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Test: MacBook Pro 16 (2019) – zwei Wochen mit dem MacBook Pro 16, alle Tasten gehen noch

Es gibt viel zum neuen MacBook Pro mit 16-Zoll-Display zu erzählen. Aber wir wissen natürlich, was alle hören wollen. Zumindest nach zwei Wochen können wir sagen: alle Tasten funktionieren noch. Wobei sich hier ein abschließendes Urteil nach so kurzer Zeit natürlich verbietet. Unterm Strich ist Apples jüngstes MacBook eine echte Profi-Maschine, die ihresgleichen sucht.

Wenn man sich das neue MacBook Pro anschaut, dann fällt als erstes das namengebende Display auf. Statt zuvor 15,4 Zoll misst es nun 16 Zoll in der Diagonalen und bietet eine native Auflösung von 3072×1920 Pixel. Daraus ergibt sich eine Pixeldichte von 226 PPI (Pixel per inch, Pixel pro Zoll). Im Vergleich dazu das nun nicht mehr zu kaufende und zuletzt im Frühjahr aktualisierte MacBook Pro 15,4“: 2880×1800 Pixel bei 220 PPI. Apples Displays gehören seit Jahren zu den besten, die man kaufen kann, und daran ändert sich auch Ende 2019 nichts. Helligkeit und Farbraum sind zum Vorgängermodell unverändert und immer noch top. Verkniffen hat es Apple sich, die Display-Ecken wie bei aktuellen iPhone- oder iPad-Pro-Modellen abzurunden. Vielleicht sehen wir das ja im nächsten Jahr.

Die Tastatur des neuen MacBook Pro 16-Zoll (2019)

Haben Sie sich in den vergangenen drei Jahren aktuelle MacBook-Modelle angeschaut oder gar eins gekauft? Dann wird Ihnen bei der Inspektion des neuen MacBook Pro 16“ als nächstes die Tastatur auffallen. Denn hier hat Apple sich entschlossen, fast vollständig zurückzurudern: es gibt wieder Tasten, die mit einem Scherenmechanismus funktionieren, es gibt wieder eine echte Escape-Taste und sogar bei der Anordnung der Pfeiltasten ist man zum klassischen „umgekehrten T“ zurückgekehrt.

Aber eins nach dem anderen: Mit dem 12-Zoll-MacBook (dem ohne Namenszusatz) hatte Apple eine neue ultraflache Tastatur eingeführt, deren Tasten sich mittels einer neuen Mechanik bewegen ließen. Diese hatte zwei Flügel und wurde auf den Namen Butterfly, also Schmetterling getauft. Ein Schritt, der Apples-Fans unmittelbar in zwei Lager spaltete. Denn die Tasten waren nicht nur flach, sondern hatten auch einen extrem kurzen Tastenhub von 0,5 Millimeter. Die einen fanden Tippgefühl darauf katastrophal, die anderen großartig.Ich selbst gehörte nach etwa zwei Tagen Umgewöhnungszeit ins Fan-Lager der Butterfly-Tastatur. Bis heute mag ich den kurzen Tastenhub und ich mag das Plus an Stabilität, das der neue Mechanismus diesen Tasten verleiht. So sehr, dass ich dafür auch das etwas lautere Tippgeräusch akzeptiere. Die neue Tastatur im MacBook Pro 16“ ist wieder merklich leiser geworden, wie unter anderem Joana Stern vom Wallstreet Journal in einem Video belegt:

Das Problem der Schmetterlings-Tasten war allerdings weder der kurze Tastenhub, noch das laute(re) Tippgeräusch: Die Tastatur war nicht zuverlässig. Schon bald nach der Einführung machten vermehrte Meldungen von nicht mehr funktionierenden Tasten die Runde. Tasten, die entweder gleich mehrere Anschläge auslösten oder den Dienst komplett versagten. Einzelfälle. Immerhin verkauft Apple Millionen von diesen Laptops, da ist es vollkommen klar, dass ab und an mal was kaputt geht. Leider für Apple und alle Kunden blieb es nicht bei Einzelfällen und auch in der Redaktion der Mac Life waren gleich mehrere Geräte betroffen – eins sogar gleich doppelt.

