, so zeigt Safari an, dass die „Profilerstellung durch 14 Tracker verhindert“ werden konnte. Im „Detail“-Bereich des Fensters kann man sich anzeigen lassen, um welche Tracker es sich dabei handelt.

Der übergeordnete Bericht zählt für jeweils dreißig Tage hoch, wie viele unterschiedliche Tracker Safari blockiert hat und auf welchen Websites das Programm diese gefunden hat. Während unseres Testzeitraums hat Safari 142 solcher Tracker identifiziert – viele, wie nicht anders zu erwarten, von Google und Facebook. Safari wertet auch aus, wie viel Prozent der besuchten Websites überhaupt Tracker kontaktieren. In unserem Fall sind das 69 Prozent.

Schon länger erfreuen wir uns daran, dass Safari beim Anlegen neuer Benutzerkonten automatisch ein sicheres Passwort vorschlägt und dieses – so man es denn verwenden möchte – auch automatisch in der Schlüsselbundverwaltung ablegt. Dass die Schlüsselbundverwaltung selbst eine gründliche Überarbeitung verdient hätte, merken wir schon seit Jahren an. Eigentlich hat Apple alle Bausteine beisammen, um den perfekten Passwortmanager für den Mac daraus zu machen. Noch sind aber alternative Lösungen wie 1Password oder Enpass Apples Bordmittel in Sachen Funktionsumfang um Längen voraus. Daran ändert sich auch mit macOS Big Sur leider nichts.

Dafür implementiert Apple eine weitere nützliche Funktion, die wir unter anderem von 1Password, dort mit dem Namen „Watchtower“, kennen. Safari prüft im Hintergrund, ob die gespeicherten Website-Passwörter in im Web zugänglichen Passwortdatenbanken auftauchen. Diese Datenbanken erscheinen immer dann online, wenn mal wieder einem Unternehmen Nutzerdaten abhanden gekommen sind. Besonders prominente Beispiel der vergangenen Jahre waren unter anderem Sony, Dropbox und ein US-Dating-Portal, das sich auf Seitensprünge spezialisiert hat. Erkennt Safari ein solches, nicht mehr geheimes Passwort, warnt der Browser und hilft dabei, ein neues Kennwort für den entsprechenden Dienst oder die betroffene Website zu vergeben.

Das Ganze passiert übrigens – wie man es erwarten darf – komplett verschlüsselt und ohne, dass Apple die verwendeten Passwörter erfahren würde.

Karten mit Licht und Schatten

Apples Kartendienst hat sich in vielen Bereichen zu einer echten Alternative zu Google Maps gemausert. Etwa beim Detailgrad der Karten und ihrer Darstellung. In anderen Bereichen fehlt allerdings noch so manches, zum Beispiel mit Blick auf die POI-Datenbank. POI steht dabei für „Point Of Interest“, also etwa „interessante Orte“. Das können beispielsweise Restaurants, Geschäfte, Tankstellen oder Sehenswürdigkeiten sein.

Hier arbeitet Apple natürlich an der Aufwertung des eigenen Dienstes und versucht, Google parallel sogar ein Stück zu überholen. Gelingen soll das mit so genannten „Guides“. Diese präsentieren – unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Reiseführer-Anbieter Lonely Planet – Orte, die man in einer Stadt gesehen haben „muss“. Diese Guides kannst du speichern – du kannst sogar eigene anlegen und mit Freunden teilen.

Aber weil Apple natürlich immer noch Apple ist, fehlt eine Einbindung dieser von Nutzern erstellten Empfehlungen in die Karten-App. Und somit krankt auch die neue Version von Karten an dem alten Problem: Viele attraktive Funktionen (die andere teilweise schon längst haben) sind nur an sehr ausgewählten Orten verfügbar. Die neuen detaillierten Karten? Gibt’s bislang nur in den USA und ein paar weiteren Ländern. Eine Verkehrsführung für Radfahrer? Ist jetzt mit an Bord und sieht sogar super nützlich aus – wenn du zufällig in New York, Los Angeles, San Francisco, Shanghai, Peking oder einer Hand voll weiterer Städte lebst.

