Ratgeber

7 wichtige Tipps zur Lichtsetzung für Homeshootings

Sinnliche Kompositionen mit spannender Lichtsetzung sind keine Frage des Budgets, sondern mit einfachen Mitteln in der eigenen Wohnung umsetzbar. Jeean Alvarez verrät die besten Kniffe für Homeshootings, mit denen Ihnen starke Aufnahmen auch ohne große Kosten gelingen.

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Kleines Budget, starke Fotos bei Homeshootings

Homeshootings haben ein ganz eigenes Flair, denn man fotografiert in einer Location mit vertrauten Requisiten, sozusagen in einer Wohlfühl-Atmosphäre. Wenn Sie für vertraute Personen beim Shooting für eine entspannte Atmosphäre sorgen, spielt es keine große Rolle, ob Sie wirklich zu Hause, bei Freunden oder in einer gemieteten Location fotografieren. So können Sie auch ohne großes Budget Fotos in einer tollen Umgebung machen. Bevor Sie mit dem Fotografieren starten, nehmen Sie sich unbedingt ein paar Minuten Zeit, um mit dem Model die Ideen und den Ablauf des Shootings zu besprechen.

Wenn Sie bisher noch nie zusammengearbeitet haben, ist das eine gute Möglichkeit, das Vertrauen aufzubauen und dann als Team zu agieren. Gute Aufnahmen entstehen nur, wenn beide (sprich Model und Fotograf) wirklich gut harmonieren. Das gilt besonders dann, wenn es um Lingerie- oder Nude-Aufnahmen geht. Je wohler sich das Model fühlt, desto höher die Chance auf starke, sinnliche und eindrucksvolle Aufnahmen. Es mag trivial klingen, ist aber unerlässlich und wird immer wieder vergessen: Sorgen Sie dafür, dass die Location ausreichend geheizt ist.

Zauberhaftes Lichtspiel

In unserem Aufmacherbild (1) sehen wir eine sinnliche Aufnahme in Schwarzweiß, die in meinem Fotostudio entstanden ist. Das Model mit exotischem Look liegt verführerisch auf dem Bett, ausschließlich umgeben von weißen Laken und Kissen. Das Motiv ist schön hell ausgeleuchtet. Doch eine Besonderheit sticht uns sofort ins Auge: Die auffälligen Lichtakzente auf dem Körper des Models – Streiflicht als Hingucker und besonderer Akzent.

Das gesamte Licht kommt in dieser Aufnahme von einem großen Fenster, das sich in Blickrichtung des Models befindet. Gardinen vor dem Fenster sorgen dafür, dass die Lichtstrahlen der Sonne nicht nur diffundiert werden und für eine weiche Gesamtausleuchtung sorgen, sondern zugleich tolle Schattenwürfe und Strukturen entstehen, die Sie mit wenigen Handgriffen an den Gardinen anpassen können. So entstand mit einfachen Mitteln ein traumhaftes Bild.

Lichtsetzung leicht gemacht

Die Arbeit mit Available Light ist gerade bei Homeshootings eine schöne Sache. Eine natürliche Lichtstimmung zu erzeugen, wenn kein Tageslicht vorhanden ist, ist hingegen nicht ganz leicht. Scheint am Tag des Shootings etwa keine Sonne, liegen die Fenster der Location zur falschen Seite hin oder werden diese durch nahe gelegene Gebäude abgeschottet, sodass nicht mehr genügend Licht hineinfällt, müssen Sie auf eine Blitzanlage zurückgreifen. Sie sollten jedoch drauf achten, das die Lichtquelle nicht auf den ersten Blick als künstliches Licht zu erkennen ist. Auch wenn bewusst „geblitzte“ Looks für manche Motive funktionieren können, ist das nicht die Lichtwirkung, nach der ich für meine Kompositionen suche.

Wie natürlich auch geblitzte Fotos wirken können, sehen Sie in den Bildern (2) und (3). Damit trotz künstlicher Beleuchtung eine Aufnahme entsteht, die kaum von Available-Light-Fotos zu unterscheiden ist, blitze ich immer indirekt. Ich arbeite mit dem Elinchrom Pro HD 500, das Prinzip funktioniert aber natürlich auch mit jedem anderen System. Für den gezeigten Look richtete ich den Blitzkopf auf die oben rechts in den Bildern (2) und (3) zu sehende Gardine. Das Blitzlicht, das von der Gardine zurück auf das Model reflektiert wird, sieht so aus, als wäre es Licht aus dem Fenster – und erzeugt deshalb die natürliche Wirkung. Tatsächlich wirkt es, als sei das Bild an einem Sommermorgen entstanden, an dem die Sonne durch das Fenster scheint und den Raum erleuchtet. Wenn Ihnen keine Gardine zur Verfügung steht, können Sie auch eine dem Model gegenüberliegende weiße Wand als Reflektor benutzen.

