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Test: Behringer TD-3 - Die beste 303 aller Zeiten?

Die Roland TB-303 wurde 1982 als virtueller E-Bassist zur Unterstützung für Gitarristen auf den Markt gebracht. Die charakteristischen Sequenzen mit Slide, Accent und kreischender Resonanz sind nicht nur essentieller Bestandteil jeglicher Acid-Stile, sondern haben die gesamte Techno-Bewegung maßgeblich beeinflusst. Es verwundert daher auch wenig, dass sich auch Uli Behringer der kleinen Kultkiste angenommen hat, schließlich ist vor seinen Nachbauten kein analoger Klassiker sicher. Ebenfalls nicht überraschend ist, dass die Behringer TD-3 mit einem Straßenpreis von unter 150 Euro deutlich günstiger ist als alle anderen Nachbauten, vom Gebrauchtmarktpreis des Originals ganz zu schweigen.

Preisbrecher im Plastikgewand

Im Gegensatz zu den anderen preiswerten Behringer-Analogsynthesizern wie beispielsweise dem Crave merkt man der TD-3 den günstigen Preis allerdings auch äußerlich an. Das etwas klobig wirkende Gehäuse ist aus billigem Plastik und wiegt nicht einmal 800 Gramm, dadurch fühlt sich die TD-3 beim Auspacken wie ein Spielzeug an. Im Gegensatz zum Original ist auch kein Batteriebetrieb möglich, um das Gerät etwas zu beschweren und zudem stromabhängig betreiben zu können. Wie schon beim SH-101-Nachbau namens MS1 hat Behringer durch das Weglassen des Batteriebetriebs ein wenig Potential verschenkt.

Die Regler sind ebenfalls aus einfachem Plastik und nicht mit dem Gehäuse verschraubt. Der Fairness halber muss man aber sagen, dass eine Original-TB-303 auch nur in billiger Plastikverpackung daher kommt (und dennoch für Preise bis zu 3.000 Euro gebraucht gehandelt wurde).

USB, MIDI, Editor

Die handvoll Bedienelemente entsprechen dem berühmten Vorbild, auch die ein Mini-Keyboard bildenden Taster zur Programmierung des Sequenzers sind vorhanden. Bei den Anschlussmöglichkeiten hat Behringer aber ordentlich aufgestockt. Während die TB-303 nicht direkt angespielt werden konnte, sondern nur eine Synchronisation des internen Sequenzers über analoge Clock möglich war, versteht die TD-3 MIDI-Signale über den klassischen MIDI-Eingang und lässt sich daher unabhängig vom internen Sequenzer wie ein normaler Synthesizer spielen oder zur MIDI-Clock synchronisieren. Die zweite MIDI-Buchse sendet die MIDI-Signale des Sequenzers wieder heraus oder schleift eingehende Signale durch.

Der USB-Anschluss kann ebenfalls als MIDI-Interface dienen, Audiosignale wie bei Rolands eigenem Nachbau TB-03 aus der Boutique-Serie werden allerdings nicht übertragen. Über den USB-Anschluss kommuniziert die TD-3 auch mit dem kostenlosen Synthtool von Behringer, das neben Systemeinstellungen die Bearbeitung von Sequenzen in einer übersichtlichen Pianoroll erlaubt. Da der nicht unbedingt einfach zu programmierende Sequenzer der TB-303 unverändert in die TD-3 übernommen wurde, ist diese zusätzliche Option gerade für 303-Anfänger ein wahrer Segen.

