Test

Welche Wander-Apps bringen uns weiter?

Unsere Reisen verändern sich in der Pandemie. Damit auch die Apps, die wir in unserer freien Zeit benutzen. Bringen uns Wander- und Touren-Apps wirklich weiter?

Hiddensee, das Elbsandsteingebirge, der Harz, die Rhön. Selten hat man so viele Menschen von Urlaubszielen sprechen hören, die man sonst als Destination eher der älteren Generation zugeschrieben hätte. Wir nutzen unsere freie Zeit anders und entdecken dadurch neue Möglichkeiten. Bei Paul Camper,  Roadsurfer und Co. sind die Campervans auf Monate hin ausgebucht. Nie waren die Preise für ein Großfamilienauto, das keinesfalls durch die nächste Hauptuntersuchung kommen würde, so hoch wie im Moment. Und bei Globetrotter sind die Hängematten ausverkauft. 

Wir reisen anders in der Pandemie; wir verbringen lieber Zeit in unserem kleinen, klar umrissenen, eigenen Bereich als in einer großen Menschenansammlung. Wir liegen lieber zwischen zwei Fichten in unserer leichtgewichtigen, schnell trocknenden Hängematte als dicht an dicht am Strand. Kurz: Wir mögen die Isolation in der Natur, den Auslauf in Wäldern und Feldern nach dem Lockdown. Wir möchten uns bewegen, neue Orte entdecken, an der frischen Luft ein wenig Vitamin D einspeichern – und das alles ohne direkten Kontakt zu möglicherweise ansteckenden Menschen und ohne weit zu reisen.

So kommt es nicht als Überraschung, dass Apps zum Thema Wandern und Routenplanen immer beliebter werden. In unserem Test betrachten wir hier die Apps Wikiloc, ViewRanger, MAPS 3D, AllTrails und Komoot. Zum Beispiel kann man auf einer Reise ins schwedische Niemandsland zwischen Seen, Wäldern und Hügeln ein paar von ihnen ausprobieren und die Vor- und Nachteile des Wanderns mit einer App ausloten. Erfahrungsgemäß trifft man dabei mitunter nicht einen einzigen schwedischen Menschen, außer der netten Dame an der Supermarktkasse, die einem Reiseproviant in Form von Marabou-Schokoladen verkauft.

Produkthinweis

Catalyst wasserdichte Hülle für iPhone 11 Pro mit Lanyard, transparenter Rückseite, Standard-Militärqualität, 10 m wasserdicht, 2 m sturzfest, für iPhone 11 - Schwarz

Gemeinsamkeiten

Was all diese Apps gemeinsam haben, sind die Funktionen zum Planen, zum Aufzeichnen und dem abschließenden Speichern der Route. Nach der Wanderung hat man dann Einblick in das Höhenprofil der Tour, in die Entfernung, die man zurückgelegt hat, die durchschnittliche Geschwindigkeit und die vergangene Zeit. Diese Funktionen stehen bei allen Apps auch in der kostenfreien Version zur Verfügung. Die Apps unterscheiden sich allerdings in ihren Extras, die oft auch erst in der Premium-/Pro-Version zugänglich sind, und vor allem in den Community-Funktionen, die die Apps bieten.

Brauchen wir wirklich Wander-Apps?

Ehrlicherweise kann das Öffnen einer App vor einer Wanderung erst einmal eine Überwindung sein. Man fährt in den Urlaub mit dem Ziel, sich treiben zu lassen, zu entspannen und zu schauen, wohin der Weg einen führt. Das gezielte Planen einer Wanderung erscheint bisweilen als einschränkend und überflüssig. Man könnte doch einfach zu irgendeinem See fahren, dort einen kleinen ausgetrampelten Fußweg finden und ihm folgen, bis man irgendwann einen anderen nähme und schließlich wieder, vollgetankt mit Natureindrücken und der angenehmen Erschöpfung eines Wandertages, am Auto ankäme.

An einem einsamen, schwedischen See seiner Wahl lernt man jedoch gleich mehrere Vorteile der Wander-Apps zu schätzen. Erstens gibt es weniger Fußpfade als gedacht und sie führen meistens nur wenige Meter weit. Dann muss man umkehren, wenn man sich nicht durch ein Dornengestrüpp kämpfen will. Ein entspanntes Loswandern ist gar nicht so einfach wie zunächst gedacht. Und dann befindet man sich auf einmal an einer Stelle mitten im Wald und weiß nicht, wo genau das Auto nochmal steht. Wenn man dann noch keinen guten Internetempfang hat, der einen über eine Open Street Map zum Auto führen kann, wünscht man sich eine Wander-App mit Offlinekarten-Funktion herbei.

