Ratgeber

Bildbearbeitung mit dem iPad: eine echte Alternative

Für Apple ist das iPad eine echte Alternative zum MacBook. Das Magic Keyboard und der Apple Pencil sind ideal, um auf dem Tablet Bildbearbeitungen zu machen. Doch funktioniert das in der Praxis? Wir haben es probiert.

Auf der ersten iPad-Präsentation hat Steve Jobs im Frühjahr 2010 Fotos auf dem neuen Tablet bestaunt. An echte Bildbearbeitung war noch gar nicht zu denken. Heute ist aus dem Medien-Tablet ein echter Computerersatz geworden. Besonders Modelle wie das iPad Pro oder das iPad Air liefern mittlerweile genug Rechenleistung, um mobil produktiv zu arbeiten.

Zubehör wie das Magic Keyboard und der Apple Pencil erweitern das iPad über die Möglichkeiten eines Laptops hinaus. Da stellt sich also schnell die Frage, ob das iPad nicht ein kompletter Ersatz für die mobilen Macs sein könnte. Wir fragen uns in dieser Ausgabe konkret: Kann das iPad echte Bildbearbeitungen übernehmen?

Simple Änderungen mit der Fotos-App

Die erste Anlaufstelle für simple Bildbearbeitungen ist Apples vorinstallierte Fotos-App. Mit dieser Anwendung kannst du schnelle Änderungen an deinen Fotos vornehmen. Beispielsweise kannst du dein Bild zuschneiden, begradigen, spiegeln oder drehen. Für detaillierte Bearbeitungen kannst du einzelne Komponenten wie zum Beispiel die Schärfe, den Kontrast oder die Helligkeit verändern.

Du hast außerdem die Auswahl zwischen vorgefertigten Filtern, falls es schnell gehen soll. Der Kreis mit den drei Punkten in der rechten oberen Ecke öffnet die Optionen. Hier kannst du Markierungen vornehmen. Dazu öffnest du ein Markierungswerkzeug wie zum Beispiel den Textmarker, verschiedene Stifte und Farben.

Falls du einen Apple Pencil nutzt, kannst du direkt auf dem Display arbeiten und musst nicht erst die Optionen öffnen. Aber auch diese Bearbeitungsmöglichkeiten bleiben simpel. Apples Fotos-App eignet sich daher für schnelle Änderungen, damit deine Bilder in den sozialen Netzwerken etwas origineller daherkommen. Für richtige Bildbearbeitungen brauchst du andere Apps.

Lightroom für Foto-Profis

Eine Alternative zu Apples simpler Fotos-Anwendung ist Lightroom von Adobe. Als Teil der Adobe Creative Cloud ist die App auf dem Mac schon lange eine wichtige Anlaufstelle für Foto-Profis. Auf dem iPad kannst du mittlerweile auch deine Schnappschüsse bearbeiten. Die App kümmert sich um eine professionelle Bearbeitung deiner Bilder. Damit kannst du die Bildqualität nachträglich verbessern.

Zum Beispiel, indem du einzelne Farbwerte veränderst, die Lichtverhältnisse anpasst oder Details wie Schärfen und Rauschen bearbeitest. Du kannst außerdem Wasserzeichen hinzufügen. Mit der kostenlosen Version kannst du die wichtigsten Funktionen nutzen. Für fortgeschrittene Werkzeuge, wie etwa der nachträglichen Perspektivänderung deines Bildmotivs, benötigst du das kostenpflichtige Abo.

Für Lightroom auf dem iPad zahlst du knapp 5 Euro pro Monat. Damit schaltest du alle Funktionen frei und erhältst 100 GB Speicherplatz in der Creative Cloud. Für rund 12 Euro pro Monat kannst du sowohl die mobile als auch die Desktop-Version von Lightroom in Kombination nutzen.

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Die Premium-Version erlaubt sogar das Importieren von RAW-Dateien, die du mithilfe eines SD-Kartenadapters mit Lightroom dann importieren und bearbeiten kannst. Apples ProRAW-Bildformat der iPhone-12- Kameras unterstützt Lightroom mittlerweile als eigenes Profil. Lightroom ist besonders für Foto-Profis eine sinnvolle App, die auf dem iPad mit den wichtigsten Funktionen vertreten ist.

