Test

Over-Ear-Kopfhörer mit ANC im Test: Sieben gegen die AirPods Max

Wenn schon nicht im Flieger, fällt spätestens im Homeoffice auf, wie laut die Welt um uns herum eigentlich sein kann. Gute Over-Ear-Kopfhörer mit Noise-Cancelling helfen, filtern sie doch störenden Lärm.

Seien wir ehrlich: Dass du an dieser Stelle einen Vergleichstest aktueller Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung findest (meist „ANC“ abgekürzt, Englisch für „Active Noise Cancelling“), hast du Apple zu verdanken.

Im Weihnachtsendspurt 2020 entschieden sich die Kalifornier dazu, die zuvor in der Gerüchteküche bereits als „AirPods Studio“ hochgejazzten Over-Ears als AirPods Max zu enthüllen und gleich in den Verkauf zu bringen.

Mit durchschlagendem Erfolg, denn es dürften nicht nur pandemiebedingte Probleme in den Lieferketten sein, welche die Lieferzeit zwischenzeitlich auf mehrere Monate haben anwachsen lassen. Und das bei einem Preis von stolzen 613 Euro zum Trotz. 

Doch gegen wen tritt Apple an, wie ordnen sich die AirPods Max im Markt ein? Und: Wie viel Geld sind für einen vernünftigen Over-Ear-Kopfhörer mit ANC auszugeben?

Over-Ears mit ANC: Das ist das Testfeld

Eine Herausforderung für sich ist bereits die Zusammenstellung der sprichwörtlichen Startelf – ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen ergibt keinen Sinn. Nun, elf Geräte sind es tatsächlich nicht geworden. Aber acht Kopfhörer haben wir recherchiert, die bei einer Kaufentscheidung anno 2021 in Betracht gezogen werden wollen. Dieses Testfeld haben wir durch Leihgaben der Hersteller und aus Privatbesitz an die Startlinie gebracht.

Diese Modelle haben wir getestet

• Apple AirPods Max
• Bang & Olufsen Beoplay H95
• Beats Solo 3 Wireless
• Bose NC700
• Bowers & Wilkins PX7
• Sennheiser Momentum 3 Wireless
• Shure Aonic 50
• Sony WH-1000XM4

Gemeinsam ist allen getesteten Geräten, dass es sich um Over-Ear-Kopfhörer in geschlossener Bauweise handelt und sich eine aktive Geräuschunterdrückung hinzuschalten lässt. Zudem haben wir das Testfeld auf bekannte Markenhersteller beschränkt.

Dies im Wissen darum, dass Kopfhörer immer auch ein Stück Lifestyle- und Luxusprodukt sind und von der Aura von Marke, Design und Exklusivität leben. Die Testlinge sind somit preislich weit gestreut. Das günstigste Gerät ist für 250 Euro Straßenpreis in Onlineshops zu beziehen. Für das teuerste Modell werden 800 Euro fällig – die AirPods Max besetzen dabei interessanterweise mit rund 600 Euro einen Preispunkt, der bis dahin vakant war.

Außer Konkurrenz bedeutet nicht schlecht

Wer nicht so viel Geld auszugeben bereit ist, muss aber nicht zwingend verzichten. Außer der Reihe empfehlen wir an dieser Stelle gern den Soundcore Q30 von Anker. Für 80 Euro bietet dieser Over-Ear einen recht ausgewogenen Klang und ein für diesen Preis mehr als zufriedenstellendes Noise-Cancelling.

Wer nochmals rund 100 Euro drauflegt, macht mit dem Griff zu den älteren Bose QC35 II oder Sony WH1000XM3 nichts falsch. Auch die Beats Studio 3 Wireless sind für ähnliches Geld immer wieder zu finden.

Kopfhörertests sind geschmäcklerisch

Wie testet ein Indidividum, was andere Menschen sehen, schmecken, hören und fühlen? Klar ist: Beim Test von Kopfhörern schwingt ein hohes Maß an Subjektivität mit.

Zu verschieden sind nicht nur die individuellen Hörgewohnheiten und Musikgeschmäcker irgendwo zwischen Mozart, Madonna und Motörhead, sondern vor allem auch die organischen Gegebenheiten. Der Zahn der Zeit nagt an unser aller Hörvermögen, bereits jenseits der Dreißig verliert der Mensch insbesondere in den Höhen an Feinsinn.