Ähnlich sieht es mit dem Navigations-Update für Fahrer eines E-Autos aus: Hier kann Maps jetzt automatisch Lade-Stopps entlang der Route einplanen. Deutsche E-Mobilisten werden davon aber in absehbarer Zeit nichts haben.

Schick ist hingegen die Erweiterung der Funktion zum Teilen der Ankunftszeit: Hier kannst du mit Apple Maps nun deinen Reisefortschritt auch live auf der Karte verfolgen – in etwa so, wie wir es schon seit Jahren von Diensten wie Glympse kennen.

Nachrichten-App endlich gleichauf

Man kann es nicht anders sagen: Apple hat „Nachrichten“ auf dem Mac viele Jahre stiefmütterlich behandelt. Während die Apps gleichen Namens auf iPhone und iPad von Jahr zu Jahr neue Funktionen bekamen, guckte die Mac-Version oft in die Röhre. Das ist insbesondere deshalb schade, weil Apple mit Nachrichten einen der wenigen bekannten Messenger anbietet, der auf jedem (Apple-)Gerät mit einer eigenen App funktioniert. Anders als beispielsweise in Whatsapp können iMessage-Nachrichten auch dann vom Mac verschickt werden, wenn das iPhone ausgeschaltet ist.

Mit macOS Big Sur hievt Apple die Nachrichten-Apps für iPhone, iPad und Mac nun endlich (fast) auf ein Level. Einzig auf ein paar Animoji- und Memoji-Funktionen muss man am Mac noch verzichten – dem Rechner fehlt schlicht das dafür benötigte Kamerasystem aus modernen iPhones und iPads.

Dafür führt Apple in diesem Jahr gleich mehrere überaus sinnvolle Funktionen ein und verbessert bestehende drastisch. In die letztgenannte Kategorie fällt unter anderem die Suche, die ihrem Namen bislang nur an wirklich sehr guten Tagen gerecht werden konnte. Mit macOS Big Sur funktioniert sie zügig und liefert vor allem relevante Ergebnisse, gruppiert in Begriffe in Textnachrichten, passende Links aus Konversationen und verschickte oder empfangene Bilder aus dem Kontext.

Ein wahrer Segen ist, dass man Konversationen mit Personen oder Gruppen, die besonders wichtig sind, nun oben in der Liste der laufenden Chats anpinnen kann und sie so immer im Schnellzugriff hat. Apple lässt das für bis zu neun Gespräche zu; wohl auch, weil die Funktion bei noch mehr als wichtig markierten Konversationen ihren Sinn verlieren würde – wenn alles wichtig ist, ist nichts mehr wirklich wichtig.

In Sachen Gruppenchats holt Apple im Wesentlichen zu den populärsten Konkurrenten Whatsapp, Wechat oder Telegram auf und bietet jetzt etwa die Möglichkeit, ein Gruppenbild zu vergeben oder sich beim Schreiben eigener Nachrichten direkt auf vorangegangen zu beziehen. Dabei macht Nachrichten für unseren Geschmack deutlich sinnvoller, da nachvollziehbarer, grafisch klar, worauf genau sich eine Nachricht bezieht.

Nett ist und längst überfällig ist die Möglichkeit, Personen in einem Gruppenchat direkt zu adressieren. Das funktioniert nun so, wie man es auch von Twitter, Instagram, Facebook und eigentlich überall sonst her auch kennt: nämlich mit einem vorangestellten „@“. Bei sehr aktiven Gruppen kann dies auch ein wirkungsvoller Filter sein: Man stellt einfach ein, dass man über Nachrichten in dieser Gruppe nur dann benachrichtigt werden möchte, wenn man namentlich erwähnt wird.

Was gibt es sonst Neues?

Apples neues Mac-Betriebssystem macOS 11 Big Sur steckt voller kleiner und großer Änderungen, die das Leben und Arbeiten tatsächlich besser machen – wenn auch manchmal nur für ganz bestimmte Anwenderkreise. Das gilt etwa für FaceTime. Apples Videotelefonie- und -konferenz-App erkennt nun, wenn ein Teilnehmer per Gebärdensprache kommuniziert und platziert dessen Videostream prominent im Vordergrund, sodass ihn andere Teilnehmern des Gruppengesprächs besser „lesen“ können.

