Test

Im Test: Apple Watch Series 6: Pulsoximeter, neue Designs und kürzere Ladezeit

Die neue Apple Watch Series 6 strotzt nicht gerade vor Neuerungen und verteidigt trotzdem die Spitzenposition unter den Smartwatches.

Machen wir uns nichts vor: Niemand ist bei der Präsentation der neuen Apple Watch Series 6 in spontanen Jubel ausgebrochen oder gar in Extase verfallen. Vielleicht sollte man ohnehin sein Leben überdenken, wenn einem so etwas (wiederholt) beim Anblick von Technik widerfährt; aber darum soll es heute nicht gehen. Denn natürlich gibt es auch zu diesem neuen Modell der Apple Watch jede Menge zu erzählen. Langweilig ist es höchstens, wenn man bereits eine Apple Watch Series 5, also eine Apple-Smartwatch aus dem Vorjahr, besitzt. Aber schon, wenn man nur eine um ein Jahr ältere Uhr, eine Apple Watch Series 4, besitzt, dann hat die neue Generation gleich mehrere interessante Funktionen zu bieten.

Design ist alles

Tatsächlich ist das Aussehen bei wohl keinem Apple-Produkt so wichtig wie bei der Apple Watch. Ja, es ist toll, dass Apples MacBooks auch optisch zu punkten wissen. Aber letztlich sind sie Laptops und die Funktionalität steht deutlich im Vordergrund. Das iPhone verschwindet bei den meisten Menschen sowieso in einer Hülle und ganz ähnlich geht es auch dem iPad. Die Set-Top-Box Apple TV verschwindet hinter dem Fernseher oder in einem TV-Möbel. Die einzigen Ausnahmen bilden der jeden Raum dominierende iMac und die Apple Watch.

Die Apple Watch könnte noch so großartig sein, sähe sie schäbig aus oder ließe sie sich nicht gut zu verschiedenen Kleidungsstücken kombinieren, Apple würde sie nicht im Ansatz so millionenfach verkaufen, wie es derzeit der Fall ist.

Die smarte Apple-Uhr ist eben trotz aller in den vergangenen Jahren hinzu gewonnenen Selbstständigkeit nach wie vor ein Accessoire. Und zwar nicht nur ein technisches Accessoire zum iPhone, sondern auch ein modisches Accessoire. Und selbst mit dem aktuellen klotzigen Design eines abgerundeten Rechtecks hält Apple noch immer genug potenzielle Käufer davon ab, zuzugreifen.

Apple tut also gut daran, mit Materialien und Farben zu spielen und neue Kombinationen auszuprobieren. In diesem Jahr hat man dem hauseigenen Design-Team dabei offenbar besonders freie Hand gelassen. Das Aluminium-Gehäuse der Apple Watch gibt es nun in gleich zwei neuen Farben: neben den bekannten Varianten in silber, gold und „Space Grau“ kann man nun auch rot und blau wählen. Der Blauton orientiert sich dabei in Richtung „navy“ oder „ultramarin“, wohingegen das Rot ein klassisches „(Product) Red“-Rot ist.

Wir können uns zwar nicht vorstellen, stets und ständig mit einer knallroten Uhr am Handgelenk durchs Leben zu gehen – aber sie wird ihre Käufer finden. Und wer sich für das rote Modell entscheidet, tut dabei schließlich auch noch etwas Gutes! „(Product) Red“ wurde 2006 unter anderem von U2-Frontmann Bono ins Leben gerufen und funktioniert so: Unternehmen bringen Produktvarianten in rotem Design und unter dem „(Product) Red“-Label auf den Markt und führen einen Teil der mit ihnen erzielten Gewinne an den Global Fund, der sich für die Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria einsetzt, ab.

Farblich nichts geändert hat sich bei den Luxusmodellen. Die Apple Watch Hermès, die vor allem mit ihren ausgefallenen Lederarmbändern besticht, gibt es weiterhin mit einem Edelstahlgehäuse in silber oder „Space Schwarz“. Die Apple Watch Edition kommt weiterhin mit einem Titan-Gehäuse, wahlweise in (Titan-)grau oder ebenfalls in „Space Schwarz“. Lediglich bei der „Mittelklasse-Apple-Watch“ mit Edelstahl-Gehäuse aber ohne Hermès-Armband hat sich noch etwas getan. 