[gallery id="97957" uuid="8f9cee22-be1a-4c6a-a5bd-58d4af04941d" /]

Vorteile

Hätte man sich zu Hause hingesetzt und sich eine Route überlegt, dann hätte man sie mit dem Zugriff auf das gute Kartenmaterial Schritt für Schritt planen können. Man hätte kleine Wege über die Karten entdeckt, die in einer einfachen Openstreetmap nicht eingezeichnet sind. Außerdem wären bei den Apps Komoot, AllTrails, Wikiloc und ViewRanger die Erfahrungswerte anderer App-Nutzer zugänglich gewesen, die einem den Schwierigkeitsgrad und den Zeitaufwand der geplanten Tour verraten hätten. Selbst in der kostenlosen Version von Wikiloc hätte man sich Offline-Kartenmaterial herunterladen können und ohne Probleme das Auto wiedergefunden.

Bei den Apps Komoot, AllTrails, Wikiloc und ViewRanger werden einem gleich auf der Startseite verschiedene Tracks in der näheren Umgebung vorgeschlagen, die man nach einem Sternesystem (ViewRanger und AllTrails), nach Schwierigkeitsgrad und nach Disziplin filtern kann. Bei Wikiloc kann man zum Beispiel nicht nur nach Mountainbiking, Wandern und Wassersportarten filtern, sondern beispielsweise auch nach Wegen, die für sehbehinderte Personen geeignet sind.

Bei längeren Wanderungen in weniger begangenem Terrain können Buddy-Funktionen den Wanderern Sicherheit bieten. Bei ViewRanger findet man die Funktion „Buddy Beacon“, mit der man für 4,99 Euro im Jahr seinen Standort alle 2 min an eine ausgewählte Person senden lassen kann. AllTrails bietet mit „Lifeline“ eine ähnliche Funktion an, bei der Sicherheitskontakte den Plan und Fortschritt der Wanderer einsehen können. Diese Funktion steht in der Pro-Version für 29,99 Euro im Jahr zur Verfügung.

Für die Wanderer*innen und Wanderer, die ihre Tour lieber selbst in der Hand haben und keine Inspiration aus einer Community brauchen, sondern ihren eigenen Plänen folgen wollen, stellen MAPS 3D, ViewRanger und AllTrails sehr gutes Kartenmaterial zur Verfügung. So hat man bei MAPS 3D die Wahl zwischen drei verschiedenen topographischen Karten, einer Wanderkarte und vielen mehr. Das Planen der eigenen Route mit Höhenprofil und Distanzberechnung läuft sehr intuitiv.

Ein weiterer großer Vorteil der Wander-Apps erschließt sich einem im Anschluss an die Reise, wenn man die gewanderten Tracks Revue passieren lässt. Wenn man die Apps nun öffnet, öffnet man eine Chronik seiner Wandererlebnisse; inklusive Fotos, die den Trails zugeordnet werden können, inklusive der Zeit in Bewegung und Angaben dazu, wo man länger Pause gemacht hat. Man sieht die Karten und die Bilder an und erinnere sich genau, an welcher Stelle man länger stand, weil man händeweise Blaubeeren pflücken musste. Einem fällt wieder ein, wie schön und einsam der Steg auf den stillen See hinausragte. Und man hatte vielleicht auch schon wieder vergessen, dass man bei der ersten Wanderung an dem kleinen abgelegenen See ein halb untergegangenes Fischerboot entdeckt hatte.

Einschränkungen

Was bei einer Tour im Schwarzwald weniger Probleme macht, kann z.B. in Schweden eine Herausforderung sein. In weniger erschlossenen Gebieten sind die vorgeschlagenen Routen rar gesät und man muss den Suchradius stark erweitern, um einen auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmten Track zu finden, zu dem man dann auch eine längere Anreise in Kauf nehmen muss.

Nachdem man eine passende Tour gefunden hat, läuft man nun mit seinem iPhone in der Hand um einen See und versucht, auf dem Weg zu bleiben. Das erweist sich einerseits bisweilen als praktisch, da man jederzeit bereit ist, sehr eindrucksvolle Naturaufnahmen mit der iPhone-Kamera zu machen. Andererseits hatte man durch das Smartphone in der Hand jedoch auch das Gefühl, weniger in der Natur anzukommen und als wären die Eindrücke weniger unmittelbar. Die Spontanität und das Abenteuer einer Wanderung gingen verloren. Und man gerät tatsächlich auch ein wenig in Stress, wenn man dem vorgeschlagenen Trail unbedingt genau folgen will. Dann steht man an einer Wegkreuzung und anstatt seiner Intuition zu folgen um den richtigen Weg zu finden, starrt man ein paar Minuten lang auf ein helles Display, bis man sich sicher ist,  auf dem richtigen Weg zu sein.