Catalyst, Apples Technologie, die es Entwicklern ermöglichen soll, iPhone- und iPad-Apps „sanfter“ auf den Mac zu bringen, erhält ebenfalls zahlreiche Verbesserungen. So sollen neue Schnittstellen dafür sorgen, dass zumindest vergleichsweise simple Apps mehr oder minder per Knopfdruck ihren Weg auf den Mac finden. Allerdings: Selbst Apples eigene Catalyst-Anwendungen machen immer noch klar, dass der Weg noch weit ist.

In „Fotos“ hat Apple die Möglichkeiten zum Bearbeiten von Videos und Bildern erweitert. Bewegtbilder kannst du nun beispielsweise mit Filtern versehen, rudimentäre Anpassungen sind nun möglich, ohne dass du erst iMovie starten musst.

Bei der Verbesserung von Fotos fällt vor allem die Überarbeitung des Retusche-Werkzeugs auf, das nun – dank maschinellen Lernens – deutlich besser darin geworden ist, Hautunreinheiten oder auch Staub, der sich während der Aufnahme vor der Linse befand, zu entfernen.

Die Erinnerungen-App baut Apple in der neuen Version zu einer echten To-do-Liste für kleinere Teams oder auch Familien aus. Denn jetzt kannst du Aufgaben endlich auch Personen zuweisen.

So finden sich an allen Ecken und Enden Verbesserungen, die so zahlreich sind, dass wir uns sicher sind, trotz mehrmonatiger Betaphase längst noch nicht alle entdeckt zu haben.

Fazit

Es wäre unfair, macOS 11 Big Sur nur für sich betrachtet zu bewerten. Man muss es als Teil eines großen Ganzen, als Baustein eines „Masterplans“ verstehen. Unaufhaltsam feilt Apple an der offensichtlichen Betriebssystem-Singularität für die wichtigsten der eigenen Produkte. Nun könnte man natürlich behaupten, dass dies nie anders gewesen wäre, teilen sich doch iOS und macOS doch seit jeher denselben Kern. Und schließlich basieren doch alle weiteren Systeme (watchOS, tvOS und iPadOS) ihrerseits auf iOS. Aber niemand kann ernsthaft bestreiten, dass iOS und macOS mindestens die ersten zehn Jahre der Existenz des iPhone-Betriebssystems deutlich unterschiedliche Ansätze verfolgten.

Spätestens mit iOS und iPadOS 14 sowie macOS 11 Big Sur wird klar, dass Apple die „ausgegründeten“ Mobilbetriebssysteme wieder mit dem Mutterschiff zusammenführen möchte. Und das ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Zumindest, wenn man diesen Schritt mit Sinn und Verstand angeht, also dort vereinheitlicht, wo es sinnvoll erscheint und dort Unterschiede belässt, wo sich bisher kein Weg finden lässt, der nicht Funktionalität oder Bedienbarkeit negativ beeinflussen würde.

Außerdem darf man Apples Agenda nicht aus den Augen verlieren: Apple hat gerade erst den ersten Mac präsentieren, der nicht mehr von einem Intel-Prozessor angetrieben wird, sondern von einem ARM-Chip, den Apple selbst entwickelt hat. Ganz so, wie es auch bei iPhone, iPad, Apple Watch und Apple TV der Fall ist. Zwar hat Apple Erfahrungen mit derartig grundlegenden Umstellungen, dennoch steckt hinter dieser Aufgabe ein wahrer Kraftakt, bei dem praktisch keine Fehler passieren dürfen. macOS Big Sur ist der softwareseitige Grundstein für dieses Vorhaben, sodass wir diese Version des Mac-Betriebssystems abschließend vielleicht erst in einem Jahr werden bewerten werden können.

Schon heute steht allerdings fest, dass all jene, die behauptet haben, dass Apple der Mac inzwischen egal wäre, nicht Recht behalten.

Der Wechsel auf ARM-Prozessoren nach eigenem Design und das Update auf macOS Big Sur machen vielmehr klar, wohin die Reise gehen wird und garantieren, dass die Zukunft des Mac auf Jahre gesichert ist.

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