Ratgeber

iPad als MacBook-Ersatz: So wird dein iPad zur ultimativen Schreibmaschine

Das iPad ist viel mehr als ein simples Tablet. Mit den richtigen Apps und dem passenden Zubehör wird das iPad zum MacBook-Ersatz. Wir zeigen dir, wie du aus deinem Tablet eine Schreibmaschine machen kannst.

Das iPad als MacBook-Ersatz im Selbsttest

Kann das iPad einen Laptop ersetzen? Um diese Frage zu beantworten, habe ich den Selbsttest gemacht. Dieser Artikel ist vollständig auf einem iPad der siebten Generation in Kombination mit dem Logitech Combo Touch entstanden.

Der Test hat vor allem eines deutlich gemacht: An der Hardware scheitert es nicht. Lediglich die fehlende Escape-Taste kostet Gewöhnung. Die Softwaresversorgung ist aber alles andere als perfekt. Besonders die fehlende Trackpad-Unterstützung in Apps wie Google Docs fällt negativ auf.

Zudem: Das Arbeiten mit Dateien ist im Alltag immer noch umständlich. Vor allem das Verschieben und Umbenennen dauert auf dem iPad deutlich länger als auf dem Mac. Zukünftige Artikel werde ich daher bis auf Weiteres am iMac schreiben.

Mein altes MacBook Air habe ich mit der iPad-Combo-Touch-Kombination unterwegs allerdings bereits abgelöst.

Schreiben mit dem iPad

Steve Jobs hat das erste iPad im Frühjahr 2010 nicht als einen Ersatz für das MacBook und iPhone, sondern als deren Ergänzung präsentiert. Der neue Tabletcomputer sollte beiden Geräte in einigen wenigen Funktionen überlegen sein. Die Rede war zum Beispiel von Spielen, E-Mail oder auch dem Surfen im Internet.

Das Schreiben von längeren Texten war hingegen nicht als Kernfunktion der neuen Geräteklasse vorgesehen, obwohl es zum Start der Plattform bereits Apples iWork-App-Suite inklusive Pages gab. Ein eigenes iPad-Dock mit eingebauter Tastatur stellte Jobs ebenfalls schon zum Start seiner Innovation vor.

Dennoch spielte das Thema Schreiben auf dem iPad lange Zeit nur eine Nebenrolle. Das iPad-Dock war bereits in der zweiten iPad-Generation vom Markt verschwunden. Viele Jahre passierte in dem Bereich kaum bis wenig bei Apple.

Jedoch: Aus einem einzigen iPad-Modell wurde eine umfangreiche iPad-Reihe. Die Chips, Displays und Speicheroptionen stellten irgendwann sogar die vergleichbaren MacBooks in den Schatten. Die Hardware entwickelte sich also schnell zu einer tatsächlichen Laptop-Alternative, nur die Software brauchte länger.

Erst mit dem Update auf iPadOS 13.4 im März 2020 unterstützten Apples Tablets endlich auch externe Mäuse -wie die Logitech MX Anywhere 3 - und Trackpads, wenn auch nur als Bedienungshilfen. Damit war die Lücke zum Laptop trotzdem teilweise geschlossen.

Für iPad-Pro-Modelle stellte Apple dann im April mit dem Magic Keyboard sogar eine eigene Tastatur mit Trackpad für das Tablet vor. Das Zubehör macht aus dem professionellen Tablet-PC optisch einen echten 2-in-1-Computer und zeigt deutlich, dass Apple es ernst meint mit dem Schreiben auf dem Tablet.

Doch ist es damit getan und das iPad endlich eine echte Alternative zum Laptop?

App-Tipp: Professionelle Autoren schwärmen nicht selten von der Schreibumgebung Ulysses, die es für iPad, iPhone und Mac gibt.

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Ulysses

Entwickler: Ulysses GmbH & Co. KG

Textverarbeitung im Vergleich

Die erste Anlaufstelle für die Suche nach einer klassischen Textverarbeitung ist Apples eigene Pages-App. Diese birgt den Vorteil, die beste Rundum-Unterstützung für die verschiedenen Eingabemöglichkeiten des Tablets zu besitzen.

In Pages kannst du problemlos mit einer externen Tastatur wie der Combo Touch schreiben, das Trackpad nutzen sowie mit dem Apple Pencil Textstellen markieren und handschriftliche Blöcke einsetzen. Vom Mac gewohnte Tastaturkürzel unterstützt Pages ebenso wie die Möglichkeit, Text mit dem Trackpad zu markieren und somit zu formatieren.