Das merken wir selbst nicht, weil unser Gehirn zu kompensieren vermag, doch ein Hörtest deckt diese Schwächen auf. Dies funktioniert inzwischen sogar per App, wenn auch die Ergebnisse einer Anwendung wie etwa Mimi Music bestenfalls erste Anhaltspunkte liefern können.

Sollen also Maschinen testen? Auch das ergibt nur wenig Sinn, denn Frequenzverläufe zeichnen zwar schicke Graphen, sind aber ebenfalls bedingt aussagekräftig – zumal sich aktuelle Geräte rein technisch kaum Blößen geben. Was also können wir überhaupt leisten und zu deinem Entscheidungsprozess beitragen?

Warum du nach dem Lesen schlauer sein wirst

Alle acht Kopfhörer wurden über mehrere Tage verteilt immer wieder im Wechsel von ein und derselben Person zur Probe getragen und gehört – für längere Zeit am Stück ununterbrochen ein einzelnes Modell, um so einen allgemeinen Eindruck über die individuelle Klangcharakteristik mit Stärken und Schwächen bilden zu können sowie Tragekomfort und Bedienung in der Praxis auf die Probe zu stellen.

Darüber hinaus wurde abschließend bei der Wiedergabe einzelner Titel wiederkehrend zwischen den verschiedenen Kopfhörern am gleichen Zuspieler gewechselt. Hier kam primär ein iPhone 12 Pro Max zum Einsatz, Musik wurde mit Apple Music wiedergegeben.

Thema: Straßenpreise

Wer einen Blick auf die Listenpreise von Kopfhörern wirft und diese mit aktuellen „Straßenpreisen“ vergleicht, darf sich oft über substanzielle Abschläge freuen. Bei den getesteten Modellen von Bose und Sony ließen sich zu Redaktionsschluss beispielsweise 30 Prozent und mehr gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung sparen.

Selbst bei Apple-Kopfhörern lässt sich ein Schnäppchen ergattern: Wenn die AirPods Pro ein Indikator sind, dürften auch die AirPods Max bald im Preis fallen – zumindest ein wenig.

Als kleinster gemeinsamer Nenner kam unsere dortige Kopfhörer-Vergleichs-Playlist zum Einsatz, auch der Ton von Filmen, Youtube-Videos und Spielen lag auf den Kopfhörern an. Wenn über den Sound und Klangnuancen gesprochen wird, so sind die Ausführungen hierzu innerhalb dieses Artikels ob dieser Herangehensweise durchaus von gewisser Aussagekraft.

Störgeräusche, etwa Turbinenlärm mit via Apple Watch (und Nachbarn) bestätigten 80 Dezibel Schalldruck, simulierten wir über ein Paar Yamaha HS5-Lautsprecher.

Aspekte wie Tragekomfort und Benutzerfreundlichkeit konnten wir ebenfalls einheitlich miteinander vergleichen – und beantworten schlussendlich die Frage, welcher Noise-Cancelling-Kopfhörer zum „über die Ohren ziehen“ von dir bei einer Kaufentscheidung berücksichtigt werden sollte.

Und natürlich, ob Apple auch hier das Kunststück gelingt, die Mitbewerber vom Start weg in ihre Schranken zu verweisen. 600 Euro sind schließlich jede Menge Geld für einen Kopfhörer.

Dennoch kommen wir in unserem großen AirPods Max Test zum Fazit: Ja, die Kopfhörer sind ihr Geld wert.

Aber vielleicht reicht es ja auch, wenn man nur die Hälfte des Geldes in die Hand nehmen muss. Spoiler: Ja, auch für weniger als die Hälfte des Preises eines AirPod Max gibt es sehr gute Noise-Cancelling-Kopfhörer.

[commentbox tid="358" commentator="" ]»Lärm aus, Musik an: Over-Ear-ANC-Kopfhörer helfen dabei, die laute Umwelt auszublenden und sich zu fokussieren – sei es auf Musikgenuss oder Arbeit.«[/commentbox]

Apple AirPods Max

Am besten integriert: Müssen die Mitbewerber zittern? Durchaus, denn in den AirPods Max steckt jede Menge Apple-Know-how.