Graphit ist das neue schwarz

Der Edelstahl-Smartwatch nämlich hat Apple das schwarze Gehäuse gestrichen. An seiner statt rückt jetzt der Farbton „Graphit“ neben das klassische Duo aus silber und gold. Bei der Wahl unseres neuen täglichen Begleiters am Handgelenk haben wir uns für genau dieses Modell entschieden, hatten wir in den Jahren zuvor doch immer auf das schwarze Modell gesetzt.

Das Graphit-Gehäuse ist, das ist schnell klar, deutlich heller als das schwarze Gehäuse der Apple Watch Series 5. Der Farbton ist aber unter realen Lichtbedingungen auch wiederum nicht so hell, wie Apples Produktfotos es vermuten lassen. Und auch auf unseren Fotos ist die Realität nur unzureichend abgebildet. Es hilft nichts: Wenn man sich für die Graphit-Uhr interessiert, muss man sie sich mit eigenen Augen anschauen. Aber vielleicht hilft es zumindest etwas, die Gehäusefarbe mit der anderer Apple-Geräte zu vergleichen. So ist die graue Rückseite eines iPhone 6 merklich heller und die graue Rückseite eines iPhone 11 Pro etwas dunkler. Je nach Lichteinfall ist das Graphit etwas heller oder dunkler als das Gehäuse eines aktuellen MacBook Pro in der Farbvariante „Space Gray“. Dabei wiederum täuscht einen schnell der Umstand, dass das MacBook-Pro-Gehäuse matt, das Gehäuse der Uhr allerdings glänzend poliert ist.

Der neue Farbton bringt einen interessanten Vorteil mit sich: Er lässt sich besser mit einer Vielzahl von farbigen Armbändern kombinieren. Mit dem glänzenden silbernen Edelstahlgehäuse der Series 5 hatten wir beispielsweise das Problem, dass dunkle Armbänder schnell „falsch“ aussahen. Andersherum funktionierten etwa cognacfarbene Lederarmbänder so überhaupt nicht an mit der schwarzem Edelstahlgehäuse. Graphit ist da deutlich flexibler einsetzbar. Selbst, dass die Adapter zur Montage eines Armbands farblich nicht so ganz passen (so geht es uns etwa gerade mit unserem Lederarmband aus der Zürich-Kollektion von Bandwerk), fällt nur auf, wenn man darauf achtet. Natürlich: für Puristen ein No-Go. Für Pragmatiker, die zwar diese neue Uhr haben, nicht aber für dreistellige Beträge neue Armbänder kaufen wollen, sicherlich kein Thema.

Und noch einen weiteren Vorteil hat das Graphit-Gehäuse zu bieten: Es wirkt aufgrund seines polierten Äußeren deutlich edler als die schwarze Series-5-Uhr, ist gleichzeitig aber auch deutlich dezenter als die Edelstahlvariante.

Das Glas-Rätsel

Auf eine weitere Äußerlichkeit geht Apple in der Vermarktung der Apple Watch Series 6 bemerkenswerter Weise überhaupt nicht ein. Bei vorherigen Generationen der Apple Watch wies Apple darauf hin, dass das Display der Aluminum-Variante durch ein „Ion x Glas“ geschützt sei, während bei den höherwertigen Uhren eine Abdeckung aus Saphirglas zum Einsatz käme. In den technischen Spezifikationen zur Series 6 ist davon nichts mehr zu lesen. Tatsächlich ist aber alles beim Alten geblieben.

Und diese Information ist wichtig, kann sie doch letztlich ausschlaggebend bei der Modellwahl sein. Denn schließlich verfügen die beiden Materialien über unterschiedliche Eigenschaften: Das Ion-x-Glas ist vor allem flexibler, was bedeutet, dass es Schocks besser absorbieren kann als das steife Saphirglas, das dafür kratzresistenter ist. Fällt einem die Uhr mit der Glasfläche nach unten auf einen harten Untergrund, ist die Chance beim Ion-x-Glas also größer, dass es nicht reißt oder gar zerspringt. Dafür wird man unweigerlich früher oder später Kratzer auf der Oberfläche bemerken.

