Test

Test: GForce OB-E - Acht Oberheim SEM Synths unter einer Haube

Ein achtstimmiger Oberheim, der weitaus mehr liefert als den bekannten Jump-Sound? Mit dem OB-E belebt GForce Software den Vintage-Sektor. Das unikate Konzept und die individuellen analogen Klängen definieren eine Klasse für sich.

GForce Software hatte schon immer eine glückliche Hand bei der Emulation von Vintage-Instrumenten. Mit dem ImpOscar nach Vorbild des monofonen Analog-Synthesizers „The Oscar“ sowie der exquisiten Mellotron-Rekonstruktion alias M-Tron Pro hat sich die Software-Schmiede aus London einen Namen gemacht. Mit dem OB-E erfüllt GForce Software einen besonderen Wunsch, der bei der eigenen Klientel groß wurde. Der OB-E ist ein achtstimmiger virtuell-analoger Synthesizer, der auf einem simplen, aber zugleich speziellen Konzept basiert: Man nehme ein einzelnes Synthesizer Expander Modul (SEM) von Tom Oberheim und verachtfache es zu einem Instrument, das heute praktisch nur als Plug-in eine reale Chance auf regen Konsum hat.

Konzept

Das Vorbild, der Oberheim Eight Voice, ist zwischen 1977 und 1980 gebaut worden. Dieser Synthesizer wurde nur von einigen Ausnahmen wie Herbie Hancock, Chick Corea, Styx oder Rush gespielt und stand im Schatten damaliger Flaggschiffe wie Oberheim OB-8 oder Roland Jupiter-8, die später auf den Markt kamen.

Die acht SEMs des OB-E lassen sich als Lower und Upper gruppieren und auf zwei Tastaturhälften verteilen. Jedes Modul ist mit zwei Oszillatoren, zwei Hüllkurven und Multimode-Filter ausgestattet. Wie beim Minimoog kann der dritte Oszillator als LFO genutzt werden. Somit stehen zwei LFOs bereit. Was aber ist wirklich besonders? Nun, der OB-E ist einer der wenigen Software-Instrumente, bei dem sich jede einzelne der acht Stimmen kontrollieren lassen. Bei den Effekten zeigt sich das Instrument leider etwas spartanisch. Nur ein programmierbares Stereo-Delay ist im Angebot. Daher wird man den Sound öfter mit externen FX-Plug-ins aufpolieren müssen. Beim Original ebenfalls nicht vorhanden ist der beim OB-E integrierte 8-Step-Sequencer – ein nützlicher Bonus.

 

Sound und Praxis

Der OB-E verfügt über eine gute Library mit über 600 Presets samt einfacher Browser-Funktion. Man trifft neben Bass, Pad und Co. ebenso auf etwas unüblichere Klangsparten wie „Sequence Chord“, „Sequence SEM 8“ oder „Split Poly“. Eine Auswahl mit den 30 besten Sounds macht den Anfang. Diese Presets demonstrieren, was dieser Synthesizer besonders gut kann mit seinem warmen, ausgewogenen Basissound und den erlesenen Filtern. Dazu zählen zunächst raffinierte Schichtakkorde, die nur mit einer Note getriggert werden. Warme und milchig schimmernde Flächen liegen ihm ebenfalls sehr gut, und natürlich lassen sich die acht Module unisono für wuchtige Solo- oder Bassklänge schalten. Brutale, druckvolle oder richtig aggressive Sounds sind mit dem OB-E kaum möglich. Hier wird man mit Kompressor, EQ und anderen Plug-ins nachhelfen müssen. Soundästhetisch zielen die Presets eindeutig in die Vergangenheit. Dabei sind natürlich auch die Stile Berliner Schule oder Fusion vertreten. Für Techno und aktuellere elektronische Musik müsste man selbst passende Klänge erstellen oder lieber andere Synthesizer nehmen.

Wie schaut es mit dem Sounddesign? Der sporadische Klangtüftler wird zunächst etwas überfordert sein, denn wer hat schon acht einzelne Synthesizer auf einmal im Griff? Das wissen natürlich auch die Entwickler und haben dem OB-E daher einen „Group Mode“ spendiert, bei dem sich alle SEMs gleichzeitig bearbeiten lassen. Auf der anderen Seite ist jedes Modul in einer vergrößerten Darstellung ausführlich programmierbar. Sinnvollerweise beginnt man mit einem SEM und entwickelt sich weiter – eine alternative Arbeitsweise.

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Bewertung
Name
GForce Software OB-E
Pro
  • Konzept mit 8 individuelle Stimmen
  • überzeugende Emulation des Oberheim Eight Voice
  • authentischer Vintage-Sound
  • gute Soundbibliothek
  • interner Step-Sequencer
  • stimmiges Preis/Leistungsverhältnis
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