Edles Design aus Dänemark: Der H95 nimmt eine Sonderstellung im Testfeld ein. Unsere Frage: Was leisten 800-Euro-Kopfhörer? Die AirPods Max machen vieles anders. Das zeigt sich schon beim Design mit dem größtenteils aus Meshgewebe bestehenden Bügel, der das Gewicht des schwersten Hörers im Test gut auf dem Kopf verteilt.

Die Hörmuscheln lassen sich zur Seite drehen; das versetzt die Kopfhörer nicht nur in ihren Energiesparmodus, sondern lässt sie auch in der nur minimalen Schutz bietenden „Smart Case“ genannten Tasche verschwinden.

Schade, andere Hersteller liefern deutlich bessere Behausungen. Dafür gefällt die tiefe Integration in sämtliche Apple-Betriebssysteme samt intelligenten Energiesparfunktionen – Gedanken um das Ein- und vor allem Ausschalten sind unnötig, ebenso wie Sorgen um Probleme beim Pairing.

Die AirPods Max wirken ob ihrer Materialwahl aus jeder Menge Aluminium grundsolide. Zerlegt zeigt sich, wie clever und nachhaltig beim Design der AirPods Max vorgegangen wurde. Die Ohrpolster etwa lassen sich austauschen, der Akku ist leicht zugänglich.

Auch bei der Bedienung geht Apple neue Wege: Wo sonst Touchbedienung der letzte Schrei ist, kommt eine aus der Apple Watch adaptierte digitale Krone und eine einzige Taste zum Einsatz. Im Hörtest überzeugen die Apple-Over-Ears nicht nur für sich selbst genommen als ausgewogen, sondern auch und vor allem im Vergleich – laut, druckvoll und dennoch nuanciert.

Die im Hintergrund stattfindende Klangkosmetik ist nicht herauszuhören, das Noise-Cancelling vergleichbar mit dem Boses und Sonys.

Produkthinweis

Neu Apple AirPods Max - Silber

Bang & Olufsen Beoplay H95

Die AirPods Max sind teuer, doch auch andernorts wird viel Geld für Kopfhörer verlangt. So wie bei den Dänen von Bang & Olufsen.

In Bezug auf Design, Material und Verarbeitung brennen die Nordmänner dafür aber ein wahres Feuerwerk an Exzellenz ab. Als Case dient eine innen gefütterte Alubox, in der neben einem Airlineadapter ein stoffummanteltes Miniklinken- sowie USB-C-auf-USB-A-Kabel liegen.

Die Kopfhörer selbst bestehen zum großen Teil aus Alu. Und wo sonst Plastik zum Einsatz kommt, findet sich hier echtes Leder. Die Ohrpolster sind wie bei den AirPods Max magnetisch befestigt, die tatsächliche und vor allem gefühlte Wertigkeit nochmals höher als bei den Apple-Kopfhörern.

Wir haben nach 30 Stunden Wiedergabe unseren Akkutest abgebrochen – die vom Hersteller angegebenen exzellenten 38 Stunden Laufzeit bei aktiver Geräuschunterdrückung scheinen zu stimmen. Neben einem Ein/Aus-/Bluetooth-Schalter an der rechten Muschel und einer Sprachassistenz-Taste an der linken Seite findet sich an jeder Hörmuschel ein diese kreisrund umlaufender Regler – links wird die Intensität des Noise-Cancellings eingestellt, rechts die Lautstärke.

Mit Touchgesten am rechten Ohrteil wird die Wiedergabe gesteuert. Über unsere Test-Playlist hinaus spielen die H95 mit einem rundum tollen Klang auf – einzig in den Höhen erschienen sie uns mitunter etwas harsch. Andere Kopfhörer lieferten zudem eine höhere Lautstärke.

Kritik gibt es für das Noise-Cancelling: Hier bieten Sony, Bose und Neueinsteiger Apple mehr.

Beats Solo 3 Wireless

Besser als ihr Ruf: Beats umhüllte lange der Mythos der „endkrassen Hip-Hop-Dosen“ zum auf die Ohren schnallen. Der ist Geschichte.

In unserem Testfeld sind sie die Oldies: Die Studio 3 Wireless der Apple-Tochter Beats sind seit mehr als drei Jahren im Handel. Das Design des Spitzenmodells ist unauffällig, dank Scharnieren vor den Hörmuscheln lassen sich diese Kopfhörer platzsparend verstauen.