Filtereingang serienmäßig

Die analogen Anschlüsse der TB-303 finden sich auch bei der TD-3 wieder, sind allerdings auf die Oberseite gewandert. Die CV/Gate-Ausgänge erlauben das Steuern von anderem Analog-Gear inklusive eines Modularsystems mit dem eingebauten Sequenzer. SYNC In sorgt für die Synchronisation des Sequenzers zu einer analogen Clock. Neu hinzugekommen ist ein beliebter Mod des Originals: Wenn Sie ein externes Audiosignal an die FILTER-IN-Buchse anschließen, wird es in die Klangerzeugung der TD-3 eingeschleift und kann dann mit dem Filter und den Effekten bearbeitet werden. Da die TD-3 nur über einen Oszillator verfügt, wäre z. B. das Einschleifen eines zusätzlichen Oszillator-Moduls für breitere verstimmte Klänge oder zusätzlichen Sub-Bass interessant.

Originalgetreue Nachbildung

Wer die TB-303 kennt, findet sich sofort bei der TD-3 zurecht, denn alle Bedienelemente des Originals wurden 1:1 übernommen. Aber auch Neulinge werden mit der simplen Klangerzeugung nicht überfordert sein. Basis der rein analogen Klangerzeugung ist ein Oszillator, der wahlweise die Wellenformen Sägezahn oder Rechteck zur Verfügung stellt. Das Oszillator-Signal gelangt in das Tiefpassfilter, dessen Frequenz und Resonanz sich über zwei weitere Regler einstellen lässt und dessen charakteristischer Klang mit dem prägnanten Pfeifen, Zwitschern und Kreischen bei hoher Resonanz für den Erfolg der kleinen Silberkiste verantwortlich ist. Die Mini-Hüllkurve lässt sich nur in der Decay-Zeit sowie Modulationsstärke regeln. Der letzte Regler schließlich bestimmt, wie stark ein im Sequenzer programmierter Accent auf diverse Parameter der Klangerzeuger wirkt. Accent verkürzt dann unter anderem die Decay-Zeit bis auf ein Minimum für das 303-typische Bellen und Schnappen.

Im Inneren befinden sich übrigens auch noch Trim-Potis, die unter anderem die Anpassung des Offsets von Oszillator und Filterfrequenz ermöglichen.

TB-303-Sequenzer

Auch die Bedienung des Sequenzers ist originalgetreu übernommen worden, ebenso wie dessen Bedienelemente. Eine Beschreibung der doch recht eigenwilligen Programmierung des 303-Sequenzers würde den Umfang dieses Tests sprengen, dazu gibt es auch genügend Tutorials im Netz. Festzuhalten bleibt, dass gerade dieser spezielle und auf den ersten Blick wenig intuitive Sequenzer ein mindestens ebenso wichtiger Bestandteil der beliebten 303-Sequenzen ist wie die Klangerzeugung. Der eingebaute Sequenzer der TB-303 hat maßgeblichen Anteil an den markanten, stets angenehm groovigen und lebendigen Basslines. Und das Spannende an dem Sequenzer ist, dass man selten so richtig weiß, wie es im Endeffekt klingen wird. Eine direkt per Tastendruck erreichbare Random-Funktion sorgt bei der TD-3 für zufällige Pattern, beim Original ging dies nur umständlich durch Entfernen der Batterien. Pattern lassen sich speichern, transponieren und zu Tracks kombinieren.

Slides und Accents

Vor allem die Mischung aus Slides und Accents sorgt für den unvergleichlichen Groove, der für den (wenn auch zeitlich verzögerten) Erfolg der TB-303 verantwortlich ist. Beim Vergleich zwischen einer TB-303 und der Behringer TD-3 fiel uns allerdings auf, dass die Slides bei der TB-303 doch etwas anders klangen als beim Original. Behringer hat aber relativ schnell ein Update nachgeliefert, mit dem die Slide-Time angepasst wurde. Tatsächlich klingen die Sequenzen nach dem Update deutlich mehr nach Original-TB-303. Nach einem weiteren Update klappte auch die Ansteuerung des Slide-Effekts über MIDI, wenn Sie überlappende Noten spielen.

