Test

Test: Welche CarPlay-Navi-App bringt dich sicher ans Ziel?

Apples eigene Karten-App hat nach wie vor so ihre Macken und Unzulänglichkeiten. Gibt es eine CarPlay-taugliche Navi-Lösung, die wirklich gut ist?

Man kann sich manchmal wirklich nur die Haare raufen! Apps zur Routenplanung und Navigation durch den Straßenverkehr gehörten mit zu den ersten wirklich sinnvollen App-Kategorien auf dem iPhone. Und das zu einer Zeit (2008), als der Einsatz eines iPhone als Navigationssystem noch sehr bedingt sinnvoll war. Wir erinnern uns noch gut daran, dass der Akku des iPhone 3G und auch des iPhone 3GS bei aktiver Routenführung und durchgehend eingeschaltetem Display trotz Stromversorgung über den Zigarettenanzünder gerade bei weiteren Fahrten schlapp machte. Es konnte schlicht nicht so viel nachgeladen werden, wie GPS und Displaybeleuchtung in gleicher Zeit „verbrauchten“. Und an wärmeren Tagen hat sich das iPhone schnell so sehr aufgeheizt, dass es sich aus Sicherheitsgründen während der Fahrt abschaltete. Auch deshalb haben wir uns schon früh für die Montage des iPhone vor den Lüftungsauslässen im Auto entschieden.

Diese Zeiten sind zum Glück schon lange vorbei und das iPhone eignet sich inzwischen so gut als Navigationssystem, dass der Markt für Nachrüst-Geräte, die man an die Windschutzscheibe klebt, de facto kaputt ist. Und auch Autohersteller dürften es mittlerweile schwer haben, noch irgendjemandem ein teures Upgrade für ein ab Werk installiertes Navi-System, für das man dann trotzdem noch quartalsweise Karten-Updates kaufen muss, anzudrehen.

Der Status quo

Immer mal wieder sind Navi-Apps Thema in der Redaktion von Mac Life und irgendwie scheint es so, als hätte sich jeder mit „seiner“ Lösung eher abgefunden als sich mit großer Begeisterung dafür entschieden. Wobei Ausnahmen, wie so oft, die Regel bestätigen.

Grund genug, dass wir uns einmal mehr die wichtigsten Routenführungs-Apps anschauen und vergleichen, was sie gut machen, wo es Nachholbedarf gibt und woran sie schlicht kolossal scheitern. Wir konzentrieren uns dabei auf solche Anwendungen, die kompatibel zu Apple CarPlay sind. CarPlay ist Apples Weg, Bildschirminhalte mit reduzierter Komplexität auf dem im Auto integrierten Display anzuzeigen. So sind etwa Buttons deutlich Größer und viele vom Straßenverkehr ablenkende Funktionen schlicht nicht verfügbar. 

Apple Karten

Die standardmäßig auf jedem iPhone vorhandene Navi-App ist Apples „Karten“. „Karten“ hat einen holprigen Weg hinter sich und an die Anfänge möchten wir uns am liebsten nicht mehr zurückerinnern. Seither hat Apple gegenüber Google, dem Konkurrenten schlecht hin, bemerkenswert aufgeholt. Die Navigation zu eingegebenen Reisezielen klappt hervorragend und das auch über Ländergrenzen hinweg. Außerdem hat Apple in der jüngeren Vergangenheit gleich mehrere sinnvolle Komfortfunktionen ergänzt. So können Reisen inzwischen auch mit der Bahn und in vielen Städten auch mit dem lokalen ÖPNV geplant werden. Außerdem verfügt Apples „Karten“ mittlerweile über die Möglichkeit, die voraussichtliche Ankunftszeit mit anderen zu teilen und zwar dergestalt, dass die Wartenden bei größeren Veränderungen der prognostizierten Ankunftszeit automatisch darüber informiert werden. Etwas, wofür man lange Zeit eine gesonderte App wie etwa Glympse benötigte. Lobend ist noch zu erwähnen, dass „Karten“ über einen Fahrspurassistenten verfügt, einem also nicht nur sagt, dass man nun doch bitte rechts abbiegen möge, sondern auch bei der Entscheidung hilft, auf welcher der drei Abbiegespuren man sich bestenfalls einsortieren sollte.

