Test

Dell Latitude 7410 Chromebook im Test: hier kommt die Edelklasse

Hier kommt die Edelklasse: Mit seiner Latitude-Reihe spricht Dell gezielt Businesskunden an.
Das gilt auch für das Latitude 7410 Chromebook. Wird es dem professionellen Erbe gerecht?

Dell hat sich mit seiner Latitude-Reihe einen exzellenten Namen im Markt der qualitativ hochwertigen – und damit auch preislich höher einzuordnenden – Business-Laptops erarbeitet. Diese gelten als äußerst leistungsfähig und zurückhaltend edel gestaltet.

Hinzu kommt der ökologische Anspruch eines Unternehmens, das bei vielen das langjährige Image des „Kistenschiebers“ nicht gänzlich loswird: Latitude-Laptops waren die ersten PCs, die wiederverwertete Carbonfasern nutzten. Heute sind sie die ersten Notebooks, die im Gehäusedeckel über 20 Prozent Biokunststoff von Bäumen verwenden – ein Hinweis, den wir gern gleich an den Anfang unseres Tests stellen.

Denn ja: Das Dell Latitude 7410 Chromebook ist edel. Und ja: Es ist vergleichsweise teuer. Aber es will im professionellen Umfeld durch die Summe seiner Teile zu überzeugen.

Dell Latitude 7410 Chromebook: gediegenes Understatement

Da wäre zunächst das Äußere: Das komplett aus CNC-Aluminium gefertigte Gehäuse wirkt mit seinen diamantgeschliffenen Kanten wie aus einem Guss. Im Vergleich etwa zu Lenovo-Laptops verbirgt das gebürstete Finish Fingerabdrücke äußerst effizient.

Der Deckel ist weitestgehend verwindungssteif; das Gerät lässt sich allerdings nicht gänzlich mit nur einem Finger öffnen – die letzten 20 Grad heben die Gehäuseschale etwas an.

Apropos anheben: Öffnet man den Deckel über 90 Grad, stellt er das Gehäuse etwas auf, um die Tastatur ergonomisch leicht anzuschrägen – allerdings nicht so stark wie etwa das Asus Flip C436. Wahrscheinlich hat dies als Convertible etwas mehr Spiel spendiert bekommen.

Denn zum Test erreichte uns das reine „Clamshell“-Modell des Latitude-Chromebooks ohne „umknickbares“ Display. Dell bietet das 7410er jedoch auch in Convertible-Varianten an.

Insgesamt stehen somit vier Modelle im Onlineshop der Texaner bereit, die die Nutzung eines Intel-Core-i5-10310U-SoC (System-on-a-Chip) eint.

Diese vierkernige Comet-Lake-Architektur ist bewusst hochgegriffen. Was für Chromebooks fast überambitioniert wirkt, darf Businesskunden in Sicherheit wiegen; schließlich werden viele das Gerät mit virtuellen Maschinen einsetzen wollen – und da ist Leistung gefragt.

Auch sonst geht’s in der Auswahl üppig zu: 8 Gigabyte RAM sind Minimum, 16 GB wählbar. Die NVMe-SSD fasst wahlweise Kapazitäten von 128 oder 256 GB.

Frühstücken wir an dieser Stelle gleich auch noch die Schnittstellen ab. Wie im professionellen Umfeld üblich, kommt zum Duo aus USB-C- ein ebensolches aus USB-A-Buchsen (Version3.2).

Etwas verwirrend ist, das Erstere geschlossen an die linke, letztere Beiden hingegen an die rechte Gehäuseseite gewandert sind; zur Verbindung etwa eines Displayport-Monitors parallel zur Aufladung wäre eine jeweilige Aufteilung an beide Seiten etwas praktischer gewesen.

Sinnvoll hingegen für den Anschluss von Monitoren und Beamern: Ähnlich wie Lenovo und Acer (beim Spin 713) gönnt auch Dell seinem Business-Laptop eine HDMI-2.0-Schnittstelle.