Die gängigen Textformatierungen findest du bei Pages mit wenigen Klicks. Pages ist vor allem auf Apple-Systemen verbreitet. Die Anbindung an die iCloud gewährt den drahtlosen Austausch von Texten zwischen Apple-Geräten.

Gemeinsames Arbeiten an Texten funktioniert ebenfalls mit Apples Cloudlösung. Für Windows- oder Linuxcomputer sowie Chromebooks gibt es auf icloud.com sogar eine Webversion – das wissen nur Wenige.

Wer Texte im Alleingang schreiben will, primär mit Apple-Geräten arbeitet eher gelegentlich mit Texten arbeitet, sollte sich Pages unbedingt genauer anschauen – die Software liegt zu Unrecht auf vielen iPads und Macs brach. Für Teams oder größere Projekte gibt es mit Google Docs und Microsoft Word jedoch bessere Alternativen.

Google Docs ist ebenfalls kostenfrei und punktet vor allem mit seiner wohl unübertroffenen Cloudanbindung. Anders als bei Apple handelt es sich bei den Textdokumenten bei Google um keine lokalen Dateien, die du nachträglich mithilfe der Cloud an eventuelle Mitarbeiter verteilst.

Stattdessen liegen die Texte primär bei Google direkt in der Cloud, lassen sich für die Offlinenutzung aber auch herunterladen. Während es bei Apple in der Vergangenheit immer mal wieder zu Problemen mit der iCloud kam, ist Google bekannt für seine robuste Cloud-Infrastruktur der Google-Anwendungen.

Auf dem Mac kannst du diese mit einem Browser nutzen, auf dem iPad gibt es eine eigenständige App. Leider hat die Google-Docs- App aber so manche Probleme mit einer externen Tastatur sowie mit Trackpads. Das Markieren von Texten bei gehaltener Maustaste zum Beispiel unterstützt die App bisher nicht.

Wer also schnell einen Textteil rauskopieren oder anders formatieren möchte, muss auf die Pfeiltasten der Tastatur ausweichen. Viele von Google Docs im Browser bekannte Tastaturkürzel wie zum Beispiel das Zählen von Zeichen in einem Dokument oder in einer markierten Textstelle funktionieren mit der App ebenfalls nicht. Die Unterscheidung zwischen einer Lese- und einer Schreibansicht verwirrt zumindest anfangs ebenfalls und erweist sich im Alltag als unhandlich.

So kannst du nicht die App öffnen, dein Textdokument auswählen und sofort deine Gedanken in die Tastatur tippen. Stattdessen musst du erst auf den Knopf mit dem Stift-Piktogramm rechts unten in der Ansicht klicken. Im Test gab es zudem Probleme beim Multitasking mit Split View.

Auf der einen Bildschirmhälfte lag ein geöffnetes Pages-Dokument, auf der anderen Seite die Google-Docs-Anwendung. Nach dem Wechsel in die Pages-App war es ausschließlich mithilfe des Touchscreens möglich, zurück in die Google-App zu wechseln; das Trackpad erkannte das Programm nicht mehr.

Ob das Problem bei Google Docs oder bei iPadOS 14 liegt, bleibt dabei unklar. Das alles mag zwar nach Kleinigkeiten klingen, ist im Alltag aber spürbar und nervig. Die störenden Details summieren sich. Das macht aus einer ansonsten großartigen Textverarbeitung eine auf dem iPad anstrengende Angelegenheit – zumindest in der App-Version.

Hoffentlich bessert Google in naher Zukunft nach. So lange ist Google Docs in Safari im Zweifel die bessere Alternative. Apple bewarb iPadOS bei seiner Präsentation sogar explizit mit der Nutzung von Google Docs in seinem überarbeiteten Standard-Webbrowser – scheinbar nicht ohne Grund.

Microsoft Office auf dem iPad

Auch Microsoft ist mit seinen Office-Anwendungen auf dem iPad vertreten. Damit du deine Word-Dateien bearbeiten und nicht nur anschauen kannst, brauchst du jedoch das kostenpflichtige Office-365-Abo. Damit erhältst du aber auch Zugriff auf eine Vielzahl weiterer etablierter Apps und Dienste wie Excel, Powerpoint und Onedrive.