Dieses Problem könnte jedoch durch eine Apple Watch relativ einfach gelöst werden. Mit dem Jahresabo der Apps könnte man sich den ausgewählten Trail auf die Apple Watch übertragen und würde dann mit freien Händen und offline die Natur genießen und das Smartphone nur zur Hand nehmen, um die Natur in Fotos festzuhalten.

Wikiloc

Zu den Vorteilen von Wikiloc zählen die wachsende Community, die vorgeschlagenen Tracks auf der Startseite in verschiedensten Disziplinen (Wandern, Mountainbike, Fahrrad, Laufen, SUP, Tracks für Sehbehinderte, etc.) und dass bei den Inspirationen auf der Startseite nach Entfernung, Schwierigkeitsgrad und Anstieg gefiltert werden kann. Eine Einschränkung ist jedoch, dass man um gespeicherten Trails zu folgen oder Trails ans GPS/an die Apple Watch zu senden Wikiloc Premium erwerben muss (9,99 Euro im Jahr oder 14-Tage Testversion).

Das Tracking bei Wikiloc bietet einem Einsicht in das Höhenprofil der Tour, in die zurückgelegte Entfernung des Tracks, die mittlere Geschwindigkeit, die Zeit in Bewegung und die Gesamtzeit der Wanderung. Außerdem können Offline-Karten auch in der kostenlosen Version heruntergeladen werden.

Preis: Wikiloc Premium für 9,99 Euro jährlich

Pro: Offline-Karten können auch in der kostenlosen Version heruntergeladen werden
Contra: um Tracks an die Apple Watch zu senden muss man die Premium Version kaufen

Fazit: Wikiloc bietet viele Grundeigenschaften, die man von einer Wander-App erwartet und das auch schon in der kostenlosen Version.

ViewRanger

Die Community und die Vorschläge zu interessanten Nutzern und Wander-Challenges sind ein großes Plus. Auf der Startseite findet man vorgeschlagene Tracks in verschiedensten Disziplinen (Wandern, Mountainbike, Laufen, Kajakfahren, Schlittenfahren, etc.) und bei den Inspirationen können Entfernung, Schwierigkeitsgrad und Qualität der Routenführer gefiltert werden. Ein Vorteil ist auch, dass in der kostenlosen Version vier verschiedene Karten, inklusive Cycle Map, zur Verfügung stehen. Zusätzliche Sicherheit bietet „Buddy Beacon” für 4,99 Euro im Jahr, hierbei wird alle 2 min der eigene Standort an eine ausgewählte Person geschickt. Allerdings gibt es in der kostenlosen Version viel Werbung und man muss sich ein Profil anlegen, um einem Track Fotos hinzuzufügen oder Routen herunterzuladen.

Das Tracking bei ViewRanger bietet Diagramme zu Höhenprofil, Distanz und Geschwindigkeit der Tour, Einblicke in die zurückgelegte Entfernung, die durchschnittliche Geschwindigkeit und die maximale Geschwindigkeit, Angaben zur Zeit in Bewegung und Gesamtzeit der Tour, zum Höhengewinn und Höhenverlust. Außerdem kann man nach Anmeldung den Track veröffentlichen und so mit Anderen teilen.

Preis: Premium für 4,99 Euro jährlich

Pro: zusätzliches Sicherheitsfeature „Buddy Beacon”
Contra: viel Werbung in der kostenlosen Version 

Fazit: Mit „Buddy Beacon” und dem niedrigen Premium-Preis ist ViewRanger eine gute Option für Neulinge unter den Wander-App-Nutzer*innen.

MAPS 3D

In MAPS 3D kann man wahlweise mit einer 3D Kartenansicht mit Höhenprofilen oder 2D Kartenansicht arbeiten, es gibt sieben verschiedene Kartentypen, inklusive drei Topographischer Karten, einer Wanderkarte und einer Nahverkehrskarte. Alleinstellungsmerkmale von MAPS 3D sind der Kompass und Informationen über Längen- und Breitengradpositionen. Ein intuitives Routenplanen in den Modi Wandern, Fahrrad, Moutainbike, Rennrad und Auto wird ermöglicht und mit der Offline-Erweiterung für 4,99 Euro können Routen auch jederzeit ohne Datenverbindung geplant werden. Allerdings gibt es keine Community und Tourenvorschläge und um offline Zugang zu heruntergeladenen Karten zu haben, muss man das Maps Plus Package für 14,99 Euro erwerben.

Das Tracking bei MAPS 3D bietet Einblicke in die Steigung der Tour in % und in m/min, in die zurückgelegte Gesamtstrecke, die durchschnittliche Geschwindigkeit und maximale Geschwindigkeit, in den Höhengewinn und Höhenverlust und die Zeit in Bewegung und die Gesamtzeit. Außerdem steht ein Höhenprofildiagramm zur Verfügung.