Ein uneingeschränkter Vorteil des Ion-x-Glases ist, dass es signifikant leichter und günstiger in der Herstellung ist. Kein Wunder also, dass Apple es bei den günstigeren Uhrenmodellen (Apple Watch Series 6 Aluminium und Apple Watch SE) zum Einsatz bringt.

Neues Armband: Der Solo Loop

Parallel zur neuen Apple Watch Series 6 hat Apple auch in diesem Jahr mehrere neue Armbänder veröffentlicht. Das spannendste Modell ist sicherlich der Solo Loop, handelt es sich dabei doch um ein Armband, das ganz ohne Schließmechanismus auskommt. Es ist ein Gummiring, der hinreichend dehnbar ist, dass man ihn über die Hand führen kann. Trotzdem sitzt er angenehm fest am Handgelenk.

Damit das möglich ist, gibt es den Solo Loop in 2 mal 9 unterschiedlichen Größen. Apple bietet zum Abmessen ein PDF an, das man sich (unbedingt in Originalgröße!) ausdrucken soll. Dann noch schnell das Maßband ausschneiden, einmal um den Arm legen, Größe ablesen und bestellen.

Wer einen Blick auf das PDF wirft, sieht schnell, dass dort nicht 9 sondern 12 unterschiedliche Größen erkennbar sind. Das hängt damit zusammen, dass Apple für die kleineren Uhren die Längen 1-9 und für die größeren Uhren die Längen 4-12 anbietet.

Zusätzlich zu dem Sport-Armband-artigen Solo Loop gibt es auch noch eine geflochtene Version, die zwar deutlich modischer aussieht, mit knapp 100 Euro aber auch ungefähr das doppelte vom regulären Solo Loop kostet.

Das neue Draußen-Display

Während sich bei den zur Auswahl stehenden Gläsern im Vergleich zur Vorserie nichts getan hat, hat Apple sehr wohl am darunterliegenden Display geschraubt. Der „Always-on Retina“-Bildschirm der Series 6 leuchtet nämlich 2,5 mal heller als der der Series 5. Unserer Meinung nach ist diese Ergänzung vollkommen ohne Belang, wenn man sich in Gebäuden aufhält. Draußen, bei vollem Sonnenschein aber ist die Apple Watch Series 6 immer noch bestens ablesbar, wenn sich die Series 5 schon längst in eine einzige Reflektorfläche verwandelt hat.

Welches ist die richtige Größe?

Eine Frage, die uns von kaufwilligen Apple-Watch-Fans häufiger gestellt wird, ist die nach der zu wählenden Größe. Wir machen es kurz: An dieser Stelle müssen wir passen und können keine klare Empfehlung aussprechen. Grundsätzlich gilt, dass die kleinere Apple Watch mit einem Durchmesser von 40 mm an sehr breiten Handgelenken oft „falsch“ aussieht, während die große Variante (Durchmesser: 44 mm) an sehr zierlichen Armen schnell clownesk wirkt. 

Viel wichtiger ist aber, was man von der Apple Watch erwartet. Soll sie ein Fitness-Tracker sein, von dem man möglichst wenig merkt? Dann ist sicherlich die kleinere Uhr die richtige Wahl und die Optik eher nachrangig. Soll sie vorwiegend ein modisches Accessoire sein, das auch noch über ein paar nette Funktionen verfügt? Dann sollte man vermutlich darauf achten, dass sie insgesamt zum Erscheinungsbild passt. Was immer das heißen mag, denn uns sind auch Menschen bekannt, die bewusst „zu große“ Uhren tragen, weil das eben ihr Stil ist.

So sehr wie bei kaum einem anderen Punkt hilft hier leider nur: ausprobieren.

Was macht eigentlich ein Oximeter?

Die wirklich große Neuerung der Apple Watch Series 6 sind weder die neuen Gehäusefarben noch das leuchtstärkere Display. Als das primäre Verkaufsargument hat Apple einen Blutsauerstoffsensor integriert oder genauer: den schon seit jeher vorhandenen (und bereits überarbeiteten) Pulssensor zum Pulsoximeter aufgebohrt.