Mit der Notizen-Anwendung Onenote hältst du handschriftliche Gedanken fest. Eine Unterstützung für Trackpads und Mäuse ist für die Office-Anwendungen Word, Excel und Powerpoint in Arbeit. Microsoft Office stehen mit Pages und Google Docs besonders auf dem iPad gute Alternativen entgegen. Wer aber auf den Standard aus Redmond setzen will (oder aus beruflichen Gründen soll), muss dank der Microsoft-Apps nicht auf das iPad als mobilen Computer verzichten.

Kreatives Schreiben

Auch auf dem iPad ist Schreiben ein kreativer Prozess. Aber nicht jeder Schreibprozess ist gleich. Deshalb gibt es für manch speziellen Einsatzzweck das passende Programm im App Store. Zum Beispiel die Anwendung Typing Writer, die auf den ersten Blick skurril erscheint, aber durchaus durchdacht ist.

Die Anwendung simuliert das Schreiben auf einer klassischen Schreibmaschine mit allen Problemen und Einschränkungen. Die Geräuschkulisse von Tastenanschlägen und Zeilenumbrüchen inklusive Klingelsignal erinnert Puristen an das analoge Schreibgerät. Korrekturen hinterlassen bleibende Rückstände: Entweder du überschreibst eine falsche Stelle oder du retuschierst mittels Finger beziehungsweise Trackpad deinen Text.

Egal wie du vorgehst, erkennbare Rückstände bleiben im Textdokument erhalten. Das Markieren, Kopieren und Einfügen funktioniert erst gar nicht mit der App. Dennoch hat diese altbackene Technik ihren Platz im kreativen Schreibprozess. Wer sich einzig auf das Vorankommen im Text konzentrieren möchte, wer also dem Gedankenfluss freien Lauf lassen möchte, ist bei Typing Writer gut aufgehoben.

Wichtige Tastaturkürzel
  • [cmd]+[Tab] wechselt zwischen den aktiven Apps
  • [cmd]+[h] bringt dich zurück zum Home-Bildschirm
  • [cmd]+[alt]+[d] zeigt das Dock an
  • [cmd]+[Leerzeichen] startet die Suchfunktion
  • [cmd] gedrückt halten zeigt alle Tastaturkürzel zur aktiven App an

Der Apple Pencil

Das iPad hat mit seinem Touchscreen einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem klassischen Laptop: Mittlerweile unterstützen alle Tablet-Modelle von Apple auch den Apple Pencil. Damit kannst du auch handschriftlich auf dem iPad und in den passenden Apps schreiben.

Penultimate von Evernote setzt beispielsweise auf deine Handschrift. Dank des minimalistischen Designs und mit der Integration in das „Online-Elefantenhirn“ Evernote macht das Kritzeln auf dem iPad besonders großen Spaß. Du kannst mit verschiedenen Stiften und Farben schreiben, Textmarker einsetzen und auch einen Radierer benutzen.

Das Skalpell kann ausgewählten Text ausschneiden und im Dokument bewegen. Wer also ohne Tastatur und völlig frei auf dem digitalen Papier arbeiten möchte, ist hier gut aufgehoben. Das kann bei Meetings oder auch in Vorlesungen mit aufwendigen Tafelbildern der Fall sein. Die Dokumente kannst du mit deinem Evernote-Konto verknüpfen.

Der Onlinedienst kümmert sich nicht nur um den drahtlosen Datenaustausch, sondern kann auch in deinen handgeschriebenen Texten suchen. Wenn du also Skizzen anfertigen oder frei schreiben möchtest, dann ist Penultimate in Kombination mit Evernote und dem Apple Pencil eine klare Empfehlung.

Wie das Zusammenspiel zwischen Tastatur und Handschrift aussehen kann, zeigt Apple mit seiner hauseigenen Notizen-App. Hier kannst du beide Arten der Texteingaben kombinieren. Die App erkennt deine externe Tastatur und bietet vom Mac gewohnte Formatierungsmöglichkeiten. Du kannst aber auch überall mit dem Apple Pencil handschriftliche Elemente wie Zeichnungen oder Text einbauen.

