Test

Acer Chromebook Spin 713 im Test: Sound mau, Schnittstellen schlau

Die Schlacht wird immer spannender: Mit dem Acer Chromebook 713 kreuzt ein weiteres Flaggschiff in den sich langsam füllenden Premium-Gewässern des Markts. Wie schlägt es sich gegen die Widersacher? Ein erster exklusiver Blick.

Während weite Teile der Technikwelt ihren Blick im Juni traditionell auf die Apple-Entwicklermesse „WWDC“ richteten, veranstaltete ein anderes gewichtiges Unternehmen der Industrie seine jährliche Pressekonferenz:

Die „next@acer“ schlug zwar in nicht gar so hohe Wellen, hielt für Chromebook-Nutzer aber mindestens einen echten Höhepunkt bereit: Mit dem Spin 713 wagte sich Acer ein weiteres Mal ins Gefilde der Premium-Chromebooks, in dem sich schon weitere große Namen wie Asus mit dem Flip C436, Samsung mit dem Galaxy Chromebook und natürlich Google selbst tummeln – und das man mit dem Spin 13 selbst schon betrat.

Gleichzeitig ist das Spin 713 ein weiteres Chromebook, das Intels „Athena“-Spezifikationen erfüllt und damit gleichauf etwa mit Asus’ aktuellem Flaggschiff liegt.

Mit anderen Worten: Die Zeiten, in denen der Chromebook-Markt fast ausschließlich aus Billigrechnern aus PC-Restbeständen am unteren Leistungsspektrum bestand, sind nunmehr endgültig vorbei – die Auswahl reicht mittlerweile in Höhen, die bis dato Apple mit seinen Macbooks vorbehalten schienen.

Produkthinweis

Acer Chromebook Convertible 13 Zoll (CP713-2W-560V) (ChromeOS, Laptop,  QHD Touch-Display, Akkulaufzeit: Bis zu 10 Stunden, Tastatur beleuchtet, 1,37 Kg leicht, 16,8  mm dünn) Premium Chromebook

Wenn der Postmann eindringlich klingelt

Es hat schon etwas Konspiratives, wenn der Postbote mit einem Paket das Büro betritt, dessen Inhalt – zumindest zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses der Sommerausgabe – noch nicht in Deutschland erhältlich war und bis dahin auch noch keine anderen Redaktionen erreicht hatte. „Unser“ Spin 713 kam direkt von der Acer-Keynote – und die deutsche Niederlassung der Taiwanesen kündigte es uns entsprechend als Vorserienmodell an.

Was uns im Karton erwartete, vermittelte so auch den Hauch der Extraklasse: Acer verpackt das edle Stück Technik komplett in stahlgraues Aluminium, das einen gewissen Industrial-Charakter versprüht. Noch wichtiger als die Optik ist dabei die Widerstandsfähigkeit: Laut Acer verkraftet das Spin 713 Stürze aus einer Höhe von bis zu 122 Zentimetern – es darf also auch mal gepflegt vom Schreibtisch knallen, ohne Schaden zu nehmen.

Außerdem hält es einem Druck von bis zu 60 Kilogramm statt – der achtlos während des Sicherheitschecks auf dem Deckel abgestellte, vollgepackte Koffer bereitet somit ebenfalls keine Probleme. Dass diese Angaben auch stimmen, ließ sich Acer nach US-Militärnormen bestätigen.

Dreht man das 713 um, fallen zunächst die bei einem Chromebook eher unüblichen Lüfterschlitze auf, die einen ersten Hinweis auf die innenliegenden Pferdestärken geben. Während unseres Tests liefen die Lüfter jedoch nur selten an – sie flüstern zwar nicht, sind aber eher dezent und nicht störend zu vernehmen.

Sowieso erwärmt sich das Chromebook Spin 713 während seines Betriebs etwas, was besonders beim Tippen und dem Auflegen der Handballen zu spüren ist. Keine Sorge: Das Gerät „kocht“ nicht etwa. Zudem sollte man bedenken, dass Aluminium sowieso Wärme besser abgibt als Kunststoff.

Leichter macht all das Metall den Rechner freilich nicht: Mit knapp 1,4 Kilo liegt er bei der Nutzung im Tablet-Modus gerade noch im erträglichen Bereich. Lange will man das Spin so aber nicht im Arm wiegen.

Generation Z(ehn)

Das Spin 713 nutzt als eines der ersten Chromebooks die aktuellen (Comet-Lake-S-)Intel-Core-Prozessoren der zehnten Generation, die erst im April ihre offizielle Ankündigung erlebten. Das uns vorliegende Testgerät bringt eine vierkernige i7-CPU auf Höchstgeschwindigkeit, die normal bei 1,8Gigahertz taktet und im Turbo-Boost-Modus gar auf 4,9GHz kommt.