Die Beats sitzen bequem auf dem Kopf, samt der angenehmen Kunstleder-Ohrpolster. Das Beats-Logo der linken Hörmuschel dient als multifunktionale Taste, durch deren Drücken sich unter anderem Anrufe annehmen, die Sprachsteuerung aktivieren und die Wiedergabe starten lässt. Der Bereich ober- und unterhalb fungiert als Wippe, mit der etwa die Lautstärke angepasst werden darf – eine eingängige Bedienlogik, die ohne Touch-Elemente auskommt.

An der Miniklinkenbuchse findet das mitgelieferte Kabel mit integrierter Fernbedienung Anschluss – leider lässt sich der Studio 3 aber nur bei geladenem Akku an der „Strippe“ nutzen. Auf der gegenüberliegenden Hörmuschel sitzt die Ein/Aus-/Bluetooth-Taste samt Ladestand-Anzeige; wir holten bis zu 21 Stunden Musik aus den Beats, bevor diese mithilfe ihrer Micro-USB-Buchse an die Steckdose mussten.

Die Studio 3 Wireless klingen so gar nicht, wie es von einem Beats-Kopfhörer laut Klischee zu erwarten wäre. Bässe sind kein Fremdwort für diesen Over-Ear, aber statt über wummerndem „Matsch“ darf man sich auf eine präzise Wiedergabe selbst tieferer Klänge freuen. Auch im Bereich der Mitten und Höhen gefällt dieser Kopfhörer. Aufregend geht anders, aber handwerklich ist das gekonnt.

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Beats Studio3 Over-Ear Bluetooth Kopfhörer mit Noise-Cancelling – Apple W1 Chip, Bluetooth der Klasse 1, aktives Noise-Cancelling, 22 Stunden Wiedergabe – Matt-schwarz

Bose NC700

Der Lärmkiller-Profi: Bose hat jede Menge Audiowissen, arbeitete früh an aktiver Geräuschunterdrückung. Das zahlt sich im NC700 aus.

Die NC700 setzen auf ein modernes Design, bei dem sich der mit einem extra weichen Silikonpolster versehene Tragebügel durch die Hörmuscheln durchzieht. Das sieht nicht nur gut aus, sondern sorgt auch dafür, dass sich die leichten Over-Ears prima an den eigenen Kopf anpassen lassen und bequem aufliegen, wobei die Polster echte Ohrschmeichler sind.

Das mitgelieferte Hardcase bietet ein Fach für Zubehör. In diesem liegen ein Miniklinkenkabel (das auch bei leerem Akku des Kopfhörers funktioniert) und eine USB-C-auf-A-Ladestrippe. Geladen wird folgerichtig mittels der USB-C-Buchse. Etwas mehr als 16 Stunden Laufzeit lassen sich dem Bose entlocken; das ist im Vergleich zu den Mitbewerbern recht mager.

Das Pairing mit dem iPhone ist eine mittlere Katastrophe, bei inzwischen drei verschiedenen Geräten kam es zu Problemen bei der Ersteinrichtung. Steht die Verbindung aber, läuft alles Weitere wie geschmiert. Am Gerät findet sich eine Ein/Aus-/Bluetooth- sowie eine Sprachassistenten-Taste, ein Teil der rechten Hörmuschel reagiert auf Toucheingaben.

Der Klang ist im besten Sinne als „unauffällig“ zu bezeichnen. Der NC700 ist kein anstrengendes Bassmonster, die Mitten sind klar definiert. Lediglich die Höhen wirken im Vergleich (selten) etwas anstrengend. Die volle Punktzahl gibt es beim Noise Cancelling, das insbesondere beim simulierten Kabinenlärm für Ruhe sorgt. Einen dicken Pluspunkt haben sich die NC700 zudem für die gute Sprachqualität bei der Nutzung als Telefonie-Headset verdient.

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Bose Noise Cancelling Headphones 700 – Kabellose Bluetooth-Kopfhörer mit Alexa-Sprachsteuerung, Schwarz

Bowers & Wilkins PX7

Wohlklang aus UK: Bekannt für seine exquisiten Regallautsprecher, sind die Briten von B&W auch bei Kopfhörern weit vorn dabei.