Geeignete Sets und Locations

Wir haben auf den vorherigen Seiten schon wiederholt das Bett als zentrales Element gesehen. Dieses kommt Ihnen auch sicherlich als klassisches Motiv zuerst in den Sinn, wenn Sie bei sinnlichen Homeshootings an potenzielle Aufnahmeorte denken. Ein Bett steht schließlich in jeder Wohnung und eignet sich somit wunderbar als Requisite. Alternativ kommen auch schöne, bequeme Sofas als geeignete Requisite in Frage. Denken Sie aber auch an die Küche oder das Bad: Bilder vor dem Badezimmerspiegel, in der Badewanne oder beim Duschen stehen ganz weit oben auf der Liste der potenziellen Motive.

Wenn Ihre Wohnung nicht gerade aufgeräumt ist oder sie optisch einfach nicht optimal für ein Shooting geeignet ist, muss Sie das aber nicht von der Arbeit abhalten. In solchen Fällen nutze ich gerne günstige mobile Hintergrundsysteme, im Grunde zwei Leuchtenstative mit einer Querstange. Je nach gewünschtem Look können verschiedene Papier- oder Stoffhintergründe gekauft werden. Für Bild (4) habe ich einen Blue-Fossil-Hintergrund gewählt (www.calumetphoto.de). Der Hintergrund misst 3 mal 3,6 Meter und besteht aus Baumwolle. Damit habe ich genug Spielraum, um störende Hintergrundelemente zu verstecken.

Out of the Box

Denken Sie bei Homeshootings unbedingt auch im wörtlichen Sinne „Out of the Box“. Ich habe für Bild (5) ein Set gewählt, auf das man unter dem Oberbegriff Homeshooting vielleicht nicht direkt kommt: Ich bin gemeinsam mit dem Model auf mein Hausdach geklettert und habe bei Sonnenuntergang unter traumhafter Lichtstimmung ein Rooftop-Shooting umgesetzt. Durch das Gegenlicht, mit dem ich sehr gerne arbeite, entsteht ein schönes Lensflair, das ich bewusst in die Komposition aufgenommen habe. Einen Eindruck von der Höhe, in der wir gearbeitet haben, bekommen Sie, wenn Sie einen Blick auf die Hausdächer im Hintergrund werfen. Je nach Tageszeit können die Ergebnisse komplett unterschiedlich ausfallen.

In Bild (6) sehen Sie, dass die Sonne bereits untergegangen ist, als ich mit einem weiteren Model aufs Dach hinaufgestiegen bin. Hier habe ich eine Blende von f/1,6 gewählt, damit sich das Model besser vom Hintergrund abhebt. Damit die Umgebungslichter schön zur Geltung kommen, habe ich den ISO-Wert auf 2000 gesetzt. Es gibt sicher einige Fotografen unter Ihnen, die bei so einer hohen ISO-Zahl sofort an Bildrauschen denken. Aber keine Sorge, eine Kamera wie die Sony Alpha 7R II kommt damit sehr gut zurecht! Durch die Wahl der weit geöffneten Blende, welche ebenfalls viel Licht auf den Sensor durchlässt, habe ich den schönen Nebeneffekt erzielt, dass die einzelnen Lichtquellen im Hintergrund als schöne, runde Highlights in meiner Aufnahme erscheinen. Das verleiht dem Bild noch mehr Glanz und Wirkung. Gehen Sie dabei aber bitte kein Risiko ein, und sorgen Sie jederzeit für Sicherheit!

Perspektivwechsel

Zu meinen Anfangszeiten kontaktierte ich einen Fotografen, an dessen Bildern mir etwas gefiel, das ich nicht genau beschreiben konnte. Ich erhoffte mir einen Tipp, wie ich die Qualität meiner Bilder steigern konnte, und diesen Tipp gebe ich heute gerne weiter. Er sagte zu mir: „Beweg dich, fotografiere von oben, von unten, gehe hinter das Model.“ Ein Blick auf meine Bilder zeigte, dass ich immer nur frontal aus der Normalperspektive fotografiert hatte. Es lohnt sich auch mal die Perspektive zu wechseln. Bild (2) und Bild (7) habe ich von einer Leiter aus fotografiert, also aus der Vogelperspektive. Wichtig ist der Neigungswinkel: Dieser sollte nicht zu steil sein, da der Körper des Models sonst verzerrt dargestellt wird. Die Froschperspektive hingegen verwende ich recht selten, kann aber kreativ angewendet auch zu schönen Ergebnissen führen. Mit einem veränderten Aufnahmestandpunkt bringen Sie ganz einfach mehr Spannung ins Bild.

Kontraste

Ein weiteres Gestaltungsmittel sind Kontraste. Wenn ein Foto allzu gleichmäßig ausgeleuchtet ist, kann es auch etwas langweilig wirken. Achten Sie bei Homeshootings genau auf die Lichtquelle: In einem Raum mit vielen Fenstern auf verschiedenen Seiten erhalten Sie wenig Kontraste. Besser ist es, wenn das Licht aus nur einer einzigen Richtung kommt. In Bild (8) sitzt das Model recht nah am Fenster. So fällt viel Licht auf ihre linke Körperhälfte, während die rechte viel dunkler bleibt. Variieren Sie den Abstand des Models zum Fenster und die Ausrichtung zur Lichtquelle, um Intensität und Wirkung der Kontraste schrittweise zu verändern. Bei richtiger Platzierung entstehen so wundervolle Kontraste, die Ihre Bilder aufwerten.

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