Dieser Artikel wäre allerdings nicht entstanden, wäre Apples „Karten“ die ohne jede Frage beste Lösung. Dabei mangelt es „Karten“ nicht nur an Details! Die Suche nach „POIs“, so genannten „Points Of Interest“, also „interessanten Orten“, wie etwa Cafés, Tankstellen oder Ladengeschäften ist oftmals nach wie vor eine Frechheit. Nicht nur aber vor allem im Vergleich mit dem, was Google Maps hier bietet. Immer wieder finden wir uns fassungslos vor einem Gerät, dass uns bei einer Suche nach einem bestimmten Café nicht etwa dasjenige als Routenziel empfiehlt, das sich in derselben Stadt wie wir befindet, sondern sich denkt „Ach, die wollen doch jetzt bestimmt gerne 600 Kilometer quer durch die Republik fahren.“ Und das, obwohl „Karten“ das hiesige Café kennt. Tippt man nämlich die Adresse ein, wird es sogar mit einem entsprechenden Symbol auf der Karte gekennzeichnet.

Ähnliche Katastrophen offenbaren sich bei der Navigation zu Personen. Eine Person in unserem Adressbuch hat einen ziemlich einzigartigen Namen. Das lässt sich etwa daran erkennen, dass man bei einer Google-Suche nur auf eine weitere Person gleichen und zwei Personen ähnlichen Namens stößt. Tippen wir ihren Namen in das Suchfeld von „Karten“, schlägt uns die App mit schöner regelmäßig ähnlich geschriebene Straßen, Orte oder Ladengeschäfte vor. Ähnlich verhält es sich aber auch mit ganz gewöhnlichen Namen. Birgit etwa. In dem Adressbuch existieren nicht viele Birgits im Adressbuch und nur eine, zu der „Karten“  jemals hätte navigieren sollen. Hier schlägt „Karten“, zumindest wenn wir anfangen, den Namen zu tippen, die richtige Person vor. Tippen wir aber aus Versehen zu viele Buchstaben des Namens ein, entscheidet „Karten“, dass wir heute doch bestimmt zu einer Birgit wollen, die wir noch nie besucht haben. Und falls das schon nicht der Fall sein sollte, dann wollen wir doch bestimmt entweder zu einer Frauenärztin in Hamburg, die auch Birgit heißt, zu einer Bar in Berlin, die „Birgit & Bier“ heißt oder zu einer Biokosmetikerin vor Ort – aber doch ganz bestimmt nicht zu der Birgit, zu der wir uns die vergangenen geschätzten 50 Mal haben navigieren lassen, wenn wir erst einmal angefangen hatten, ihren Namen einzugeben.

Nun kann es natürlich sein, dass ausschließlich unsere Version von Apples „Karten“ ein wenig durch den Wind ist und deshalb merkwürdige Vorschläge macht (was wir nicht glauben). Es gibt aber darüber hinaus auch noch ganz grundsätzliche Dinge, die wir bei Apples Lösung vermissen.

So zeigt „Karten“ weder an, wie schnell man aktuell unterwegs ist, noch wie schnell man gerade fahren dürfte. Auf den virtuellen Tacho könnten wir natürlich auch getrost verzichten, ein Hinweis auf das aktuelle Tempolimit indes ist eine schöne Sache, die viele andere Navi-Apps seit teilweise deutlich über zehn Jahren anbieten. Ebenfalls schade ist, dass „Karten“ nach wie vor keine Fahrradnavigation anbietet. Ja, hier hat Apple für iOS 14 Änderungen versprochen. Allerdings vorerst nur für wenige Städte. So wenige, dass man sie wird an zwei Händen abzählen können.

Nicht unerwähnt lassen wollen wir eine Sache, die kein echtes Manko ist. Apples Navi-App warnt nicht vor Blitzern. Blitzerwarner sind in Deutschland nicht erlaubt und so können wir hier keine Minuspunkte vergeben. Auch, wenn andere Apps diese Funktion hinter Formulierung wie „Warnung vor Gefahrenstellen“ verstecken oder sie so gar ganz offen integriert haben und es dem Nutzer überlassen, sie zu aktivieren. Gleichwohl taucht dieses Feature in Apples Funktionsübersicht zur Karten-App auf. Zumindest in Deutschland ist es allerdings nicht verfügbar.