Die PX7 bieten extragroße 43-Millimeter-Treiber. Die mit grauem Stoff bezogenen Hörmuscheln stecken an einem Bügel aus belastbarem Verbundmaterial – der sachlich schicke Look gefällt. Die passgenaue Hardcase-Transportbox hat eine kleine Gummizugtasche für das mitgelieferte USB-C-auf-USB-A-Ladekabel und eine Miniklinkenstrippe (die leider nur bei eingeschaltetem Gerät funktioniert).

30 Stunden Musikwiedergabe bei aktiver Geräuschunterdrückung sind machbar, bevor das Aufladen ansteht. Die Bedienung kommt ohne Touchelemente aus. An der linken Hörmuschel findet sich eine Taste zum Umschalten der ANC-Modi, an der rechten gibt es einen kombinierten Ein-/Aus- und Bluetooth-Schalter sowie drei Buttons zur Lautstärke- und Wiedergabesteuerung.

Praktisch ist, dass die Wiedergabe beim Absetzen der PX7 automatisch pausiert. Es ist wirklich schwer, beim Testen von Kopfhörern nicht zum belanglosen Phrasendrescher zu verkommen: Der Klang der PX7 ist sauber, trocken und voll auf den Punkt – manchmal im Bassbereich aber etwas weniger präzise als der anderer Kandidaten im Testfeld.

Dafür entfacht der Bowers & Wilkins vor allem beim Hören von „Luft“ Begeisterung: Räume, etwa bei „Temptation“ der kanadischen Jazzerin Holly Cole, atmen förmlich – klingt esoterisch, ist aber Teil des Hörerlebnisses.

Das in drei Stufen arbeitende Noise-Cancelling ist hoch eingestellt sehr effektiv, wenn auch nicht in der gleichen Klasse spielend wie das Triumvirat aus Apple, Bose und Sony.

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Bowers & Wilkins PX7 kabellose Bluetooth Over-Ear Kopfhörer mit adaptiven Noise Cancelling - Silver

Sennheiser Momentum 3 Wireless

Retrocharme aus der Wedemark: Die Momentum 3 Wireless sehen nicht nur cool aus, in Ihnen steckt auch jede Menge Hörspaß.

Wer den Look der 1970er- und 1980er-Jahre mag, findet Elemente daraus in den Momentum 3 Wireless. Deren Klappmechanismus funktioniert ähnlich wie bei den Beats Studio 3 Wireless: Die Hörmuscheln werden zum Bügel hin eingeklappt – mit dem cleveren Extra, dass der Klappmechanismus auch als Ein-/Ausschalter dient.

Derart zusammengelegt, verschwindet der Momentum in der leider nur mäßig Schutz versprechenden Stofftasche. Dort stecken neben den Kopfhörern ein Miniklinkenkabel und ein USB-C-Ladekabel samt USB-C-auf-A-Adapter. Etwas mehr als 16 Stunden ununterbrochener Wiedergabe waren uns kabellos vor einem Ladestopp möglich, doch auch mit leerem Akku funktioniert der Sennheiser am mitgelieferten Audiokabel.

Bedient wird der Kopfhörer mit vier mechanischen Tasten und einem Schalter, was nach kurzem Auswendiglernen sicher von der Hand geht. Der Momentum 3 Wireless unterstreicht, warum Sennheiser ein so gutes Standing im Kopfhörermarkt genießt. Der Momentum spielt nicht nur laut auf, sondern bringt vor allem Spaß: Er füllt die virtuelle Bühne mit sattem Klang in allen Frequenzsegmenten, bedient sich dabei aber auch einer gewissen Schönfärberei – analytisches Abhören ist ohnehin nicht die Stärke kabelloser Kopfhörer in geschlossener Bauweise.

Das Noise-Cancelling ordnet sich in seiner Effizienz im guten Mittelfeld der Testaufstellung ein: Bose, Sony aber auch Apple bieten eine bessere Abschottung, der Transparenzmodus unterscheidet sich kaum von ausgeschalteter Geräuschunterdrückung.

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Sennheiser Momentum Wireless Kopfhörer (mit Geräuschunterdrückung, automatischer Ein-/Ausschaltung, Smart-Pause-Funktion und Smart Control App), mit Alexa-Integration

Shure Aonic 50

Der Geheimtipp: Shure ist als Hersteller von Mikrofonen bekannt. Kopfhörer stellt das Traditionsunternehmen erst seit rund zehn Jahren her.