Damit soll nun Schluss sein. Apple hat sich bei der neuen Tastatur für das MacBook Pro von der eigenen iMac-Tastatur, dem Magic Keyboard inspirieren lassen. Das ist nicht nur technisch eine weise Entscheidung, sondern auch aus Marketingsicht ein cleverer Schachzug. „Jetzt mit Magic Keyboard, der Tastatur, die ihr alle seid Jahren liebt und die super zuverlässig ist“, ist die bessere Botschaft als „Diesmal haben wir die Probleme wirklich in den Griff bekommen, bitte glaubt uns.“

In der Praxis heißt das zum Beispiel, dass die neuen Tasten einen doppelt so langen Tastenhub (1 Millimeter statt zuvor 0,5) haben. Was nach einer lächerlich geringen Differenz klingt, ist für das Tippgefühl ein gewaltiger Unterschied. Als jemand, der in den letzten drei Jahren viel Zeit mit der Butterfly-Tastatur verbracht hat, fühlte sich das erste Tippen fast wie auf einer Schreibmaschine an. Zugegeben: nur für die ersten vier, fünf Minuten. Danach stellte sich ein, was mir eine Apple-Produkt-Managerin bereits in einem Hintergrundgespräch zum neuen MacBook Pro prophezeit hatte: es fühlt sich richtig an. Apple habe viel Zeit investiert, um herauszufinden, was der perfekte Druckpunkt, der perfekte Tastenanschlag sei. Und nach zwei Wochen der Nutzung eben jener Tastatur kann ich bestätigen, dass man das durchaus merkt.

Bei der Gelegenheit hat Apple auch gleich die Größe der einzelnen Tasten, sowie den Abstand zwischen den Tasten angepasst. Wirklich sichtbar ist das nur im direkten Vergleich, beim Tippen aber merkt man beides schnell deutlich.

So sehr Apple die neue Tastatur auch lobt, so sehr ist man auch noch nicht bereit, die Butterfly-Tastatur zu schelten. Wie könnte man auch? Schließlich verkauft Apple noch nagelneue MacBook-Modell mit eben diesen Schmetterlingstasten. Inzwischen in der dritten Generation, die offenbar deutlich weniger fehleranfällig, jedoch längst nicht in der Lage ist, verspieltes Vertrauen zurückzugewinnen.

Nach zwei Wochen kann natürlich niemand behaupten, dass Apple mit der neuen Tastatur alle Zuverlässigkeitsprobleme gelöst hat. Sehr wohl aber können wir bestätigen, dass Apple zugehört hat und viele Schritte unternommen hat, um hier zurück zu alter Stärke zu finden.
Gleichwohl gibt es bereits erste Nutzer mit klemmenden Tasten in ihrem MacBook Pro 16“ – hoffen wir mal, dass es diesmal wirklich Einzelfälle sind.

Apple jedenfalls scheint genau davon überzeugt zu sein. Schließlich gilt Apples Keyboard-Austauschprogramm, das für die MacBook-Modelle der vergangenen Generationen vier Jahre ab Kaufdatum gilt, nicht für dieses neue Modell.

MacBook Pro 16-Zoll: Touch Bar und Touch ID

Mit der neuen Tastatur hat Apple auch gleich die Touch Bar verändert. Sie besteht nun aus drei Elementen und nicht länger aus einem einzigen Streifen. Die eigentliche Touch Bar ist ein wenige geschrumpft, funktioniert aber wie gewohnt und ist auch immer noch nicht ganz bugfrei. Sowohl bei meinem MacBook Pro von 2017, das ich im täglichen Einsatz habe, wie auch bei diesem brandneuen MacBook Pro 16“ friert die Touch Bar gelegentlich ein. Beheben lässt sich das fast immer durch das kurzzeitige Wechseln der aktiven App.

Rechts von der Touch Bar sitzt jetzt eine Ein-/Ausschalttaste, die zugleich auch den Touch-ID-Sensor beherbergt. Links neben der Touch Bar sitzt nun eine echte Escape-Taste, die vor allem Programmier schmerzlich vermisst hatten. Insgesamt sieht die Touch-Bar-Zeile nun weit weniger symmetrisch, dafür aber funktionaler aus. Wobei man über den Sinn und Unsinn der eigentlichen Touch Bar weiterhin vortrefflich streiten kann. Ich kenne einige Menschen, die sie für eine der besten Neuerungen seit Jahren im Bereich der Mobil-Macs halten. Ich gehörte die vergangenen Jahre über ins andere Lager, in dem sich die Menschen versammeln, die die Touch Bar den „Erweiterten Control Strip“, also die bekannten Funktionstasten etwa für die Änderung der Helligkeit oder der Lautstärke, anzeigen lassen. Allerdings muss ich anmerken: Ich habe einen redaktionsinternen Systemwechsel zum Anlass genommen, mein MacBook Pro komplett neu aufzusetzen und mich dazu entschieden, die Touch Bar zumindest eine Zeit lang so zu benutzen, wie Apple es gerne hätte. Ein Experiment, über das bestimmt noch ausführlich in unserem Podcast „Schleifenquadrat“ berichtet werden wird.