Im Zusammenspiel mit Adobe Photoshop kannst du aber noch mehr mit deinen Bildern machen.

Woher kommen die Dateien?

Das iPad hat mit iPadOS mittlerweile ein eigenes Betriebssystem. Die Pro-und Air-Modelle setzen auf einen USB-C- Anschluss statt Apples eigenen Lightning-Stecker. Trotzdem ist die Frage berechtigt: Wie kommen meine Daten auf das iPad und wieder runter?

Der oftmals einfachste Weg ist mit Cloud-Diensten wie Apples iCloud, Adobes Creative Cloud oder Google Drive und Dropbox. Das kann bei großen Dateien aber lange dauern und benötigt eine Internetanbindung. Bei Fotoshootings im Wald kann das zum Beispiel ein Problem sein. Bei den USB-C- Modellen kannst du entsprechende USB-Sticks nutzen.

Mit dem richtigen Adapter kannst du SD-Speicherkarten direkt in das iPad stecken. Das ist der schnellste und einfachste Weg, um die Fotos von deiner Spiegelreflexkamera auf das iPad zu bringen.

Photoshop auf dem iPad

Nach einem langen Umweg über mehrere abgespeckte Versionen hat Adobe 2019 endlich das echte Photoshop auf das iPad gebracht. Nach einer großen Ankündigung auf Apples Bühne im Oktober 2018 wurde es lange still um das Projekt. Ende 2019 erschien dann endlich Photoshop auf dem iPad.

Die Ernüchterung war vorprogrammiert. Das „echte“ Photoshop war zwar endlich da, aber im Vergleich zum Mac-Ableger deutlich abgespeckt. Dennoch bietet Photoshop auf dem iPad viel Bekanntes. Die App ermöglicht dir dort die Gestaltung von Grafiken, eigenen Designs, Logos und Bildbearbeitungen.

Du kannst Photoshop-Dateien auf dem iPad öffnen und bearbeiten. Das ist besonders praktisch, wenn du zwischen stationärer Arbeit am Mac und mobiler Arbeit am iPad wechseln möchtest oder deine Ergebnisse von anderen Teammitgliedern weiterverarbeitet werden sollen.

Die Werkzeuge auf dem iPad erinnern an die Funktionen der „großen“ Desktop-Ableger. Du kannst deine Bilder retuschieren, komplexe Ebenen anlegen und bearbeiten, eigene Kompositionen anfertigen und mit Masken arbeiten.

Deine Dateien überträgst du mit der Adobe Creative Cloud oder anderen Cloud-Diensten wie Dropbox, Google Drive oder iCloud. Alternativ kannst du die Dateien mittels AirDrop oder auf einem USB-C- Stick weitergeben. Photoshop gibt es in der iPad-Version für 11 Euro pro Monat im Abo. Du kannst aber Pakete mit weiteren Adobe-Apps abschließen. Zum Beispiel die Version, die dir ermöglicht, Photoshop sowohl auf dem iPad als auch den Mac zu nutzen.

Diese kostet dann 24 Euro pro Monat. Adobe ist mit dem umfangreichen Photoshop erst spät auf dem iPad angekommen und das macht sich immer noch bemerkbar. Die Bedienoberfläche ist auf dem klassischen iPad in der deutschen Version abgeschnitten und Knopfbeschreibungen sind verkürzt. Die App unterstützt zwar externe Tastaturen und ein Trackpad, allerdings ohne eigene Anpassungen.

Dadurch fehlt etwa der Rechtsklick als Funktion. Das sind alles keine dramatischen Einschränkungen. Es unterstreicht aber den Eindruck, dass Adobe noch viel Arbeit vor sich hat, um das vollständige Photoshop-Erlebnis endlich auf das iPad zu bringen.