Hinzu kommt der im Chromebook-Markt übliche Micro-SD-Karten-Schacht sowie ein kombinierter Kopfhörer-/Mikrofonanschluss.

Bei den Funkstandards profitiert das Latitude vom Comet-LakeSoC: Zum aktuellen Wi-Fi-Standard 6 gesellt sich Bluetooth 5.1.

Wer den Boden des Latitude 7410 betrachtet, dem fallen immerhin drei Reihen mit Lüftungslamellen auf. Trotzdem arbeitet das Dell-Chromebook flüsterleise; springt der Lüfter doch einmal (selten) an, ist er aufgrund seiner tiefen Frequenz kaum hörbar. In dieser Hinsicht ist das Thinkpad C13 Yoga Chromebook durchaus mitteilsamer.

Dell-Business-Lösungen

Die Latitude-Reihe (also auch die Latitude-Chromebooks) ist bei Dell für den gehobenen Business-Einsatz konzipiert; insbesondere mit speziellen Möglichkeiten zur einfachen Verwaltung seitens der IT.

Unternehmen profitieren etwa von einer nahtlosen Bereitstellung von Chromebooks in einer aktuellen Chrome-Umgebung. Konfigurationsangebote wie Bestands-Tagging, Lasergravur und Registrierung sind auf die Anforderungen von Chrome Enterprise zugeschnitten, damit die Systeme sofort einsatzbereit sind.

Der „Cloud Access Security Broker“ (CASB) von Netskope ermöglicht es IT-Mitarbeitern, die Nutzung von Cloud-Anwendungen schnell zu identifizieren. Dies will den Diebstahl sensibler Daten verhindern.

Zudem ermöglicht der „VMware Workspace One“ eine einheitliche Endgeräteverwaltung durch IT-Mitarbeiter, um Firmware, Betriebssysteme und Anwendungen mithilfe einer Cloud-Konsole zu verwalten.

Dells Pro-Support bietet darüber hinaus Reparaturen bei Unfallschäden und KI-gesteuerte Warnmeldungen, um Ausfälle vorab zu vermeiden.

Die Latitude-Tastatur ist hochwertig, kommt aber nicht ganz an die der Lenovo-Chromebooks heran. Zahlenfetischisten mögen zudem einen Ziffernblock in diesem Business-Laptop vermissen.

Das Latitude-Chromebook verfügt über eine komplette Schnittstellenauswahl. Zu den USB-C- (beide mit Power-Delivery) und HDMI-Buchsen auf der linken Gehäuseseite kommen zwei klassische USB-A-Buchsen nach 3.2-Spezifikation auf der rechten; eine davon ist zum Aufladen externer Geräte geeignet.

Vom reflexionsarmen Spiegeln

Ein Highlight der Latitude-Serie sind die verbauten Bildschirme. Zunächst einmal handelt es sich um „reflexionsarme“ („Non-Glare-“) Displays – nicht zu verwechseln mit matten („Anti-Glare“-) Schirmen, wie man sie etwa in Thinkpads findet.

Will heißen: Grundsätzlich nutzt das 7410 als ein glänzendes Display, das allerdings weitaus weniger Reflexionen erzeugt als viele Consumer-Geräte, in deren Panels man sich bei direktem Lichteinfall schon mal rasieren kann. Ein gelungener Kompromiss für unseren Geschmack.

Auffällig beim Clamshell-Modell sind die zwar schlanken, aber abgesetzten „Trauerränder“. Das Panel selbst liegt also leicht eingelassen dazwischen. Dies birgt keinen konkreten Nachteil, ist aber kaum noch gebräuchlich; das Latitude wirkt dadurch unfreiwillig etwas altbacken.

Beim Convertible ist die Bildschirmfläche mithilfe einer Glasoberfläche ohne Ebenen umgesetzt – schließlich müssen sich alle Bereiche des hier verbauten Touchscreens erreichen lassen.

Zudem lässt sich das verwandte 2-in-1-Modell etwa im Tablet-Modus mit einem Eingabestift bedienen; leider setzt Dell dabei auf einen proprietären Stift und nicht etwa auf den sich im Chromebook-Markt nunmehr Stück für Stück durchsetzenden USI-Standard.