Ausstattung und Performance des MBP 16 (2019)

Das neue 16-Zoll-MacBook-Pro ist gleichzeitig auch das neue „große“ MacBook Pro und ersetzt das 15,4-Zoll-Gerät in Apples Line-up. Mit einem Preis von 2.700 Euro für das Basismodell ist liegt es mit dem Vorgänger gleichauf. Für diesen Einstiegspreis bekommt man einen i7-Prozessor der neunten Generation, der mit 6 Kernen ausgestattet ist, die wiederum mit 2,6 GHz getaktet sind. Außerdem gibt es 16 GB Arbeitsspeicher, eine 512 GB fassende SSD, sowie eine „Radeon Pro 5300M“-Grafikkarte von AMD mit 4 GB Videospeicher.

Als zweites Standardmodell bietet Apple daneben ein MacBook Pro mit i9-Prozessor und 8 Kernen mit einer Taktfrequenz von 2,3 GHz an. Für dann 3.200 Euro verdoppelt Apple die SSD-Kapazität auf 1 TB. Während der Arbeitsspeicher gleich bleibt, erhält die Grafikabteilung ein Upgrade auf die „Radeon Pro 5500M“. Mit einigen Zusatzoptionen – namentlich: 64 GB Arbeitsspeicher, 8 TB SSD-Speicherplatz und einem 8-Kern-Prozessor mit 2,4 GHz Taktfrequenz – kommt man auf einen maximal fälligen Betrag von 7.140 Euro. Wobei den Löwenanteil des Aufpreises das SSD-Upgrade frisst. Der Sprung von 1 TB auf 8 TB kostet 2.2640 Euro.

Wer genau hinschaut, sieht, dass Apple die gleichen Prozessoren verbaut, die auch seit Mai 2019 bereits im 15,4-Zoll-Gerät verfügbar waren. Es sind nach wie vor die besten Prozessoren, die Intel für mobile Rechner im Angebot hat. Trotzdem ist es ein merkwürdiges Gefühl, dass ein eindeutig großes Update eines Apple-Computers nicht auch mit einem Sprung in der Prozessortechnologie einhergeht. Aber solche Merkwürdigkeiten werden uns wohl noch länger begleiten, bis Apple sich entscheidet, Intel den Rücken zu kehren und auch in Mac auf eigene Prozessoren zu setzen.

Trotz der „alten“ Prozessoren gibt es deutliche Leistungssteigerungen zu vermelden. Dieses sind vor allem auf die Ingenieure von Apple zurückzuführen. So wurde für das neue MacBook Pro ein komplett neues Thermal-System konstruiert, dass es dem Prozessor erlaubt, länger unter Volllast zu laufen und auch den Grafik-Chip schneller operieren lässt.

Was Apple darüber hinaus definitiv noch gerne hätte anpassen dürfen: die FaceTime-Kamera. Diese ist seit Jahren gleich geblieben, bietet seit Jahren eine 720p-Auflösung und funktioniert seit Jahren bei auch nur leicht suboptimalen Lichtverhältnissen eher leidlich. Klar, im „Deckel“ des MacBook Pro ist weniger Platz als in einem iPhone, um dort ein grandioses Kamerasystem unterzubringen. Aber dennoch: die aktuell verbaute FaceTime-Kamera wird weder Apples eigenen Ansprüchen noch denen derjenigen, die mehrere tausend Euro für diese Maschine bezahlen sollen, gerecht.

Lautsprecher und Mikrofon

Schon sehr lange habe ich nicht mehr vor einem Laptop gesessen und mir gedacht: ganz cooles Gerät eigentlich – aber die Lautsprecher müssten besser sein.

Die Lautsprecher in Apples jüngsten MacBooks waren durchaus gut und wie viele andere auch habe ich mich über die Jahre damit abgefunden, dass so richtig guter Klang aus Laptops genauso wenig möglich sein wird, wie aus diesen ultraflachen Fernsehern. Lautsprecher müssen nicht nur günstig sein, man gibt ihnen auch keinen Raum zum Schwingen und Klingen.

Apple überrascht hier mit dem MacBook Pro 16“ deutlich. Schon seit Jahren waren Vergleiche von Apple-Lautsprechern zu denen in Windows-PCs in der Regel von katastrophalen Ergebnissen für die PC-Fraktion geprägt. Für dieses neue MacBook hat man sich in Apples Laptop-Team einmal näher angeschaut, was das HomePod- und das AirPods-Team eigentlich so den lieben langen Tag über macht und davon gelernt, beziehungsweise sie (vermutlich) gleich mit ins Boot geholt. Das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen! Ich kenne viele Menschen, die deutlich schlechter klingende Musikanlagen ihr Eigenen nennen.