Google Maps

Vermutlich auf keinem Feld, auf dem Apple und Google konkurrieren, ist der Suchmaschinen- und Werbegigant Apple soweit voraus wie bei der Karten- und Navigationsanwendung „Maps“. Praktisch alles, was Apple zu bieten hat, macht Google besser, sieht man einmal von der visuellen Darstellung ab, die ja letztlich aber auch Geschmacksache ist.

Besonders bei der Suche nach „interessanten Orten“ sticht Google Apple ein ums andere Mal aus. Aber wie oben beschrieben: dafür braucht es oft nicht viel. Es hilft schon, dass Google Maps zwar weiß, dass es hunderte, wenn nicht gar tausende griechische Restaurants mit Namen „Hellas“ gibt, sich dann aber dafür entscheidet, uns dasjenige zu präsentieren, was sich am nächsten zu unser aktuellen Postion befindet. Denn schließlich ist es gerade 18:00 Uhr und wahrscheinlich hat die Suchanfrage einen unmittelbareren Grund, als dass wir wissen wollen könnten, wo denn eigentlich das „Hellas“ in Würzburg sich befinden mag.

Punkten kann Google Maps darüber hinaus mit der Integration von ÖPNV (und zwar in deutlich mehr Städten und deutlich umfangreicher als es bei Apple der Fall ist) und dem Angebot einer Fahrradnavigation. Hier haben wir allerdings schon häufiger die Erfahrung gemacht, dass Google Maps nicht die ideale Route vorschlägt. Oft gibt es auf dem Rad zu bevorzugende Strecken, obwohl diese länger sind, weil sie dennoch die schnelleren Wege sind. Etwa aufgrund der Beschaffenheit des Untergrunds. Aber immerhin schlägt Google Maps nicht bloß blind die gleiche Route wie für Autofahrer vor und passt nicht nur die voraussichtliche Ankunftszeit an.

Ein netter Bonus ist, dass Google Maps nicht nur auf Staus hinweist (was bei Apples „Karten“ unserer Erfahrung nach vergleichbar gut funktioniert), sondern auch eine Übersicht der aktuellen Verkehrslage anbietet. Und zwar nicht bloß farbig auf einer Karte, sondern mit einem Hinweis darauf, wie sich die Ankunftszeit voraussichtlich verschieben würde, wenn man einfach etwas später startete. So kann man etwa berufsverkehrbedingte Verzögerungen einfach aussitzen, statt im Stau zu stehen, später losfahren und trotzdem (in etwa) zur gleichen Zeit, jedoch mit weniger Stress, sein Ziel erreichen.

Als Nutzer von Google Maps muss man allerdings ebenso wie bei Apples „Karten“ auf die Warnung vor Blitzern, wie auch auf die Anzeige des aktuellen Tempolimits verzichten. Dafür kommt man allerdings in den Genuss eines zuverlässigen Spurassistenten.

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Waze

Lange als Geheimtipp galt Waze, das bereits 2008 in den Navi-App-Markt einstieg und schnell für Aufsehen sorgte. Bis heute ist Waze eher verspielt, was sich nicht nur an der Auswahl der zur Verfügung stehenden Fahrzeuge auf der Karte zeigt, sondern auch in diversen Gamification-Elementen ausdrückt. Angenehm ist, dass Waze es dem Benutzer denkbar einfach macht, Gefahren- oder Baustellen (und natürlich auch Blitzer) zu melden, wovon die Nutzergemeinde offenbar regen Gebrauch macht. Zumindest in unserem Test hat sich immer wieder gezeigt, dass Waze die aktuelle Situation auf den Straßen am besten kennt. Ein Umstand, der einigermaßen verwunderlich ist, hat doch Google Waze bereits im Jahr 2013 gekauft. Man sollte also annehmen können, dass in Waze gemeldete (und bestätige) Gefahrenstellen auch schleunigst zu Google Maps hinüberwanderten. Dem scheint nicht so zu sein.