Das richtige Zubehör
  • Apple Pencil: Egal ob du ein iPad mit der ersten oder zweiten Pencil-Generation nutzt, der digitale Stift hilft vor allem bei eigenen Designs. Ab 100 Euro.
  • Magic Keyboard oder Logitech Touch Combo: Für das iPad Pro und iPad Air empfiehlt sich die Anschaffung eines Magic Keyboards. Wer mit einem normalen iPad arbeitet, greift zu Logitechs Combo-Touch-System. Mit beiden Geräten bekommst du eine physische Tastatur und ein Trackpad. Ab 150 Euro.
  • SD Kartenlesegerät Adapter: Zum Import von Bildern aus der Spiegelreflexkamera. Als USB-C- Version für das iPad Pro und iPad Air. Andere iPad-Modelle nutzen die Lightning-Version. Ab 35 Euro.
  • Digital AV Adapter: Mit diesem Zubehör schließt du dein iPad per HDMI an einen Fernseher oder externen Monitor an. Gibt es sowohl als USB-C-Version als auch in der Lightning-Variante. Ab 55 Euro.

Affinity Photo als Alternative

Während Adobe das iPad verschlafen hat, war die Konkurrenz hellwach. Deshalb ist das Feld der mobilen Bildbearbeitung hart umkämpft. Neben Photoshop gibt es also weitere Anwendungen. Affinity Photo von Serif ist eine Alternative.

Die Anwendung ist sowohl auf dem iPad als auch dem Mac vertreten, sodass du stationär und mobil arbeiten kannst. Im Vergleich zu Adobes Abomodell gefällt der Einzelkauf bei Affinity Photo. Für 22 Euro erhältst du die iPad-Version im App Store. Auf dem Mac zahlst du einmalig 55 Euro für die Desktop-Version.

Auf dem iPad kannst du mit Affinity Photo PSD-Dateien öffnen, bearbeiten und sogar wieder im gleichen Format exportieren. Das macht die App universell und stört keine vorhandenen Photoshop-Workflows. Du kannst mit der Bildbearbeitung viele vom Mac bekannte Funktionen nutzen.

Mit Affinity Photo restaurierst du deine Bilder, nutzt Weich-und Scharfzeichner und kannst Farben und Pinsel mischen. Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind auf dem Tablet insgesamt sehr detailliert. Die Bedienoberfläche ist aufgeräumt und leicht verständlich. Mit Fotos und Bildern kannst du ebenfalls arbeiten.

Zum Beispiel kannst du Fotomontagen anfertigen, vorhandene Assets speichern und zwischen den Geräten austauschen sowie Stockfotodienste wie Unsplash, Pexels und Pixabay direkt in der App einsetzen. Mittels Suchfeld findest du sofort gewünschte Stockfotomotive und fügst sie als eigene Ebenen hinzu.

Doch leider funktioniert diese Funktion auf einem Standard-iPad nicht und bricht beim Download der Bilder stets ab. Nichtsdestotrotz ist Affinity Photo nicht nur wegen des Preises und Einzelkaufs eine echte Alternative zu Photoshop, sondern auch durch die vielen robusten Werkzeuge.

So geht’s: eigene Schriften in Photoshop nutzen

1. Das iPad unterstützt mittlerweile eigene Schriftarten, die du aber zunächst selbst installieren musst. Diese kannst du in Photoshop einsetzen. Dazu lädst du die Creative Cloud App aus dem App Store.

2. Anschließend öffnest du die App und meldest dich mit deinem Adobe-Konto an. Am unteren Bildschirmrand findest du die Option „Schriften“. Hier gibt es eine Auflistung verschiedener Schriftsätze.

3. In der Detailansicht kannst du mit dem blauen Plus-Symbol die verschiedenen Varianten der Schriftart hinzufügen. Anschließend steht der Schriftsatz in Photoshop, aber auch allen anderen Apps zur Verfügung.

So geht’s: Pencil-Einstellungen in Affinity Photo

1. In der Hauptansicht öffnest du am linken Bildschirmrand deine Werkzeuge wie zum Beispiel den Malpinsel. Anschließend erscheint am unteren Bildschirmrand eine Leiste mit Einstellungen zu deinem Werkzeug.

2. Die wichtigsten Funktionen wie zum Beispiel die Drucksteuerung kannst du hier direkt einstellen. Der Knopf „Mehr“ öffnet weitere Einstellungsoptionen. Verschiedene Werkzeuge können eigene Werte bekommen.

3. Für schnelle Änderungen des Pinsels kannst du das Studio am rechten Bildschirmrand öffnen. Hier wählst du die Pinseldicke und den Pinselstil aus einer Liste aus. Anschließend kannst du mit dem Pencil malen und zeichnen.

