Test

iPad Air 3 im Test: das fehlende Bindeglied zwischen iPad und iPad Pro

Mit der Präsentation und Markteinführung des iPad Air der dritten Generation wächst Apples Tablet-Portfolio merklich an, nämlich auf fünf unterschiedliche Bildschirmgrößen von 7,9 Zoll bis 12,9 Zoll. Das neue iPad Air unterscheidet sich in der Displayfläche marginal vom kleinen iPad Pro und vom iPad ohne Namenszusatz. In Sachen Leistung sind die Sprünge vom iPad zum iPad Air und von dort zum iPad Pro indes gewaltig.

Die älteren unter uns mögen sich noch daran erinnern: wir schrieben das Jahr 2014, als Apple zuletzt ein iPad Air vorstellte. In der Zwischenzeit brachte man gleich mehrere Iterationen des iPad Pro auf den Markt und machte aus dem einstigen iPad-Air-Design den Nachfolger des klassischen iPad in seiner aktuellen Evolutionsstufe. Gerade in den letzten Jahren konnte Apple damit den Einstiegspreis dramatisch auf jetzt 350 Euro senken, während die Pro-Modelle deutlich teurer wurden und derzeit ab 880 Euro zu haben sind. Dazwischen eine gigantisch klaffende Lücke von 530 Euro. Bis vor kurzem konnte man zwei normale iPads kaufen und hatte immer noch nicht genug Geld ausgegeben, um sich das nächstbessere Modell leisten zu können.
Damit ist jetzt Schluss.

Das neue Line-up

Wer jetzt ein neues iPad erwerben möchte, fühlt sich vielleicht etwas erschlagen von der – zumindest für Apple-Verhältnisse – großen Auswahl. Wählen muss man zwischen dem iPad (ab 350 Euro), dem iPad mini (ab 450 Euro), dem iPad Air (ab 550 Euro), dem iPad Pro 11" (ab 880 Euro) und dem iPad Pro 12,9" (ab 1.100 Euro). Und ja, es ist sinnvoll, beide Pro-Modelle getrennt zu listen, da sie unterschiedliche Nutzergruppen ansprechen.
Fünf verschiedene iPad-Modelle in fünf verschiedenen Displaygrößen mit drei verschiedenen Prozessoren. Was auf den ersten Blick wie Wildwuchs und Chaos wirken mag, hat System. So sehr, wie schon lange nicht mehr. Gerade mit der Einführung, der Wiederbelebung des iPad Air schließt Apple die oben erwähnte Lücke und bietet jetzt iPads in sinnvollen Preis- und Leistungsabstufungen an. Zum ersten Mal seit Jahren.
Außerdem kann der willige iPad-Käufer entlang seiner Vorlieben und Anforderungen eine klare Entscheidung treffen. Anders als bei den mobilen Macs, wo sich MacBook (ab 1.500 Euro), MacBook Air (ab 1.350 Euro) und das günstigste MacBook Pro (ab 1.500 Euro) alle in viel zu kleiner Reichweite zueinander aufgestellt haben.

„Air“ bedeutet wieder etwas

Den Namenszusatz „Air“ verwendete Apple erstmals 2008 für das damals neue MacBook-Modell, das vor allem leicht, klein und praktisch, wenngleich nicht gerade eine Arbeitstier war. Über die Jahre hatte sich dieser Begriff zunächst auf die iPad-Reihe ausgeweitet, dann aber schnell abgenutzt. Das MacBook Air bekam Konkurrenz vom MacBook und beim iPad strich man das Air-Modell komplett zu Gunsten eines neuen „normalen“ iPad-Modells im einstigen Air-Gewand.

Bereits im letzten Jahr vollzog Apple eine Umdeutung des Namenszusatzes „Air“ beim MacBook. Das MacBook Air ist deutlich schwerer als das MacBook (also nicht mehr das leichtestes zu habende MacBook-Modell), bringt dafür aber viele  einstige Pro-Features auf ein für mehr Interessenten erschwingliches Preisniveau herunter. 