Während der Navigation selbst gibt es einiges an Licht aber auch viel Schatten. Anders als etwa Apples Karten-App zeigt Waze auch in Deutschland erlaubte und tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit an. Dafür ist die für die Sprachausgabe gewählte Stimme grässlich und der fehlende Spurassistent macht Fahrten durch unbekannte Städte schnell unnötig zum Abenteuer. Tatsächlich ist uns aufgefallen, dass Waze immerhin manchmal signalisiert, dass man beispielsweise die linke der drei Abbiegespuren wählen sollen. Das sind allerdings absolute Ausnahmen, meist ist man auf sich gestellt. Waze verfügt über einen Blitzer-Warner, der sich leicht aktivieren lässt.

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norddeutscher straßentest

Aktuell verbringe ich viel Zeit auf den Autobahnen zwischen Kiel und Hamburg – und bei Staus natürlich auch auf den umliegenden Bundes- und Landstraßen. Zu für mich wichtigen Fixpunkten im Hamburger Stadtgebiet finde ich dabei grundsätzlich „blind“. Weil aber auf Hamburgs Straßen viel gebaut wird und die Stadt jederzeit für kleinere bis mittlere Verkehrsinfarkte zu haben ist, bin ich trotzdem fast nie ohne aktives Navigationssystem unterwegs.

Da Hamburg und meiner Heimat Kiel nicht nur vieles Positives gemein ist, sondern dieser Wochen und Monate leider auch das gelegentliche Verkehrschaos, habe ich die hier getesteten Apps vermehrt auch in Kiel, das ich eigentlich wie meine Westentasche kenne, ausprobiert. Während insbesondere Waze mir auf den Fahrten durch Schleswig-Holsteins Hauptstadt tatsächlich noch den einen oder anderen interessanten Routenvorschlag liefern konnte, hatte ich bei allen anderen Apps häufig das Gefühl, es besser zu wissen. Manchmal schlägt Erfahrung vielleicht einfach Algorithmen.

In den vergangenen Wochen, währenden denen ich die verschiedenen Apps im ständigen Wechsel getestet habe, sind so rund 2.000 Straßenkilometer zusammengekommen, nach denen ich glaube, alle Tricks, vor allem aber auch Macken der diversen Navigationsanwendungen gefunden und erlebt zu haben.

Here Wego

Here hat eine lange Reise hinter sich und hieß zuvor Smart2Go, Map24, Navteq, Evi Maps und Nokia Maps. Tatsächlich wurde der Dienst ursprünglich auch von Nokia für die eigenen Smartphones entwickelt. Nicht nur in der Anfangszeit sondern bis heute, ist ein gutes Argument für Here die Möglichkeit, Karten auf dem jeweiligen Smartphone zu speichern, um offline navigieren zu können. Viele moderne Navi-Apps, darunter auch die von Apple und Google, bieten diesen Service in der Regel nicht oder nur mit Tricks und selbst dann selten im gewünschten Umfang an. Ein echter Pluspunkt für Here, gehören Funklöcher doch nach wie vor zur deutschen Mobilfunkrealität.

Punktabzug gibt es für Here definitiv für die Kartenansicht, die an den jeweils falschen Stellen zu detailliert und zu oberflächlich erscheint – und einfach nicht schön anzusehen ist. Mit dabei sind dafür Anzeige von aktueller Geschwindigkeit, Tempo-Limits und ein Spurassistent. Wer den Stil der Karten mag, vermisst vermutlich höchsten die Möglichkeit, die Ankunftszeit mit anderen zu teilen.

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Tomtom Go

Die Navi-App von Tomtom ist eine echte Bank, was nicht verwundert, waren Tomtom-Geräte doch lange Zeit nahezu ein Synonym für Navigationsgeräte. Angefochten vielleicht nur von Navigon, das seine App, die uns lange gute Dienste erwies, inzwischen eingestellt hat, was wir sehr bedauern. Schließlich bot Navigon all das, was Konkurrent Tomtom in seiner App auch anbot und hatte dabei für uns immer den moderneren Touch.

Damit wären wir auch schon beim einzigen echten Kritikpunkt an Tomtom Go: Die App wirkt angestaubt und sieht so aus, wie Navi-Apps irgendwie schon zu Beginn ihres Siegeszugs auf Smartphones aussahen. Spaß macht der Anblick nicht.