Die so entstehenden Dokumente kannst du darüber hinaus nachträglich umstrukturieren. Ein weiterer Einsatzzweck für Apples Eingabestift findest du im Korrigieren von Texten. Mit der Dateien-App des iPad kannst du dir eben solche im PDF-Format anschauen. Der Apple Pencil kann in diesem Format jede Menge Anmerkungen vornehmen. So kannst du Schreibfehler markieren, den Satzbau unterstreichen oder Notizen an den Rand schreiben.

Das ist etwa für Lehrkräfte eine sinnvolle Sache.

Du kannst damit aber auch deine eigenen Texte korrigieren und somit deinen Schreibstil verbessern. Besonders beim Finden von Fehlern kann es hilfreich sein, die Korrektur nicht ausschließlich in dem Programm vorzunehmen, in dem du auch deine Texte schreibst. Das Wechseln in eine andere App und die Interaktion mit dem Stift helfen dir, Texte noch einmal aus „größerer Distanz“ zu betrachten und wahrzunehmen.

Auf der gemütlichen Couch und mit einem Kaffee dazu fühlt sich dies kaum wie Arbeit an. Das ist ein ganz großer Vorteil des iPad gegenüber jedem MacBook. Mit dem Update auf iPadOS 14 hat Apple dem Tablet eine weitere Funktion für die Stiftbenutzung spendiert: Mit Scribble (englisch für kritzeln) kannst du jetzt den Stift als Eingabe für Suchfelder benutzen.

Das geht generell in allen Apps, allerdings bisher nur in englischer und chinesischer Sprache. Du müsstest also dein iPad auf die englische Sprache umstellen, um die Funktion zu nutzen. Dies aber ist keine gute Idee für die Autokorrektur, die deine (wiederum deutschen) Eingaben nicht erkennt und sie ständig in ähnliche englische Wörter wandeln will.

Die Handschrifterkennung funktioniert jedoch solide. Je sauberer du schreibst, umso besser kann sie deine Eingaben erkennen. Hoffentlich reicht Apple diese Funktion auch bald für deutschsprachige iPads als Update nach.

So geht´s: Scribble auf dem iPad nutzen

Schritt 1: 

Um die Kritzeln-Funktion zu nutzen, musst du dein iPad auf die englische Sprache umstellen. Dies geht in den Einstellungen unter „Allgemein“. Hier findest du einen Eintrag zu „Sprache & Region“.

Schritt 2: 

Anschließend startet das iPad neu. Jetzt darfst du in den Apple-Pencil- Einstellungen die Scribble-Funktion aktivieren und ausprobieren. Damit kannst du den Stift auch in Suchfeldern nutzen.

Schritt 3: 

Das iPad ersetzt deine Handschrift automatisch zu Text in Suchfeldern. Zum Löschen von Text kritzelst du einfach drüber. Mit einem horizontalen Strich teilst du Wörter oder fügst sie zusammen.

Mac Life Fazit

Das iPad fühlt sich in Kombination mit einer externen Tastatur fast wie ein MacBook an. Zusammen mit dem Apple Pencil ist das Tablet dem Laptop sogar hier und da überlegen – vorausgesetzt, die Software spielt mit. Apple bemüht sich um eine breite Unterstützung von Trackpad und Pencil im System und in den eigenen Apps. Drittanbieter wie Google oder Microsoft müssen ihre Anwendungen aber erst anpassen.

Das kann dauern und trübt bisher den positiven Eindruck. Das iPad ist dadurch leider noch kein kompletter Ersatz für ein MacBook. Im Einsatz als mobile Schreibmaschine ist das Tablet aber mittlerweile ganz nah dran am Apple-Laptop.

Tastaturen für das iPad

Erst mit einer externen Tastatur macht das Schreiben auf dem iPad richtig Spaß. Apple bietet dazu kombinierte Hüllen an. Das Smart Keyboard Folio erweitert das iPad Air oder iPad Pro um eine Tastatur. Für ältere Generationen und das klassische iPad gibt es das Smart Keyboard.

Das Magic Keyboard liefert auch ein Trackpad mit. Wer es günstiger mag, schaut sich das Combo Touch von Logitech an. Diese Hüllen- und Tastaturkombination passt besonders gut zum klassischen iPad. Die robuste Hülle fügt dem ansonsten leichten Tablet zwar einiges an Gewicht hinzu.

Dafür ist die hintergrundbeleuchtete Tastatur mit Trackpad eine ideale Ergänzung, um das iPad als Laptopersatz zu nutzen. Die Hülle bietet sogar Platz für den Apple Pencil der ersten Generation.

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