Persönlich gebe ich viel auf guten Klang und hätte keine Schwierigkeiten damit, das MacBook Pro 16“ als Musikanlage in kleineren Räumen zu verwenden. Ja, es mangelt an Bassleistung. Aber für zwischendurch sind diese Lautsprecher mehr als ausreichend. 

Beachtlich ist, dass das MacBook Pro 16“ dieses Klangvolumen leistet, ohne dass das ganze Geräte sich vor lauter Vibration langsam vom Tisch ruckelt. Apple verbaut „force-canceling woofers“: die Treiber der Lautsprecher sind Rücken an Rücken platziert, also nach oben und unten ausgerichtet, so dass sich die entstehenden Druckwellen ausgleichen und das Gerät nicht übermäßig in Schwingung gerät. Keine komplett neue Technologie, aber dennoch ein ziemlich genialer Schritt.

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Apple hat nicht nur an den Lautsprechern, sondern auch am Mikrofon gearbeitet und spricht nun von „Studio-Qualität“. Soweit würden wir nicht gehen. Ein Experiment dazu befindet sich in der oben eingebundenen aktuellen Episode unseres Podcasts „Schleifenquadrat“ ab Minute 44. Diesen würden nicht ausschließlich mit dem MacBook-Pro-Mikrofonsatz aufzeichnen wollen. Die Qualität von Telefon- und Videokonferenzen sowie Sprachnachrichten verbessert Apples aus drei Mikrofonen bestehende Set-up allerdings deutlich.

T2 Sicherheit

Auch in dieser Generation des MacBook Pro steckt der „Security Chip“ T2, den Apple erstmals bei der Präsentation des iMac Pro vorstellte. Der Chip vereint gleich mehrere Controller, nämlich die für das Audio-System, die Ansprache des SSD-Speichers und den generellen SMC (System Management Controller) in sich. Außerdem verschlüsselt er die Daten im SSD-Speicher mittels einer eigenen AES-Crypto-Engine. Ebenfalls zum Funktionsumfang gehört der „Secure Boot“, der sichere Systemstart. Apple hat viele Komponenten, die für den Systemstart verwendet werden, kryptografisch signiert – so etwa den Kernel selbst, die Firmware, aber auch den Boot Loader. Der T2-Chip überprüft und verifiziert die Systemintegrität. So will Apple sicherstellen, dass Ihr Mac nicht softwareseitig manipuliert werden kann.

Akkulaufzeit

Apple hat dem neuen MacBook Pro 16“ einen größeren Akku spendiert, der jetzt 100 Wattstunden bereithält, also ein Plus von 16 Wattstunden. Das ist das Maximus, das viele Flugsicherheitsbehörden für die Mitnahme von Geräten im Handgepäck erlauben.

Produkthinweis

Neues Apple MacBook Pro (16", 16GB RAM, 512GB Speicherplatz, 2,6GHz Intel Core i7) - Space Grau

Apple verspricht eine Akku-Laufzeit von bis zu 11 Stunden. Einen Wert, den wir gemessen an dem Einsatz von „Profi-Software“ schon mit der moderaten Belastung durch den Arbeitsalltag eines Journalisten und Redakteurs nur mit Mühe erreichen konnten. Aber „echten Pros“ aus den Bereichen Videoschnitt, Bildbearbeitung, Programmentwicklung oder Musikproduktion wird eh klar sein, dass man sein Arbeitsgerät am besten an einer Steckdose angeschlossen betreibt und dass der komplett mobile Einsatz nur der Überbrückung des Weges von einer zur nächsten Stromversorgung dienen kann.

Fazit: So gut ist das neue 16-Zoll MacBook Pro

Das neue MacBook Pro 16 Zoll bietet eigentlich wenig Neues und ist dennoch ein Meilenstein. Es ist lange her, dass man Apple hat so sehr zurückrudern sehen, wie bei der nun vorgenommenen Umstellung der Tastatur. Dass das MacBook Pro bei seinem Wachstum um 0,6 Zoll in der Displaydiagonalen 150 Gramm schwerer geworden ist, fällt genauso wenig auf, wie die um etwa 2 Prozent angewachsene Stellfläche. Davon ausgehend, dass Apple mit der neuen Tastatur die Probleme der letzten Jahre endgültig ad acta legen kann, ist dies endlich wieder ein Mobil-Mac, den man uneingeschränkt empfehlen kann.

Bewertung
Name
Apple MacBook Pro 16"
Website
Pro
  • Neue Tastatur
  • Größeres Display
  • Tolles Sound-System
Contra
  • Immer noch eine schwache FaceTime-Kamera
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