Dafür ist ansonsten alles dabei, was man sich von einer Navi-App wünschen kann; mit Ausnahme der Möglichkeit, die voraussichtliche Ankunft mit wartenden Personen zu teilen. Tomtom Go kostet, will man den vollständigen Funktionsumfang nutzen, 13 Euro im Jahr (alternativ 2 Euro im Monat) und bietet dafür sämtliche Karten auch zum Download an. Dabei schien uns das Kartenmaterial selbst nicht älter zu sein als das von Google und Apple, obwohl diese ihre Karten im Prinzip ständig aktualisieren (könnten), während Tomtom an mehr oder minder fixen Zyklen festhält. Aber schaut man sich einmal genauer an, mit wem nicht nur Apple in Sachen Navigation zusammenarbeitet, stößt man schnell auf den Namen Tomtom. Die vergleichbare Aktualität darf also nicht wirklich verwundern. Ein Blitzer-Warner ist optional zuschaltbar.

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Sygic

Die einzige Navi-App, die wir aufgrund ihrer Leistung in der Kernfunktionalität nicht empfehlen können, ist Sygic. Mehr als einmal hat Sygic uns in echte Umwege geleitet. Auf Routen also, die sowohl weiter zu fahren waren, länger dauerten – und auch noch hässlicher waren. Es handelt sich also auch nicht um ein verstecktes „Nimm die schönste Router“-Feature. Das passierte allerdings interessanterweise vorwiegend auf kurzen, innerstädtischen Strecken, jedoch unabhängig vom Verkehrsaufkommen: Den im Screenshot oben dokumentierten Umweg wollte uns die App sowohl morgens um 8:38 als auch nachts um etwa 23 Uhr fahren lassen. Und wer Kiel bei Nacht kennt, weiß, dass man andere motorisierte Verkehrsteilnehmer sorgfältig suchen muss, so dass nicht einmal die Chance einer Verkehrsbehinderung an dieser Stelle bestand.

Das Kartenmaterial selbst ist aktuell, jedoch nicht fehlerfrei. Während einer unserer Testfahrten wollte uns das Navi so partout keine Adressen in Hamburg suchen lassen. Die Grund für das Problem war offenbar ein Datenbankfehler, der dafür sorgte, dass die stolze Hansestadt unter dem Namen „Hanburgo“ auf der Karte zu finden war.

Anzumerken ist noch, dass im Prinzip alle Funktionen, die Sygic interessanter als Google Maps oder Apple Karten machen könnten, einen In-App-Kauf erfordern.

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Maps.me

Die werbefinanzierte App verfolgt einen recht interessanten Ansatz, dem Nutzer echte Mehrwerte zu bieten. Dies geschieht in Form von (tatsächlich gut gemachten) Reiseführern, die ebenso heruntergeladen werden können, wie das Open-Street-Map-Kartenmaterial. Die Darstellung der Navigation ist weder berauschend gut, noch abschreckend, in einem Wort: solide.

Wie bei so vielen auf OSM-Material basierenden Dienste, ist auch bei Maps.me ein echter Vorteil der hohe Detailgrad der Karten. Dass die App aber auch zwanghaft zu versuchen scheint, alle vorhandenen Daten irgendwie unterzubringen (siehe Screenshot) trägt nicht unbedingt zur Übersichtlichkeit bei. Besonders wenn man nach Sonnenuntergang unterwegs ist und die App in den Nachtmodus schaltet, fühlt man sich schnell verloren.

Nervig sind zudem die viel zu oft kommenden Push-Benachrichtigungen, die auf tolle Funktionen oder Neuerungen der App hinweisen.

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Magic Earth

Zugegeben: Uns war diese Navi-App vor der Recherche zu diesem Artikel komplett entgangen. Wirklich schlimm ist das nicht. Die App tut, was sie soll, respektive was die Entwickler versprechen. Das Kartenmaterial ist aktuell, die Darstellung wirkt allerdings wie aus dem vergangenen Jahrzehnt. Und auch das Feature, das als Alleinstellungsmerkmal verstanden werden kann, eine „AI Dashcam“, kann nicht überzeugen. Diese Funktion erfordert, dass man das iPhone so im Auto platziert, dass die Kamera den vor einem liegenden Verkehr sehen kann. Navigationshilfsmittel werden so in das Live-Bild der Straße integriert. Das ist eine nette Spielerei, die technisch gut funktioniert, letztlich aber doch eher ablenkt als hilft.