Ein Sensor also, der die Sauerstoffsättigung des Blutes misst. Ganz so, wie du es aus diversen Krankenhausserien (und vielleicht auch eigenen Klinikaufenthalten) kennst. Da allerdings wird so ein Pulsoximeter für gewöhnlich nicht um das Handgelenk geschnallt, sondern am Finger angebracht und misst neben der Sauerstoffsättigung auch noch den Puls, daher der Name. Und das funktioniert so: Gesättigtes, also mit Sauerstoff angereichertes Hämoglobin absorbiert andere Wellenlängen des Lichts als ungesättigtes Hämoglobin. Daher ist sauerstoffreiches „frisches“ Blut knallrot, wohingegen desoxigeniertes Blut dunkelrot bis blau erscheint. Im Sensorblock der Uhr befindet sich neben einem Fotosensor, der genau diese unterschiedlichen Absorptionsverläufe unterscheiden kann, auch eine hinreichend starke rote Lichtquelle, damit der Fotosensor überhaupt etwas zu „sehen“ bekommt. Das ist auch schon der ganze Trick.

Spitzensportler verwenden die Sauerstoffsättigung SpO₂ zum Beispiel für die Trainingssteuerung, besonders wenn es um Ausdauersport geht. Denn mit diesem Wert kann nicht nur die Atemfunktion ganz Allgemein sondern zu einem guten Teil auch die Leistungsfähigkeit eines Menschen beurteilt werden. 

Neben sportlich relevanten Indikationen kann eine zu niedrige Sauerstoffsättigung auf eine Vielzahl von Erkrankungen hindeuten. Etwa Asthma oder eine Herzinsuffizienz. Häufige Symptome sind dann neben einer erhöhten Herzfrequenz auch anhaltende Nervosität und ein Leistungsabfall. Auch plötzliche Schweißausbrüche sind nicht selten. Besonders in der heutigen Zeit darüber hinaus wichtig: Eine niedrige Sauerstoffsättigung ist oft auch ein Indikator für Atemwegserkrankungen, wie etwa Covid-19 („Corona“).

An dieser Stelle sei angemerkt, dass Apple den Pulsoximeter anders als das ebenfalls integrierte EKG (dazu später mehr) nicht als medizinisches Gerät hat zertifizieren lassen. Apple bewirbt den Pulsoximeter als „Wellness Feature“. Das heißt nicht, dass seine Messungen nicht akkurat wären – darauf verlassen sollte man sich im Zweifelsfall allerdings nicht. Und das gilt in beide Richtungen: Wenn du über eines oder mehrere der oben erwähnten Symptome klagst, deine Apple Watch dir aber sagt, dass alles gut sei, solltest du trotzdem zum Arzt gehen. Genauso solltest du andererseits eine (höchstwahrscheinlich) fehlerhafte Messung mit einem Blutsauerstoffgehalt von nur noch 50 Prozent nicht als sofortiges Todesurteil betrachten.

Schlaf-Analyse

Schon in den vergangenen Jahren haben sich im App Store eine ganze Reihe an Anwendungen hervorgetan, die die Sensoren der Apple Watch dazu benutzen, deinen Schlaf zu überwachen und auszuwerten. Mit watchOS 7 integriert Apple diese Funktion ins System und stellt die Entwickler bisheriger Schlaf-Tracking-Apps vor die beachtliche Herausforderung, sich zumindest von Apples Ansatz differenzieren, eigentlich aber sogar, noch mehr liefern zu müssen.

Apple misst dabei nicht nur die Bewegungen, die man unweigerlich während des Schlafes macht, und errechnet daraus einen Wert, der aussagen soll, wie gut man geschlafen hat. Apples Schlafmodus sorgt zum Beispiel automatisch dafür, dass die Apple Watch sich in den „Nicht stören“-Modus schaltet, damit man nicht von dem hell aufleuchtenden Display geweckt wird. Auch das iPhone wird mit eingebunden, so dass sich dessen Display dimmt und Benachrichtigungen stummgeschaltet werden. Alle gesammelten Informationen über Schlafdauer und -qualität landen natürlich in der Health-App und werden dort ansprechend aufbereitet.