Dass Pen-affine Nutzer diesen „Aktiven Dell Premiumstift“ zu einem Listenpreis von satten 140 Euro dazukaufen müssen, ist angesichts des sowieso schon hohen Anschaffungspreises der Touchscreen-Varianten des Dell Latitude 7410 Chromebook schlicht eine kleine Frechheit. Da ist Lenovo beim neuen (günstigeren) Yoga-Chromebook spendabler und liefert einen USI-Pen gleich mit.

Produkthinweis

Dell Latitude 7410 Laptop 14 Zoll Full HD schwarz (Intel Core i5-10310U, 16 GB RAM, 512 GB SSD, Intel UHD) Tastatur AZERTY, Windows 10 Professional

4K-Pixelrausch

Doch genug gemeckert. Denn das uns übersandte 14 Zoll messende 4K-Display des 7410 im 16:9-Format weiß ansonsten zu beeindrucken. Die Farben sind äußerst kontrastreich und lebendig, die Helligkeit mit knapp 400 Candela pro Quadratmeter eine Wucht. Der Kontrast ist entsprechend hoch: Schwarztöne gelingen tief und dunkel.

Zusammen mit dem Acer Spin 713 dürfte das Latitude 7410 das insgesamt wohl beste derzeit in Deutschland erhältliche Chromebook-Display besitzen – zumindest in der 4K-Version (die Full-HD-Option konnten wir nicht testen). Übertroffen würde es wohl nur vom Samsung Galaxy Chromebook erster Inkarnation und den Google-Pixelbooks – all diese Modelle bleiben europäischen Kunden aber weiter verwehrt.

»Die Krönung derzeitigen Dell-Schaffens sind die XPS-Convertibles aus Carbonfaser. Alles an ihnen strahlt Wertigkeit, Leistung und Kreativität aus. Eigentlich wäre der genau richtige Zeitpunkt für ein XPS-Chromebook gekommen.«

Thomas Raukamp

Businesskunde = Klangverweigerer?

Nicht annähernd so berauschen kann allerdings das Audiosystem des Dell. Die Lautsprecher gehören nicht zu den schlechtesten, lassen aber Bass und Räumlichkeit vermissen. Dell setzt bei seiner Business-Linie offenbar andere Prioritäten.

Dass sich ansprechende Boxen auch in einem professionellen Gerät gut machen, zeigt aber aktuell HP mit seiner Kooperation mit Bang & Olufsen.

Immerhin: Das Latitude-Chromebook kann laut werden und somit mehrere Konferenzteilnehmer in einem Raum akustisch versorgen. Viel mehr Gutes gibt es aber in dieser Hinsicht eigentlich nicht zu sagen – sei’s drum.

Apropos Konferenz: Die Videokamera liefert „nur“ die gängigen 720p – schade, einige Dell-Laptops kommen bereits auf 1.080p. Die Qualität geht aber okay; sogar bei Lichteinstrahlung sind die Kontraste gut, auch wenn die Kamera zur Rotstichigkeit neigt und somit die Bäckchen der Person vor der Linse etwas sehr gesund färbt.

Ähnlich wie die aktuellen Lenovo- und HP-Modelle lässt sich die Kamera des Latitude-Chromebooks mechanisch verdecken – ein willkommenes Privatsphäre-Merkmal.

Fingerschmeichler

Erwartungsgemäß gelungen ist die Tastatur. Die Tasten sind ganz leicht konkav und bieten daher eine sichere Führung. Sie sind recht stramm, leisten also recht viel Feedback – nicht jedem mag diese „Steifheit“ persönlich gefallen.

Auffällig sind ein paar Dell-spezifische Extratasten etwa zum schnellen Umschalten der Tastaturbelegung; das ChromeOS spielt hier reibungslos mit. Auch eine Ausschalttaste findet sich nicht in jedem Konkurrenz-Keyboard.

Die Tasten sind recht klein und liegen etwas weit auseinander. Uns erinnern sie damit an Tasten aus Acer-Laptops.