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Entwickler:

CarPlay zum Nachrüsten

Es gibt kaum noch aktuelle Automobile, die nicht mit einem CarPlay-fähigen „Infotainment“-System ausgestattet werden; zumindest im Mittelklassebereich. Bei älteren Fahrzeugen kann die Funktionalität unter Umständen nachgerüstet werden. Gute „CarPlay-Autoradios“ gibt es online von namhaften Herstellern zu Preisen ab etwa 300 Euro. Je nach sonstigem Funktionsumfang kann man aber auch leicht bei einem Vielfachen dessen landen.

Zu beachten ist, dass für den Umbau in jedem Fall zumindest rudimentäres Schraubergeschick erforderlich ist. Außerdem verfügen längst nicht alle Fahrzeuge über standardisierte Schächte, so dass gegebenenfalls weitere Kosten für Plastikblenden hinzukommen. Auch bei den vorhandenen Steckverbindungen kann man nicht darauf wetten, dass alles passt. Um eine CarPlay-Einheit von Pioneer mit der Lenkradfernbedienung und der Radioantenne unseres Test-Prius verbinden zu können, wären weitere rund 40 Euro für Adapterkabel fällig geworden.

Wer auf maximalen Komfort aus ist, achtet beim Kauf der Nachrüst-CarPlay-Einheit darauf, dass diese die kabelfreie Version von CarPlay unterstützt. Dann nämlich musst dein iPhone nicht länger per Kabel mit dem Auto verbinden, um CarPlay nutzen zu können.

Wenn du bereits über eine kabelgebundene CarPlay-Lösung in deinem Auto verfügst und dich nach einem Upgrade auf die kabelfreie Variante sehnst, gibt es auch hierfür Adapter. Die Firma Carlinkit bietet beispielsweise Mini-Computer an, die per USB mit dem Auto und per Bluetooth/Peer-to-Peer-WLAN mit dem iPhone kommunizieren und so relativ kostengünstig kabelfreies CarPlay ermöglichen. Achten muss man beim Kauf auf die korrekte Version, da sich die in dem Adapter-Gerät verbauten Chips und Softwareversionen je nach KfZ-Typ unterscheiden (können).

Zudem sei gesagt, dass Carlinkit und andere Hersteller ähnlicher Produkte allesamt schon auf den ersten Blick nicht vollständig vertrauenswürdig wirken. Abgesehen von manuell angestoßenen Suchen nach Softwareupdates konnten wir allerdings bislang nicht beobachten, dass das Gerät „nach Hause telefonieren“ wollen würde.

Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt. Zumindest die bei uns getestete Verbindung aus Toyota Prius, Pioneer-CarPlay-Einheit und Carlinkit-Adapter versagt auch immer mal wieder den Dienst. Bislang zwar nie während der Fahrt, sondern wenn, dann direkt beim Start – das aber ist häufig nervig genug. Vor allem, weil das bei uns verbaute Pioneer-Modell nicht über eine eigene Taste zum Ein-/Ausschalten verfügt, so dass bei einer fehlerhaften Verbindung von iPhone mit der CarPlay-Einheit das gesamte Auto „neugestartet“ werden muss, was spätestens mit Fahrgästen eine hinreichend unwürdige Angelegenheit ist.

Qi-Charger fürs Auto

Für längere Strecken taugt das kabelfreie CarPlay-Erlebnis allerdings nur sehr bedingt. Navigation und die etwaige Doppelfunktion als Multimediazentrale zum Abspielen oder gar Streamen von Musik und Podcasts zieht doch sehr am iPhone-Akku. Das iPhone für diesen Fall aber per Kabel mit Strom zu versorgen, erscheint widersinnig: wozu dann überhaupt auf kabelfreies CarPlay wert legen?

Die Lösung sind Qi-Charging-Module fürs Auto, die das iPhone aufladen können, ohne dass eine Steckverbindung notwendig wäre. Das Problem hierbei: man findet viel Mist auf den einschlägigen Shopping-Seiten im Internet. Will man das iPhone zum Laden einfach nur irgendwo ablegen, empfiehlt sich eine Ladelösung mit Anti-Rutsch-Matte. Allerdings haben wir bislang keine gefunden, die das iPhone auch bei rasanteren Kurven oder auf stärker beschädigten Straßen sicher festhält. Und kommt man so in die Verlegenheit, alle paar Kilometer das iPhone wieder auf der Ladematte ausrichten zu müssen, wird man schnell zu einem echten Verkehrsrisiko.