Das alles funktioniert auch mit älteren Apple Watches. Mit unser „alten“ Series 5 sind wir jedoch regelmäßig in Engpässe in Sachen Akku-Ladung geraten. Oft hat die Ladung am Ende eines Tages nicht ausgereicht, um noch die Nacht durchzuhalten. Und wenn doch, hat die Zeit für die morgendliche Badezimmerroutine nicht ausgereicht, um die Uhr wieder hinreichend aufzuladen, auf dass sie den vor ihr liegenden Tag überstünde.

Diese Probleme scheinen mit der Apple Watch Series 6 nicht länger relevant zu sein, was unter anderem daran liegt, dass es Apple gelungen ist, die neue Smartwatch-Generation energieeffizienter zu machen. So gibt Apple etwa an, dass die Series 6 im Vergleich zu Series 5 nun bis zu 7 Stunden Outdoor-Workouts (vorher 6) oder 11 Stunden Audio-Streaming (vorher 8) ermögliche. Außerdem konnte Apple den Akku-Ladevorgang signifikant, nämlich um 40 Prozent, beschleunigen. Das bedeutet, dass die Uhr-Aufladung von 0 bis 80 Prozent der Akku-Kapazität nur noch 60 Minuten dauert. Für die restlichen 20 Prozent wird eine weitere halbe Stunde fällig.

Es ist noch zu früh für ein finales Urteil, in den ersten Nächten zumindest aber war das Schlaf-Tracking so problemfrei möglich.

Weitere Gesundheitsfunktionen

Bereits seit der Apple Watch Series 4 begleitet Trägerinnen und Träger einer Apple-Smartwatch ein EKG am Handgelenk. Ein EKG (Elektrokardiogramm) kann wertvolle Hinweise auf den Gesundheitszustand des Herzens machen. Apples EKG-Sensor ist als medizinisches Gerät zugelassen, was nicht zuletzt unterstreicht, dass seine Messungen äußerst genau sind, was wiederum bedeutet: Wenn die Apple Watch in diesem Bereich (wiederholt) Probleme feststellt, solltest du sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen.

Überhaupt ist das Herz ein großes Thema für Apple. Schließlich überwacht die Smartwatch ständig den Puls. Bei sportlichen Aktivitäten konstant auch über einen längeren Zeitraum und bei normaler Nutzung in regelmäßigen Abständen. Dabei kann die Apple Watch ungewöhnlich hohe oder niedrige Herzfrequenzen in Abhängigkeit der aktuellen Tätigkeit feststellen und im Zweifel Alarm schlagen. Ist man etwa gerade in vollem Sprint unterwegs, sind deutlich dreistellige Herzfrequenzen nichts außergewöhnliches. Sitzt man aber seit längerer Zeit auf dem Sofa und hat trotzdem einen Puls von 150 Schlägen pro Minute, wird einen die Apple Watch darauf hinweisen.

Neu ist in diesem Jahr im Gesundheitskontext auch die automatische Erkennung von Handwaschbewegungen. Ja, richtig gelesen: Die Apple Watch erkennt, ob und wie lange du dir gerade die Hände wäschst und protokolliert das in der Health-App. Zusätzlich kannst du deine Apple Watch so konfigurieren, dass sie dich daran erinnert, dir die Hände zu waschen oder während des Reinigungsvorgangs einen Countdown anzeigt, damit du nicht zu früh aufhörst.

Fitness-Tracking

Die Verwendung als Sport-Motivations- und -Analyse-Gadget ist eine der Hauptaufgaben der Apple Watch. Da ist es fast schon irritierend, dass die Series 6 selbst in dieser Hinsicht nur wenig über den bereits erwähnten Pulsoximeter hinaus zu bieten hat. Praktisch alle sonstigen Neuerungen sind dem Software-Update auf watchOS 7 zu verdanken und stehen somit größtenteils auch den Apple-Smartwatches der Serien 4 und 5 zur Verfügung.