Preis: im Maps Plus Package 14,99 Euro 

Pro: für erfahrene Routenplaner*innen stehen viele verschiedene Kartentypen zur Verfügung
Contra: es gibt weder eine Community noch hilfreiche Tourenvorschläge

Fazit: MAPS 3D ist die perfekte App für Wanderer*innen, die lieber selber planen und dafür gutes Kartenmaterial brauchen.

AllTrails

Die Vorteile von AllTrails sind die Community, vorgeschlagenen Tracks auf der Startseite in verschiedensten Disziplinen (Wandern, Mountainbike, Gehen, Rucksacktour, etc.) und dass man bei den Inspirationen auf der Startseite nach Entfernung, Schwierigkeitsgrad, Anstieg, Verkehr entlang des Weges und Sternebewertung durch die Community filtern kann. Außerdem werden von den Beiträgen eines Pro-Kontos  je 1% für die Umwelt gespendet. Zusätzliche Sicherheit für Nutzer*innen bietet „Lifeline”; mit dem Pro-Konto kann man Sicherheitskontakte von der geplanten Route und dem Fortschritt informieren lassen. Allerdings können Karten nur mit einem Pro-Konto heruntergeladen werden.

Das Tracking bei AllTrails bietet ein Diagramm zum Höhenprofil der Tour, Einsicht in die zurückgelegte Entfernung, die durchschnittliche Geschwindigkeit und in die Zeit in Bewegung und Gesamtzeit. Als einzige getestete App zeigt sie die verbrannten Kalorien an.
 

Preis: in Pro-Version 29,99 Euro jährlich

Pro: Favorisierte Touren können auch in der kostenlosen Version gespeichert werden, auch Fotos vom Track können hochgeladen werden
Contra: Karten können nur mit dem Pro-Konto für 29,99 Euro jährlich heruntergeladen und ausgedruckt werden

Fazit: Mit „Lifeline” und seiner benutzerfreundlichen Oberfläche und Filterung bietet AllTrails einen umfassenden und lohnenden Service.

Komoot

Komoot bietet als der momentane Platzhirsch unter den Wander-Apps eine große Community und Zugriff auf Posts und Tracks von Nutzer*innen aus der jeweiligen Region. Auf der Startseite werden Tracks in verschiedensten Disziplinen (Wandern, Mountainbike, Fahrrad, Laufen, Rennrad) vorgeschlagen und dabei können Dauer und Schwierigkeitsgrad gefiltert werden. Selbst in der kostenlosen Version kann man andere Tour-Teilnehmer in gemachten Touren markieren und die Touren für die Community veröffentlichen. Mit Komoot Premium für 29,99 Euro im Jahr bekommt man Sonderangebote von Patagonia, Mammut und anderen Outdoorausstattern und hat an jeder Stelle der Tour Zugriff auf Daten zu den aktuellen Wetterbedingungen auf der Tour. Allerdings muss man sich auch für die kostenlose Version anmelden und ein Profil erstellen
und hat nur mit Komoot Premium Zugriff auf Offline-Karten.

Das Tracking von Komoot bietet ein Diagramm zum Höhenprofil, auf dem man mit dem Finger entlang wandern kann und auf der Karte gespiegelt sieht, wo man sich gerade befindet, zudem Daten zur zurückgelegten Entfernung, zur durchschnittlichen Geschwindigkeit, zur Gesamtzeit der Tour und zum Höhengewinn und Höhenverlust.

Preis: Komoot Premium für 29,99 Euro jährlich

Pro: auch in der kostenlosen Version können geplante Touren gespeichert und veröffentlicht werden
Contra: man hat nur mit Komoot Premium Zugriff auf Offline-Karten

Fazit: Mit Komoot bekommt man - mit der Premium-Option -  alles, was das Wanderherz von einer App begehrt und mehr.

Fazit

Alle fünf Apps eignen sich sehr gut für Wanderer*innen, die ihre Touren im Voraus planen wollen, die Inspirationen für neue Touren kriegen möchten oder die Trails suchen, die auf ihre Bedürfnisse zurecht geschneidert sind. Letzteres funktioniert jedoch nur wenn man sich in Gebieten befindet, die schon gut erschlossen sind. Befindet man sich in weniger bewanderten Bereichen, kann man jedoch selber neue Routen eintragen und sich ein wenig wie ein*e Pionier*in fühlen und die gewanderten Wege im Überblick behalten. Jedoch helfen sie bei der Bewegung selbst nicht allzu sehr. Das muss man dann doch noch selber machen.

Mehr zum Thema
zur Startseite