Deutlich mehr noch ist dieser Wandel bei den iPads gelungen. Das neue iPad Air fühlt sich sofort gewohnt an. Das Design hat sich im Prinzip über Jahre nicht geändert und wird neben dem großen, jetzt 10,5 Zoll in der Diagonale messende Bildschirm vor allem von den breiten Rändern am oberen und unteren Ende dominiert. Letztere stören beim neuen iPad Air weit weniger als beim ebenfalls gerade erst vorgestellten neuen iPad mini, was vermutlich daran liegt, dass sie prozentual weniger Fläche vom Gesamtgerät einnehmen.

Obwohl das Design, abgesehen von leichten Variationen, uralt ist, wirkt es nicht so. Es wirkt natürlich auch nicht ansatzweise so modern, wie das der neuen iPad-Pro-Modelle – aber eben auch nicht völlig veraltet.
Das Gehäuse selbst ist nur marginal größer als bei vorigen 9,7-Zoll-Modellen – bereits vorhandene Hüllen passen aber trotzdem nicht.

Der Bildschirm macht den Unterschied

Im Vergleich von normalem iPad zum iPad Air fällt einem als erstes der Bildschirm auf. Der ist etwas größer als beim iPad (10,5 statt 9,7 Zoll), aber vor allem auf das schützende Glas laminiert, sodass kein „Luftspalt“ zwischen beiden Bauteilen besteht. Das kennt man so schon seit Jahren vom iPhone und nimmt es vermutlich nicht mehr als etwas Besonderes wahr. Nimmt man aber das iPad (ohne Namenszusatz) in die Hand, fällt die alte Bauweise sofort unangenehm und störend auf.

Ein weiteres Feature, das man nur bemerkt, wenn es einem wieder genommen wird: True Tone. Apples Technologie, mit der sich der Bildschirm automatisch an die umgebenden Lichtverhältnisse – und zwar in Intensität und Farbtemperatur – anpasst. Auch hier ein klarer Vorteil gegen über dem iPad.

Zuletzt unterstützt das iPad-Air-Display mit DCI-P3 einen deutlich größeren Farbraum für eine noch originalgetreuere Darstellung. Auch wenn Ihnen das vielleicht erstmal nichts sagt: Lassen Sie sich im Apple Store oder Elektrofachhandel Ihres geringsten Misstrauens mal ein Foto, das im DCI-P3-Farbraum geschossen wurde (beispielsweise mit einem der aktuellen iPhone-Modelle) auf beiden iPad-Geräten anzeigen. Wer einmal die Vorzüge von P3 kennengelernt hat, kann danach mit sRGB nichts mehr anfangen.

Zum absoluten Glück in Sachen Bildschirm fehlt noch der Einsatz von OLED-Technologie, auf die bislang aber sogar die Pro-Modelle verzichten müssen. Zwar gibt es durchaus auch OLED-Tablets auf dem Markt. Meinem aktuellen Kenntnisstand nach ist derzeit aber niemand in der Lage, OLED-Displays in entsprechender Größe und in von Apple benötigter Stückzahl und Qualität zu liefern. Zumindest nicht zu einem Preis, den Apple zu bezahlen bereit wäre und der sich nicht signifikant auf die iPad-Preisgestaltung auswirken würde.
Was dem Air- zum Pro-Display darüber hinaus noch fehlt, ist ProMotion, Apples Technologie, um die Bildwiederholfrequenz dynamisch auf bis zu 120 Hz anzupassen.

Im Takt des iPhone XS

Angetrieben wird nicht nur das Display, sondern das ganze iPad von Apples A12-Prozessor, den wir schon aus der aktuellen iPhone-Generation kennen. Dieser ist zwar nicht so leistungsstark wie der A12X in den aktuellen iPad-Pro-Modellen, seine Leistungsgrenzen dürften aber die Anforderungen der meisten Nutzer trotzdem bei weitem überragen.
Mit dem A12-Chip hält auch Apples Neural Engine, wie Apple die hauseigene Machine-Learning-Technologie nennt, Einzug in „normale“ iPads. Diese steht Apps nicht nur über die Schnittstelle CoreML zur Verfügung, sondern ist zum Beispiel auch dafür zuständig, Fotos zu verbessern. Wie schön wäre es doch an dieser Stelle, wenn man dem iPad Air auch ein besseres Kamerasystem gegönnt hätte. Hier hat Apple merklich gespart und spendiert dem neuen iPad mini lediglich eine 8-Megapixel-Kamera mit der Möglichkeit, Videos in 1080p aufzunehmen. Zwar sehen die Bilder dank des neuen A12-Chips, der Smart HDR und viele weitere Tricks liefert, deutlich besser aus, als die von älteren Geräten mit der gleichen Kamera. Aber dennoch: Sollte ein 2019er-Gerät nicht eine bessere Kamera haben? 