Interessant wird allerdings noch Apples eigenes und vollkommen neues Sportprogramm „Fitness+“. Abonnenten, die 10 US-Dollar im Monat oder 80 US-Dollar im Jahr bezahlen, bekommen Trainingsvideos in 10 Sportarten mit amerikanisch-supermotivierten Trainern und Trainerinnen auf ihre iPhone, iPad oder Apple TV gebeamt. Die Apple Watch erkennt das gestartete Training und sorgt dafür, dass etwa der aktuelle Pulswert live ins Trainingsvideo eingeblendet wird. Daran, dass wir hier nur Preise in US-Dollar erwähnt haben, erkennst du allerdings bereits: Vorerst kommen die Apple-Trainer nicht in deutsche Wohnzimmer.

Eine Randbemerkung wert ist der Höhenmesser, den es zwar auch schon in vorigen Apple-Watch-Modellen gab, der mit der Apple Watch Series 6 allerdings dauerhaft aktiv ist. Seine Daten kann man in der Kompass-App direkt auf der Uhr auslesen. Laut Altimeter befinden wir uns beim Verfassen dieser Zeilen in einer Höhe von 6 Metern. Allerdings, so gibt die App ebenfalls an, bei einer aktuellen Messgenauigkeit von „+/- 5 Metern“. Natürlich ist der Höhenmesser auch nicht dafür gemacht, dass Autoren die Schöpfungshöhe ihrer Texte protokollieren können. Wir können uns allerdings durchaus vorstellen, dass so ein Höhenverlauf etwa bei ausgedehnten Wanderungen ein nettes Zusatzdatum darstellt.

Jetzt wird’s technisch!

Die Apple Watch Series 6 ist allerdings mitnichten alter Wein in neuen Schläuchen! In ihrem Inneren steckt ein vollkommen überarbeiteter S6-Chip, genauer ein so genanntes „SiP“ („System-in-Package“, ein Chip für alles). Apple ist es gelungen den S6 in eine neue Form zu pressen, was es ermöglicht hat, ihn 9 Prozent größer zu konstruieren. Was nicht nach viel klingt, sind bei diesem Grad der Miniaturisierung Welten!

Das Resultat der Überarbeitung ist vor allem, dass der S6 nicht nur 20 Prozent schneller sondern auch 20 Prozent energieeffizienter als der S5 arbeitet. Das ist auch darin begründet, dass der S6 über einen neuen „high-performance dual-core“-Prozessor verfügt, der auf dem A13-Bionic-Chip des iPhone 11 basiert.

Komplett neu ist die Integration eines U1-Chips und von Ultra-Breitbandantennen in der Apple Watch Series 6. Der U1-Chip begleitet uns schon länger in unseren iPhones und kommt so recht nicht zum Einsatz, ermöglicht es aber theoretisch, Geräte präzise im Raum zu orten, was immer wieder neue Spekulationen um „AirTags“ anheizt. Apple kommentiert das nicht weiter und verweist lieber darauf, dass der U1-Chip dafür sorge, dass man die Uhr noch komfortabler als Ersatz für den Autoschlüssel verwenden könne – vorausgesetzt, man verfügt über ein brandneues und zudem auch noch kompatibles Fahrzeug.

Apple und die Umwelt

Seit vielen Jahren arbeitet Apple daran, die eigenen Produkte immer umweltfreundlicher zu fertigen und auch insgesamt immer „grüner“ zu werden. Zuletzt hat man beispielsweise verkündet, die zwei größten On-Shore-Windkraftanlagen der Welt in Dänemark zu bauen.

Mit der Apple Watch Series 6 nimmt Apple etwas vorweg, was wir erst für das kommende iPhone erwartet hatten: Die neue Smartwatch wird ohne USB-Ladeadapter ausgeliefert. Zumindest die Aluminium- und die regulären Edelstahl-Modelle. Die Hermès-Uhren und auch die Titan-Apple-Watch, die absoluten Premium-Modelle also, bekommen weiterhin das volle Paket.

Apples Schritt ist richtig: Wir alle – ja, wir sind uns der Unzulässigkeit von Pauschalisierungen bewusst – besitzen wahrlich genug Ladeadapter, in die man USB-Stecker einstöpsel kann. Wir brauchen nicht noch weitere und jeder Ladeadapter, der nicht produziert, verpackt, verschickt und dann weggeworfen wird, ist ein guter. Abzüge gibt es bei der Aktion allerdings in der B-Note: Ginge es Apple dabei nämlich wirklich ausschließlich darum, der Umwelt etwas Gutes zu tun, und nicht die Gewinne zu maximieren, hätte Apple die Watch einfach günstiger machen können. Denn laut Apples eigener Website ist dieser Ladeadapter satte 25 Euro wert.