Ob und wann es auch auf dem Chromebook Anwendungen geben wird, die so viel Muskelschmalz tatsächlich bedürfen, mag dahingestellt sein. Es schadet jedoch nicht, es zu haben. Zudem steht auch eine 713-Version mit einer i5-CPU zu erwarten.

Es geht mit großen Werten weiter: Die CPU darf auf 16 Gigabyte Speicher zugreifen (da geht auch Dutzenden Chrome-Reitern nicht die Luft aus), laut Keynote-Informationen soll es aber auch Varianten mit 8 und sogar (urgs!) 4 GB RAM geben – von Letzterer sollte Acer aber absehen, sie ergibt wenig Sinn. Die SSD-Kapazität fasst 256 GB und nutzt den optimierten NVMe-Zugriff – auch hier gibt es sicher bald sparsamere Ausstattungen.

Wie fühlt sich all die Leistung an? Wie erwähnt: schwer zu sagen. Denn Chromebooks sind in der Regel immer gefühlt schnell – die Schonung von Ressourcen gehört eben zu ihrem Markenzeichen. Wer aber einen Anhaltspunkt will: Wir ließen mehrere Netflix-, Amazon-Prime- und Youtube-Filme ohne Probleme auf zwei Bildschirmen nebeneinander laufen. Nur unser Gehirn war etwas überfordert.

Mit anderen Worten: Entlang der acht Jahre Unterstützung, die Google auch diesem Chromebook gewährt, brauchst du dir auch bei komplexer geratenen Anwendungen wohl keine Sorgen zu machen.

3:2 für Acer

Gespannt waren wir aufs Display, weist dieses doch ein auch im Chromebook-Markt eher seltenes Bildformat von 3:2 auf. Insofern erinnerte uns das Spin 713 beim Aufklappen sofort etwas an das selige Chromebook Pixel von 2015, das mit einem ebensolchen Bildschirm überraschte.

Der Vorteil damals wie heute: Das Format ist optimiert für die Darstellung von Webseiten, auch Text- oder PDF-Dokumente erfordern dank des etwa 20 Prozent höheren Bildschirms weniger scrollen. Der Nachteil: Im Gegensatz zu 16:9-Schirmen erzeugen Netflix- und Youtube-Filme oben und unten einen deutlichen Balken, statt den gesamten Bildschirm zu füllen.

Was ist dir also wichtig?

Qualitativ verbaut Acer im Spin 713 eines der besten Displays, die wir bisher in einem Chromebook erleben durften – es ist auf Augenhöhe mit dem Pixelbook. Und da dies wie Samsungs Galaxy Chromebook mit seinem OLED-Display in Deutschland schlicht nicht erhältlich ist, erübrigt sich ein Vergleich für die allermeisten Anwender sowieso.

Das Acer-Flaggschiff kommt auf eine QHD-Auflösung von 2.256 mal 1.504 Bildpunkten. Zum Vergleich: Das Flip C436 von Asus bringt „nur“ Full-HD mit 1.920 mal 1.080 Pixeln mit. Fairerweise sei gesagt, dass die Ausnutzung dieser Möglichkeiten auf dem 13,5-Zoll-Display (34,3 Zentimeter) des Spin 713 dann auch fast eine Lupe bedingt – beeindruckend ist die Darstellung trotzdem.

Für unseren Geschmack sind viele der von Acer verwendeten Bildschirme tendenziell etwas dunkel. Beim Spin 713 haben die Taiwanesen in dieser Hinsicht aber alles richtig gemacht: Das Display strahlt, wir mussten es durchaus nicht voll hochregeln, was bekanntlich den Akku schont. Mit zehn Stunden gibt Acer dessen Laufzeit an – ein Wert, den wir allerdings nicht ganz erreichten: Während unseres Tests war eher nach acht Stunden „Schicht im Schacht“, was angesichts des hellen Displays immer noch ein befriedigender Wert ist.

Eine Randnotiz: Das Spin 713 lässt sich mit einem Finger öffnen, obwohl das 360-Grad-Scharnier recht stramm gespannt ist – ein sicher nicht kaufentscheidendes, aber doch angenehmes Premium-Detail, das man sehr schnell nicht mehr missen möchte.

Projekt Athena

Mit der Athena-Klasse stellte Intel 2019 den Nachfolger der in die Jahre gekommenen Ultrabook-Spezifikationen aus dem Jahr 2011 vor. Um eine Zertifizierung zu erlangen, müssen Hersteller mit ihren Geräten verschiedene Vorgaben erfüllen, darunter das „Aufwachen“ in unter einer Sekunde, WLAN mit 6Gbit/s oder mehr, einen Touchscreen sowie eine Sprachsteuerung.