Insgesamt darf man mit der hintergrundbeleuchteten Latitude-Tastatur zufrieden sein, wenn sie auch nicht an die Lenovo- oder aktuellen HP-Tastaturen heranreicht – aber letztlich ist dies Geschmackssache.

Ein wahrer „Fingerschmeichler“ ist jedoch zweifellos das Trackpad. Die verwendete Glasoberfläche ist wirklich auffällig glatt und lässt eine sehr flüssige, flinke Bedienung zu, was sich besonders bei den Chrome-OS-Gesten zur Vergrößerung der Ansicht positiv bemerkbar macht. Der Anschlag könnte allerdings etwas präziser und weniger „mushy“ sein.

Dell Latitude 5xxx-Chromebooks

Das Latitude 7410 ist nicht das einzige Enterprise-Chromebook im aktuellen Portfolio von Dell. Alternativ sind die Modelle der Latitude-5xxx-Serie erhältlich, die sich sehr flexibel auf die Bedürfnisse von Unternehmen und ihrer Mitarbeiter konfigurieren lassen.

Beim Dell Latitude 5300 Chromebook handelt es sich um ein Convertible-Notebook mit einem berührungssensitiven Bildschirm. Die CPU-Ausstattung startet hier bei einem Intel Celeron und geht über einen Core-i3-Prozessor bis hoch zu einem Core-i5-System der jeweils achten Generation. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses bot Dell die 5300er-Chromebooks in seinem Onlineshop mit erheblichen Preisnachlässen an.

Das Dell Latitude 5400 Chromebook ist wiederum ein klassischer „Clamshell“-Laptop. Auch bei diesem Gerät haben Interessenten zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten zwischen einer Celeron-CPU und einem Intel-Core-i7-Prozessor mit vier Kernen.

4K saugt Akku

Unser „Rausschmeißer“ ist wie so oft die Akkuleistung. Denn diese bedarf der Erklärung. Dell verbaut in der Latitude-Chromebook-Serie durchaus leistungsstarke 68-Wattstunden-Batterien. Tests der Modelle mit Full-HD-Displays ergaben im Netz zum Teil beeindruckende 16 Stunden Laufzeit* – das sind zwei Arbeitstage (!).

Doch natürlich fordert das 4K-Display unseres Testgeräts seinen Tribut: Je nach Helligkeit kamen wir im Durchschnitt auf nur sieben bis neun Stunden Batterielaufzeit.

Besonders Zoom- und Google-Meet-Konferenzen erweisen sich oft als wahre „Akkukiller“, befindet sich dabei doch neben dem WLAN-Modul praktisch der gesamte Multimedia-Apparat eines Laptops im Dauerstress. Tatsächlich reduzierte sich folgerichtig das Durchhalten des sechszelligen Akkus auf unter vier Stunden – besser also, man lässt das Netzteil gleich dran. Dieser Tipp gilt freilich nicht nur bei Dell-Geräten.

Aber nochmals: Ein 4K-Screen kombiniert mit einem Vierkernprozessor mit bis zu acht parallelen Threads ist in einem Chromebook in mehrfacher Hinsicht ein luxuriös-überflüssiger „Overkill“. Wer diesen nicht wünscht oder benötigt, dem stehen zur Vernunftwahl schließlich genügend andere Geräte im mittlerweile überbordenden Markt zur Auswahl.

Und so bleibt beim Dell Latitude 7410 ein Eindruck stehen: sieht nicht unbedingt aus wie der Ferrari unter den Chromebooks, verhält sich aber so.

Fazit: Nicht protzig, aber solide und schnell im Business-Alltag – und mit dem 4K-Display nahezu atemberaubend. Für Privatnutzer aber letztlich eine Schippe zu viel.

Bewertung
Name
Dell Latitude 7410 Chromebook
Website
Pro
  • hochwertige Verarbeitung
  • hohe Leistung
  • hervorragendes Display (4K-Version)
  • butterweiches Trackpad
Contra
  • schlechter Klang
  • proprietärer Stift (nicht anbei)
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