Uns geht es bei einer Uhr, die schnell einen mittleren dreistelligen Betrag kostet, nicht darum, diese 25 Euro zu sparen. Aber es wäre eine nette Geste gewesen. Alternativ hätte Apple auch verkünden können, für jede fortan verkaufte Apple Watch 25 Euro in irgendein Umweltprojekt zu investieren. Wir sind uns dabei bewusst, dass die Herstellungskosten so eines Ladeadapters nicht 25 Euro betragen, Apples tatsächlichen Einsparungen also auch deutlich geringer ausfallen. Aber nochmal: Es geht um den Symbolwert einer solchen Aktion.

Auf der Haben-Seite in Sachen Umweltfreundlichkeit steht bei Apple dafür noch die Tatsache, dass die Gehäuse der Aluminium-Uhren nun zu 100 Prozent aus recyceltem Material bestehen. Chapeau!

Bezahlen, wie es sein soll

Neben all dem Tracken und Analysieren ist eines der größten Komfortmerkmale der Apple Watch weiterhin das Bezahlen mit Apple Pay. Hat man die Kreditkarte der Wahl (oder auch seit neuestem die Sparkassen-Girokarte) hinterlegt, drückt man fortan nur noch kurz doppelt auf die Seitentaste der Uhr, hält sie dann an das Kartenlesegerät, es macht kurz „Ba-bing“ – und fertig. Dabei ist der Bezahlvorgang per Apple Pay sogar noch sicherer als mit der herkömmlichen Plastikkarte.

Das funktioniert seit der Einführung in Deutschland im Dezember 2018 so problemfrei, dass es (leider) fast schon Spaß macht, Geld auszugeben. Schade ist, dass Apple auch 2020 noch nicht alle Apple-Pay-Funktionen in Deutschland freigeschaltet hat. US-amerikanische Nutzer etwa können sich auch per iMessage Geld überweisen. 

Kaufentscheidung: Oder doch lieber ein anderes Modell?

Apples neuem Sparmodell, der Apple Watch SE, und dem Einsatz der Apple Watch an Handgelenken von Kindern und Senioren – Stichwort: „Familien-Konfiguration“ – widmet sich der Kollege Stefan Molz in einem separaten Artikel (den wir hier verlinken, sobald er online ist). Trotzdem wollen wir an dieser Stelle kurz auf die wesentlichen Unterschiede zu allen noch empfehlenswerten Modellen eingehen.

Da wäre zunächst die Apple Watch Series 3. Apple verkauft sie nach wie vor als Neuware und schämt sich nicht einmal dafür. Niemand sollte 2020 noch diese Uhr kaufen. Sie hat ein (zu) kleines Display mit breiten Rändern, ist langsam und hat im Vergleich zu allen späteren Modellen eine miserable Akkulaufzeit anzubieten. Kaufe diese Uhr bitte nur dann, wenn du der Meinung bist, du müsstest dich für irgendetwas bestrafen.

Die Apple Watch Series 4 und Series 5 hat Apple aus dem Programm gestrichen. Du bekommst sie trotzdem noch bei verschiedenen Elektro-Händlern, quasi als Restposten, und natürlich derzeit auch gehäuft auf Wiederverkaufsplattformen von Ebay bis Rebuy. Worauf ist zu achten?

Mit der Series 4 hat Apple die immer noch aktuellen Gehäuse- und Display-Größen eingeführt. Außerdem verfügt auch die Series 4 schon über die Möglichkeit zur EKG-Messung. Über das Funktions-Set der 4er-Uhr hinaus verfügt das 5er-Modell lediglich über das „Always-on Display“. Was wie eine zu vernachlässigende Nebensache klingt, macht die Apple Watch aber in Wahrheit erst zu einer wirklich ernstzunehmenden Uhr. Denn Merkmal einer Armbanduhr sollte es stets und ständig sein, dass man die aktuelle Zeit von ihr ablesen kann, ohne erst den Arm bewegen oder gar das Glas antippen zu müssen.