Besser sind da schon Ladehalterungen, die das iPhone magnetisch sichern. Problematisch dabei ist, dass die allermeisten in Umlauf befindlichen iPhones nicht magnetisch (genug) sind, so dass das iPhone in eine Spezialhülle gesteckt werden muss. Bei manchen Anbietern, etwa Scosche, ist es auch möglich, einen Magneten zwischen iPhone und (fast) jeder beliebigen iPhone-Hülle zu platzieren, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Aber auch das muss man wollen.

Abhilfe werden in den nächsten Wochen und Monaten Zubehörhersteller zumindest für die neuen iPhone-12-Modell anbieten können. Diese sind nämlich mit Apples MagSafe ausgestattet, verfügen also über einen magnetischen Ring auf dem Rücken, über den sie sicher montiert werden können. Belkin hat bereits eine solche Halterung fürs Auto im Angebot – nur leider ohne Ladefunktion.

Ein weiterer Nachteil dieser Lösungen ist, dass die meisten darauf abzielen, das Telefon gut sichtbar im Auto zu platzieren. Also entweder an der Windschutzscheibe oder an einem Lüftungsgitter. Platziert man sein iPhone währen der Fahrt auf diese Weise, hat es also sowieso immer im Blick, kann man sich fast schon wieder das CarPlay-Upgrade sparen.

Viele Autos verfügen allerdings auch ab Werk über Qi-Charging-Einheiten, die sich beispielsweise in der Nähe eines Getränkehalters oder in der Mittelkonsole befinden. Das erscheint uns im Zusammenspiel mit kabelfreiem CarPlay schon weitaus sinnvoller.

Fazit

Die vergangenen Wochen, in denen wir mit den verschiedenen Navi-Apps unterwegs waren, erwiesen sich als durchaus erkenntnisreich. So scheint zum Beispiel die Findung der perfekten Route, abgesehen von einigen Ausreißern, ein gelöstes Problem zu sein. Nur so können wir uns erklären, dass es bei den vorgeschlagenen Wegen zum Ziel von App zu App kaum Abweichungen gab. Auch die berechneten Ankunftszeiten waren über alle Navigationsanwendungen im Test nahezu identisch und gleichermaßen korrekt. (Über nur fünf Minuten mehr oder weniger wollen wir uns bei einer Strecke von rund 110 Kilometern inklusive Stadtverkehr zu Beginn und Ende der Tour nicht beschweren.)

Etwas enttäuschend ist die erneut bestätigte Gewissheit, dass man mit den Platzhirschen Apple und Google nichts falsch machen kann. Bei allem Gefluche über die Unzulänglichkeiten von Apple Karten zu Beginn dieses Artikels, ist uns doch klar, dass wir damit auf vergleichsweise hohem Niveau fluchen, weisen andere Apps doch oft viel größere Macken auf.

Google und Apple liefern die mit weitem Abstand besten Gesamtpakete, mindestens unter den kostenfreien Angeboten. Allerdings stechen sie auch viele der Apps aus, deren voll Funktionsumfang man erst mit In-App-Käufen freischalten muss. Im direkten Vergleich muss sich Apple Google jedoch relativ deutlich geschlagen geben. So sehr, dass eigentlich nur eine Vorliebe für Apples Karten- und Navigationsdarstellung oder die besser Integration ins System von der Nutzung von Google Maps abhalten können.

Spannend ist, dass viele kleinere Apps in Nischen glänzen können. So haben wir echten Gefallen an den Reiseführern von Maps.me gefunden und sind nachhaltig beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der Informationen über Verkehrsbehinderungen in Waze verfügbar sind.

Tomtom Go ist eine solide Bank. Wenn man allerdings keinen Wert auf Offline-Karten legt, erschließt sich uns nach unseren Vergleichsfahrten nicht, weshalb man angesichts des Funktionsumfangs von Apples und Googles Lösungen für eine Navi-App bezahlen sollte – auch, wenn es nur 13 Euro im Jahr sind.

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