Trotzdem gelingt den Amerikanern mit dem Aonic 50 weit mehr als ein Achtungserfolg im Rennen um den besten Over-Ear mit Geräuschunterdrückung für Apple-Anwender. 25 Zentimeter im Durchmesser misst allein das riesig anmutende Hardcase; auf den Ohren liegt demzufolge nach dem Auspacken auch jede Menge Kopfhörer.

Der Tragekomfort ist dank dicker Polster dennoch hoch. Einen müffelnden Minuspunkt verdient sich Shure mit dem penetranten Geruch der Tasche: Den chemischen Gestank wurden selbst die Kopfhörer selbst während der Woche des Testens nicht gänzlich los. Neben einem Miniklinken- liegt ein USB-C-auf-USB-A-Kabel bei, die versprochenen „bis zu 20 Stunden“ Hörzeit haben wir im Test erreicht – das ist guter Durchschnitt.

Die Bedienung setzt klassisch auf Tasten; Touchspielereien finden sich in den Aonic 50 nicht. An der rechten Hörmuschel gibt es eine kombinierte Ein-/Aus- und Bluetoothtaste, einen Schalter zum Wechsel zwischen den ANC-Modi (die weiter via App anpassbar sind) und drei Tasten zur Wiedergabe- und Lautstärkesteuerung. Die Nase ist entsetzt, die Ohren indes sind verzückt: Die Aonic 50 klingen durch die Bank hervorragend; man merkt Shure die jahrzehntelange Erfahrung im Studiobereich an.

Präzise und dennoch voll ist der Klang auf einem durchweg hohen Niveau. Bei den Bässen sind die Shure sehr „ehrlich“, lassen aber ein bisschen das „Pfund“ vermissen, das bei elektronischer Musik bei vielen Hörern für die Extraportion Spaß sorgt (aber auch anstrengend sein kann).

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Shure AONIC 50 Kabelloser Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, erstklassiger Klang in Studioqualität, Bluetooth 5, bequemer Over-Ear Sitz, 20 Stunden Akkulaufzeit, komfortable Bedienung - Schwarz

Sony WH-1000XM4

Der Nachfolger des Titelverteidigers: Vergangenes Jahr spendierte Sony dem bereits sehr guten WH-1000XM3 ein Update.

Der nicht weniger kryptisch als WH-1000XM4 betitelte Kopfhörer gleicht seinen Vorgängern auf den ersten Blick nahezu wie „ein Ei dem anderen“. Auch wenn hier viel Plastik zum Einsatz kommt, hinterlassen die Japaner einen soliden Eindruck und haben sich auf Reisen als robust erwiesen. Die Hörmuscheln lassen sich nicht nur zur Seite drehen, sondern zudem in Richtung Bügel klappen.

Das reduziert das Packmaß im beiliegenden Hardcase ein klein wenig. Im Case findet sich neben einem Miniklinkenkabel auch ein (unverschämt kurzes) USB-C-auf-A-Ladekabel sowie ein Airlineadapter. Exzellente 30 Stunden tönt der XM4, bevor er wieder geladen werden muss. Auf dem Kopf und um die Ohren sitzt der WH-1000XM4 angenehm, wobei die Polsterung des Kopfbügels gern etwas breiter zu den Hörmuscheln und ein klein wenig weicher hätte ausfallen dürfen.

Die Bedienung mischt einen Ein-/Ausschalter und eine zuweisbare Taste an der linken Hörmuschel mit einem Touchbedienfeld an der rechten Muschel. Mit Tipp- und Wischgesten lassen sich hier Wiedergabe und Lautstärke steuern. Praktisch: Das Abdecken der rechten Hörmuschel mit der ganzen Hand aktiviert den Transparenzmodus.

Der Klang kann sowohl seidige Höhen als auch präsente Mitten liefern. Bässe liegen dem Sony besonders, sind einige Male im Hörtest aber doch etwas viel des Guten. Weniger geschmäcklerisch fällt die Einordnung der Geräuschunterdrückung aus. Hier spielen Apple, Bose und Sony auf vergleichbar hohem Niveau.