Präzise Schere

Dreht man das Display auf über 90 Grad hinaus, stellt es die Tastatur etwas hoch – diesen „Trick“ kennt man von Asus-Geräten. Dies soll zu einer ergonomischeren Position beim Tippen führen – ob dies wirklich spürbar ist, mag jeder selbst entscheiden.

Damit ist uns jedoch der Übergang zur Tastatur elegant gelungen. Ähnlich wie beim Display waren wir hier, offen gesagt, etwas skeptisch, denn Acer-Keyboards wirken unserer Auffassung nach oft ein wenig „wischiwaschi“: Besonders bei Consumer-Modellen haben sie gern etwas Spiel und einen etwas unpräzisen Anschlag.

Ganz anders die Tastatur des Spin 713: Sie hat einen angenehmen Tastenweg und schlägt spürbar an – man ertastet quasi die hochwertige „Schere“ darunter. Stellt man die Tastatur mit dem erwähnten Scharnier etwas auf, ist sie allerdings etwas lauter als in ihrer normalen Position.

Ohne Zweifel ist dies das beste Keyboard, das Acer je in einem Chromebook verbaut hat. Ob es die Referenz-Tasten von Lenovo überflügeln kann, ist dann letztlich nur noch Geschmackssache. In dieser Preisklasse zum Standard gehört sicher die Hintergrundbeleuchtung.

Hochwertig geht’s weiter beim Trackpad: Die ist aus – vom Smartphone bekannten – Gorilla-Glas, was nicht nur für eine höhere Kratzfestigkeit als ein Kunststoffpad sorgt, sondern den Finger auch leichter gleiten lässt. Der Klick ist präzise.

Sound mau, Schnittstellen schlau

Etwas heraus fällt da fast das Soundsystem. Die Stereolautsprecher strahlen nach unten ab und sorgen für einen gerade einmal mittelprächtigen Klang. Somit geben sie ihren Klang bei der Nutzung des Spin 713 in der „Zeltaufstellung“ zum Videoschauen wie so viele Convertibles nach hinten ab. Asus hat hier mit seinen Zusatzlautsprechern zwischen den Scharnieren klar besser mitgedacht.

Denn man kann es nicht oft genug sagen: Guter Klang ist im Zeitalter von Videokonferenzen auch am Rechner selbst ein gern gesehener Bonus.

In diesem Atemzug sei bemerkt, dass Acer auch in seinem neuen Spitzenmodell nur eine 720p-Webcam einsetzt. Sehr viele Smartphones bieten da mehr. Sei’s drum: Die Qualität ist klar und natürlich, zudem machen viele Konferenzanbieter bisher eh bei 720p dicht.

Das Chromebook Spin 713 ist auch von der Seitenansicht elegant gestaltet, wobei der vordere Teil etwas „dicker“ ist. Dafür beherbergt er aber auch eine wohldurchdachte Schnittstellenauswahl: Neben den mittlerweile obligatorischen zwei stromführenden USB-C-Ports findet so auch noch ein USB-A-Anschluss Platz – angesichts zahlreicher entsprechender Zusatzgeräte und Sticks eine kundenfreudliche Entscheidung.

Hinzu kommt eine – mittlerweile auch bei Chromebooks rare – HDMI-Schnittstelle zum direkten Anschluss entsprechender Monitore. Eine gelungene Überraschung.

Durch die Nutzung von Intels Core-Prozessoren der zehnten Generation implementiert das Spin 713 zudem den neuen Wi-Fi-6-Standard. Dies sollte sich in Zukunft besonders bei stark frequentierten drahtlosen Netzwerken, also etwa in Cafés, und durch höhere Geschwindigkeiten bemerkbar machen. Sehr gut, dass die online-affinen Chromebooks hier bereits zukunftssicherer aufgestellt sind als auch hochpreisige MacBooks.

»Beim Spin 713 macht Acer alles das richtig, was beim Spin 13 noch nicht ganz so gut gelang. Als Athena-Convertible spielt es zudem spartenübergreifend in der ersten Liga mit – und überschreitet dabei mit 800 Euro nicht einmal die Schmerzgrenze der oberen preislichen Mittelklasse.«

Thomas Raukamp

Fazit: Acer liefert eine sehr starke Visitenkarte in der oberen Chromebook-Klasse ab. Wer etwas mehr Geld anlegen möchte, findet im deutschen Markt kaum etwas Besseres.

Bewertung
Name
Acer Chromebook Spin 713
Website
Pro
  • hochwertige Verarbeitung
  • erstklassiges Display
  • gute Tastatur
  • sehr viel Leistung
Contra
  • kein Fingerabdrucksensor
  • Soundsystem
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