In der Redaktionsdiskussion kam schnell der Standpunkt auf, dass das iPad ja nunmal keine Kamera sei. Zum Scannen von Dokumenten und für AR-Anwendung würde das doch alles reichen. Das sehe ich grundsätzlich exakt so. Nur: Menschen wissen nicht, dass das iPad kein Kameraersatz ist. Überall sieht man Menschen, die mit ihrem iPad Fotos machen. Ganz so wie die Hummel, die nicht weiß, dass sie eigentlich nicht fliegen können sollte und es deshalb einfach tut. Und wenn Fotografie und Filmaufnahmen so offensichtlich ein Thema für iPad-Käufer ist, dann sollte Apple dem auch Rechnung tragen. Ja, auch in den günstigeren Geräten.

Apple Pencil

Erstmals unterstützt ein iPad Air den Apple Pencil, wenn auch nur den alten. Das liegt vor allem daran, dass Apple das iPad Air günstig halten wollte. Um den neuen Apple Pencil zu unterstützen, hätte man auf ein gänzlich anderes Gehäusedesign und letztlich auch auf ein anderes Innenleben, beides zumindest ähnlich dem der aktuellen iPad-Pro-Modelle, setzen müssen.
Das tut der Verwendung des Apple Pencil aber keinen Abbruch. Das heißt, zumindest nicht, wenn man noch nie mit dem neuen Apple Pencil auf einem iPad Pro gearbeitet hat. Denn die neue Version ist schon deutlich griffiger und das Zeichnen und Schreiben auf einem iPad Pro fühlt sich besonders dank ProMotion deutlich normaler an.
Der Apple Pencil konnte mein Herz schnell erobern. Lange schon drängte sich der Einsatz des iPad als digitaler Schreibblock auf und genau so lange war ich sowohl mit entsprechenden Apps wie auch mit anderen angebotenen Eingabestiften äußerst unglücklich. Der Apple Pencil hat das nachhaltig geändert.

Anschlüsse und Smart Keyboard

Der Lightning-Anschluss hat sich in die neue Generation des iPad Air gerettet und wurde nicht durch USB-C ersetzt. Letzterer ist zwar technisch in den meisten Belangen klar überlegen, Zubehör ist aber immer noch verhältnismäßig teuer, sodass Lightning für das iPad mini nicht nur aus Kostengründen die richtige Wahl ist.
Spannend ist, dass Apple dem iPad Air den „Smart Connector“, den wir bislang nur vom iPad Pro kennen, spendiert hat. Über diesen lässt sich eine Tastaturhülle mit dem iPad verbinden, die weder extra gekoppelt, noch per USB geladen werden muss. Das „Smart Keyboard“ vom iPad Pro hat Apple natürlich auch gleich für das neue iPad Air im Angebot – für 180 Euro. Dafür bekommt man eine minimal angepasste Version des Smart Keyboards, das Apple auch für das iPad Pro 10,5" im Angebot hatte. Das Schreiben auf Apples Smart Keyboards ist gewöhnungsbedürftig, was allerdings keinesfalls negativ auszulegen ist. Es ist eben anders als auf einer herkömmlichen Tastatur. Aber eben auch um Längen besser, als keine Tastatur zu haben und längere Texte auf dem Display tippen zu müssen. Für Vielschreiber können wir die Tastaturhülle uneingeschränkt empfehlen.

Bewertung
Name
Apple iPad Air 3
Website
Pro
  • Schneller Prozessor
  • Toller, großer Bildschirm
  • Smart Connector für Tastaturen
Contra
  • Unterstützt nur den ersten Apple Pencil
  • Mäßiges Kamera-System
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