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Sony WH-1000XM4 kabellose Bluetooth Noise Cancelling Kopfhörer (30h Akku, Touch Sensor, Headphones Connect App, Schnellladefunktion, optimiert für Amazon Alexa, Headset mit Mikrofon) Schwarz

So funktioniert Noise-Cancelling

Lärm nervt und kann krank machen. Warum also nicht all die störenden Geräusche auf Knopfdruck ausblenden und durch angenehmere Klänge ersetzen? Over-Ear-Kopfhörer in geschlossener Bauform erreichen eben dies in einem ersten Schritt dadurch, indem sie die Ohren vollständig von den Hörmuscheln umschließen und so bereits Schallwellen dämpfen – ähnlich einem Hörschutz als „passiver“ Geräuschunterdrückung.

Aktive Geräuschunterdrückung geht einen Schritt weiter. Sie erfasst dank im Kopfhörer integrierter Mikrofone die umgebende Geräuschkulisse, analysiert diese und speist ein kaum wahrnehmbares gegenläufiges Signal ein. Stör- und Gegensignal löschen sich dann nach dem Prinzip der destruktiven Interferenz aus – der Lärm verschwindet weitestgehend.

Weitestgehend deshalb, weil das Verfahren nicht über den gesamten Frequenzbereich hinweg perfekt arbeitet. Besonders effektiv schluckt Noise-Cancelling niederfrequenten Ton: etwa das Summen einer Klimaanlage, den Lärm in einer Flugzeugkabine oder den Staubsauger im Zimmer nebenan. Büro-Geschnatter hingegen wird zwar gedämpft, verschwindet aber weniger gut im Hintergrund.

Schmerzen durch Kopfhörer?

Menschen sind unterschiedlich – und reagieren verschieden auf Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung. Manch einer verspürt bei aktivem Noise-Cancelling Ohrendruck, vergleichbar mit dem unangenehmen Gefühl bei einer Bergfahrt, welches seine Ursache im sich ändernden Luftdruck hat. Doch es gibt Abhilfe: Einige Kopfhörer erlauben ein Anpassen der Noise-Cancelling-Intensität, was entsprechende Beschwerden lindern kann. Over-Ears sollten zudem nicht zu stramm sitzen.

So hört dich dein gegenüber beim Telefonieren

Mit allen getesteten Over-Ears lässt sich auch telefonieren. Was dein gegenüber dabei hört, unterscheidet sich aber deutlich voneinander, so wie es auch unsere Testaufnahmen beweisen. Anhören kannst du die Beispiele etwa mit dem QuickTime Player – eine Einbettung in den Artikel reichen wir nach Möglichkeit nach.

• Download ZIP-Archiv mit neun Aufnahmen via mega.nz.

Fazit: Welcher ANC-Kopfhörer dein Geld wert ist

Acht Kandidaten, ein Tester, vier Wochen Arbeit – und was bleibt, sind ein paar Zeilen Fazit. Vorweg: Keiner der Kopfhörer ist eine Enttäuschung. Persönlich mag hier und da eine bestimmte Klangcharakteristik mehr zugesagt haben, aber es gab im Hörvergleich nicht im Entferntesten einen Totalausfall.

Ein klein wenig Enttäuschung vielleicht beim Noise-Cancelling: Bang & Olufsen und Bowers & Wilkins liegen etwas zurück, auch Shure und Sennheiser haben Luft nach oben.

Apple, Bose und Sony sorgen hingegen auf einem vergleichbar hohen Niveau für Ruhe. Doch nehmen wir uns des Elefanten im Raum an. Die dringendste Frage lautet: Sind die AirPods Max im Vergleich zum Mitbewerb ihren Preis wert? Vielleicht mag mancher der Mac Life eine gewisse Parteilichkeit unterstellen.

Unsere Gehaltsschecks aber zahlst du als Leser – wir haben mehr von einem ob einer guten Empfehlung zufriedenen Leser als von netten Worten. Wenn du das Geld übrig hast und bereits vollständig in die Welt Apples investiert hast, gibt es keine bessere Wahl als die AirPods Max.

Besonders beim Wechsel zwischen verschiedenen Apple-Geräten wie iPhone, Mac und sogar Apple Watch spielen die AirPods in einer anderen Liga. Bei den Mitbewerbern muss da oft erst Fehlersuche betrieben werden.

Die Bedienung mit digitaler Krone und einer Taste ist genial. Um das Ein- und vor allem Ausschalten muss kein Gedanke verschwendet werden, Klang und Noise-Cancelling sind sehr gut. Ähnlich viel guten Kopfhörer gibt es mit den WH-1000XM4 und NC700.

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