Zur Apple Watch Series 6 wiederum fehlt vor allem die Möglichkeit zur Messung des Sauerstoffgehalts im Blut.

Was kostet die neue Apple Watch?

Eine theoretisch einfache Frage, die in der Praxis allerdings gar nicht so leicht zu beantworten ist, weil es wie so oft „darauf ankommt“.

Grundsätzlich verkauft Apple die Series 6 ab rund 420 Euro. Dafür bekommt man die Uhr mit kleinerem Durchmesser von 40mm und ohne Mobilfunk-Modem. Wer die Smartwatch auch unabhängig vom iPhone im LTE-Netz nutzen möchte, ist ab 515 Euro dabei. Die jeweiligen Varianten mit größerem Display kosten 450, respektive 545 Euro.

Das alles gilt wiederum nur dann, wenn du dich für die Apple Watch Series 6 mit Aluminium-Gehäuse und dem klassischen Sport-Armband entscheidest. Für eine Uhr mit Edelstahlgehäuse zahlst du je nach Displaygröße 710 oder 760 Euro – dafür ist LTE immer an Bord.

Die Apple Watch Edition, also das Modell mit dem Titangehäuse, gibt es für 860, respektive 905 Euro. Dafür muss man sich allerdings auch nicht mit einem schnöden Sport-Armband zufriedengeben, sondern hat bereits standardmäßig die Wahl zwischen einem geflochtenen Solo Loop oder einem Lederarmband.

Für die Hermès-Uhren muss man in jedem Fall mindestens 1.300 Euro auf die Ladentheke legen.

Da hört die Preiserklärung allerdings noch lange nicht auf, denn schließlich verkauft Apple zig verschiedene Armbänder zu ebenso vielen verschiedenen Preisen.

Fazit

Die Apple Watch ist noch lange nicht und auch nicht ansatzweise so ausentwickelt wie das iPhone. Dennoch erleben wir gerade zum zweiten Mal hintereinander einen eher moderaten Evolutionsschritt. Nur ein Bruchteil der Nutzerinnen und Nutzer wird sich über die erste Zeit hinaus mit der regelmäßigen Messung des Blutsauerstoffgehalts beschäftigen. (Umso besser, dass Apple diesen auch im Hintergrund protokolliert.) Das hellere Display ist nur in sehr vereinzelten Situationen ein echter Vorteil und selbst, dass die Uhr schneller aufgeladen werden kann, dient vor allem jenen, die tatsächlich mit angelegter Apple Watch ins Bett gehen, um ihren Schlaf analysieren zu lassen.

Ist die Apple Watch Series 6 deshalb abzulehnen? Natürlich nicht. Denn allzu gern wird – auch von uns – ein Fehler gemacht: Man vergleicht das aktuelle Modell mit seinem direkten Vorgänger. Das ist aber in den meisten Fällen vollkommen an der Realität vorbei gedacht; zumindest, wenn es darum geht, Kaufempfehlungen auszusprechen.

Die meisten Watch-Trägerinnen und -Träger  kaufen sich nicht jedes Jahr eine neue Apple Watch. Wer soll denn das auch bezahlen? Hat man aktuell eine Apple Watch Series 4 am Handgelenk, dann ist der Sprung schon spürbarer. Geht man noch ein Jahr zurück und vergleicht das nun aktuelle Modell mit der Series 3, dann ist der durch die Series 6 erlangte Mehrwert kaum noch in Worte zu fassen.

Apple ist mit der Watch auf dem richtigen Weg und wird sukzessive neue Funktionen nachliefern. Weit oben auf der Prioritätenliste dürften dabei die optische Messung von Blutdruck und Blutzucker stehen. Spätestens das wird der ganz große Durchbruch.

Bewertung
Name
Apple Apple Watch Series 6 (Edelstahl „Graphit“, 44mm)
Website
Pro
  • Großer Funktionsumfang
  • Hohe Energieffizienz
  • EKG-, Puls- und Blutsauerstoffmessung
Contra
  • Design wirkt langsam überholt und neue Zifferblätter fangen das nur bedingt auf
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