Eingebauter Verzerrer

Ein analoger Verzerrer ist neben einem Delay (das wir uns auch noch gewünscht hätten) der wohl am häufigsten in Verbindung mit einer TB-303 benutzte Effekt und lässt das Filter bei hoher Resonanz richtig schön kreischen. Die TD-3 hat ein passendes Exemplar bereits eingebaut. Hierbei hat sich Behringer am beliebten Fußpedal DS-1 Distortion von Boss orientiert. Regelbar sind die Stärke der Verzerrung sowie die Lautstärke des Effekts. Den Tone-Regler kennt man auch aus dem Behringer Neutron, es handelt sich um einen 1-Knob-Equalizer. Bei Drehung nach links wird der Klang dumpfer und satter, bei Rechtsdrehung wird der Bass zu Gunsten der Höhen zurückgenommen und die TD-3 setzt sich besser in vollen Mixen durch.

Authentischer Klang

Ein direkter Vergleich ist immer schwierig, da bei der Original TB-303 nicht unbedingt die hochwertigsten Bauteile verwendet wurden. Ebenso wie zum Beispiel beim Korg MS-20 klingt deshalb kaum ein Gerät genau so wie das andere, selbst wenn es aus derselben Fertigungsserie stammt. Im Test zeigte sich relativ schnell, dass die TD-3 durchaus in der Lage ist, das legendäre Original klanglich überzeugend nachzubilden. Der Oszillator klingt druckvoll, die Filterresonanz zirpt und zwitschert herrlich und kann auch richtig pfeifen und kreischen. Und auch das typische „Wow“ der Accent-Funktion gelingt mit der TD-3 problemlos. Auf nachgeschaltete Effekte wie einen analogen Verzerrer reagiert die TD-3 wie das Original – hier trennt sich bei den Nachbauten und Plug-ins oftmals die Spreu vom Weizen. Der originalgetreue Sequenzer tut sein Übriges, um die klassischen 303-Sequenzen überzeugend nachzuspielen.

Der Filtereingang erweitert die Möglichkeiten gegenüber dem Original sogar noch, da sich ohne großen Aufwand ein zweiter Oszillator hinzufügen lässt.

The Clone Wars

Es gibt bereits einige Nachbauten der TB-303. Diese sind sowohl von der Ausstattung als auch dem Klang mal mehr, mal weniger dicht am Original dran. Wenn wir es auf die klangliche Ähnlichkeit zum Original beschränken, sehen wir die TD-3 rein subjektiv auf Platz 2 der Klone. Die RE-303 von Din Sync ist in unseren Ohren noch dichter am Sound einer echten TB-303 dran. Allerdings kosten die Bauteile dafür auch mindestens 600 € und müssen zudem selbst zusammengebaut werden, fertige RE303 kosten locker das sechs- bis siebenfache der TD-3.

Roland selbst hat auch einen Nachbau im Programm, der allerdings eine virtuell-analoge Klangerzeugung besitzt. Vorteil hierbei ist unter anderem die verlustfreie digitale Übertragung der Audiosignale, Batteriebetrieb und die Automation der Parameter per MIDI-Controller. Der Klang ist transparent und durchsetzungsfähig, dafür fehlt ihm ein wenig die analoge Lebendigkeit. Wer weniger Wert auf höchstmögliche Authentizität legt und nur das grundsätzliche Konzept gut findet, der sollte sich auch die Xoxbox mit ihrem etwas satteren, knurrigen Klang oder Abstrakt Instruments Avalon mit deutlich erweiterten Möglichkeiten anschauen. Preislich kommen allerdings tatsächlich nur die TB-03 und Cyclone Analogic TT-303 halbwegs an die TD-3 heran, anderen Nachbauten kosten mindestens das Vierfache.

Bewertung
Name
Behringer Behringer TD-3
Pro
  • authentischer 303-Klang
  • Original-Sequenzer
  • per Synthtool editierbar
  • zusätzliche Anschlüsse
  • Distortion/EQ integriert
  • sehr günstiger Preis
Contra
  • Plastikgehäuse
  • kein Batteriebetrieb
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