Bildbearbeitung mit dem Apple Pencil

Der Apple Pencil macht aus dem iPad als Laptopkonkurrenten eine echte MacBook-Alternative. Egal, ob du dabei ein Tablet mit der ersten oder zweiten Generation des digitalen Stifts bedienst. Mit dem Pencil machst du aus dem iPad ein echtes Grafiktablett.

Apples Fotos-App unterstützt zwar den Pencil, erlaubt aber lediglich Markierungen auf deinen Bildern. Echte Bildbearbeitung kannst du mit dem Stift also nicht vornehmen. Das geht hingegen mit Photoshop. Hier kannst du mit dem Stift vor allem malen und zeichnen.

Die einzelnen Pinsel besitzen eine Vielzahl feiner Einstellungsmöglichkeiten für Aussehen, Farben, Größe, Härte und mehr. Du kannst sogar die Pinselstärke in Abhängigkeit des Stiftdrucks einstellen. Besonders praktisch sind die „Touch Shortcuts“, mit denen du mittels Displayberührung aus dem Stift einen Radierer machst.

Für Lightroom ist der Apple Pencil eher eine Ergänzung als ein unverzichtbares Werkzeug. Du kannst natürlich die verschiedenen Schieberegler mit dem Stift nutzen statt mit dem Finger. Darüber hinaus gibt es in der Premium-Version selektive Korrekturen, mit denen du einzelne Teilbereiche der Fotos veränderst.

Dann „malst“ du deine Änderungen mit dem Pencil auf deine Fotos. Affinity Photo unterstützt den Apple Pencil ebenfalls und mit einer enormen Detailvielfalt. Du kannst nicht nur die einzelnen Zeichenstile, sondern vor allem die Druckkraft des Stiftes einstellen. Mit eigenen Stabilisatoren zeichnest du aus der freien Hand saubere Pinselstriche auf das iPad.

Schnappschüsse aufräumen

Auf dem iPad gibt es neben den gro en Bildbearbeitungsapps viele kleine Anwendungen, die sich auf einige wenige, aber praktische Funktionen konzentrieren. Damit decken sie dann sehr spezielle Einsatzzwecke ab und können dir den Alltag erleichtern.

Zum Beispiel die App „Bestphotos“, mit der du deine Fotos schnell und effektiv aufräumst. Die App zeigt dir zum Beispiel mehrere Schnappschüsse des gleichen Motivs an, damit du die beste Version schnell herausfindest. Die kostenlose Basisversion kann dir beim Aufräumen helfen, doch manche praktische Funktionen schaltest du erst mit einem In-App-Kauf ab rund 5 Euro frei.

Spaß mit Selfies

Eine weitere Spezial-App ist „Faceapp“, mit der du deine Selfies schnell verbessern kannst. Du kannst dein Gesicht nachträglich mit Bärten versehen, ein Lächeln hinzufügen und sogar mehrere verschiedene Gesichter zu einer neuen Person verwandeln. Die technischen Möglichkeiten der App sind beeindruckend.

Die Preisgestaltung allerdings nicht. Viele Funktionen gibt es nur im kostenpflichtigen Abo von 5 Euro monatlich oder 30 Euro jährlich. Die kostenlose Testphase f llt mit nur drei Tagen zu knapp aus.

Fazit

Echte Bildbearbeitung ist auf dem iPad möglich. Apples eigene Bestrebungen halten sich dabei jedoch in Grenzen. Für schnelle Änderungen an den eigenen Schnappschüssen reicht die Fotos-App aus, für echte Bildbearbeitung brauchst du eigenständige Anwendungen.

Mit Apps wie Photoshop und Lightroom bringst du deine Workflows aus der Creative Cloud auf das Tablet. Lightroom kannst du für den Einstieg kostenfrei nutzen. Photoshop ist endlich auf dem iPad angekommen. Allerdings muss Adobe noch beim Funktionsumfang aufholen.

Wer nach neuen Werkzeugen sucht, greift zu Affinity Photo. Besonders die umfangreichen Pencil-Funktionen machen die App zum echten Photoshop-Konkurrenten. Anders als bei Adobe benötigst du kein laufendes Abonnement, sondern kaufst die App einmalig.

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