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CAT B100 im Test: Harte Schale, weicher Kern

Schon seit einiger Zeit produziert Caterpillar neben Baggern und Radladern unter dem Label „CAT-Phones“ auch besonders robuste Telefone. Der neueste Vertreter dieser Gattung verzichtet auf Smartphone-Features, hält aber viel aus und lange durch – wir prüfen, für wen das CAT B100 taugt.

Für knapp 150 Euro bekommt ihr beim B100 ein Handy im klassischen Sinne: Barren-Gehäuse, T9-Spracheingabe, Mini-Display, Verzicht auf Apps und Touchscreen. Im Gegenzug soll das CAT-Phone Stürze aus bis zu 1,80 Meter Höhe überstehen, es ist dank IP67-Zertifizierung staub- und wasserfest (bis zu 30 Minuten in einem Meter Wassertiefe) und gibt auch in extremen Temperaturen von -25 bis 55 Grad Celsius nicht den Geist auf. Kurz: Das neue Catphone ist vor allem für den Outdoor-Einsatz gemacht, sei es auf Baustellen oder beim Trekking durch die Wildnis. Was das B100 noch so zu bieten hat, klärt unser Test.

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Gehäuse: Ganz im Sinne des Erfinders

Wie bei den meisten „Tough Phones“ ist auch das Gehäuse des B100 schon eine klare Ansage: Das Ding hält etwas aus. Aufgrund der Kombination aus Metall-Akzenten und fester Gummierung liegt das CAT-Phone hervorragend in der Hand und vermittelt sofort den Eindruck, dass es einiges mitmachen kann. Bei vergleichsweise kleinen Abmessungen von 123 x 56 x 17,5 Millimetern bringt es 136 Gramm auf die Waage – also ähnlich viel wie die aktuellen 5 Zoll-Smartphones. In der Designsprache des B100 wird sofort deutlich, dass Caterpillar primär große Baumaschinen produziert. Einen Schönheitspreis gewinnt das taffe Handy sicherlich nicht, dafür ist es hochgradig funktional. Trotz des Äußerem eines Feature-Phones hält man mit dem B100 einiges in der Hand.

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Auffällig ist vor allem die Rückseite: Der Akkudeckel wird nicht nur von einem metallischen „CAT“-Logo geziert, sondern ist auch mit zwei Schlitzschrauben gesichert. Dahinter verstecken sich neben dem 1.150 mAh-starken Akku auch der Einschub für die Micro-SIM-Karte und eine optionale SD-Karte, mit der sich der extrem knappe Speicher von 50 MB um bis zu 32 Gigabyte erweitern lässt. Die 3,2 Megapixel-Kamera und das auffällig große Mikro zur Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen sind in einer Vertiefung eingelassen. Wie von anderen wasserfesten Handys bekannt sind die Anschlüsse für das USB-Ladegerät und den Kopfhörer hinter Gummi-Abdeckungen versteckt. Das ist zwar nicht besonders komfortabel, aber ein notwendiges Übel. Eine Warnung über nicht richtig geschlossene Abdeckungen, wie beispielsweise das Xperia Z1, gibt das CAT-Phone übrigens nicht aus.

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Davon abgesehen wird Caterpillar dem Versprechen gerecht, dass das CAT B100 ein besonders robustes Handy ist. Nun sind wir in unserem Test zwar nicht mit einem Bulldozer über das B100 gerollt, die vorgesehenen Szenarien haben wir aber durchaus durchgespielt. So ließen wir das Handy beispielsweise aus rund 1,80 Meter auf einen Steinboden fallen – und zwar mehrfach. Das Ergebnis stellt zufrieden. Von minimalen Kratzern auf der Oberfläche abgesehen sieht das B100 nach unseren Falltests immer noch aus wie frisch aus der Packung geholt.

Kleiner Wermutstropfen: Bei einem der Stürze ist unsere SIM-Karte leicht verrutscht, was wir manuell korrigieren mussten – wer in so einer Situation keinen Schraubenzieher dabei hat, guckt in die Röhre. Dennoch können wir getrost konstatieren. Das CAT B100 kommt vom Sturz in die Pfütze bis zum harten Fall auf Beton mit den meisten Gefahren des Outdoor-Alltags problemlos zurecht.

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Wenig smart ...

Wie bei der verbauten Dualcoure-CPU setzt Caterpillar auch beim Betriebssystem auf eine Entwicklung des chinesischen Zulieferers Mediatek, namentlich „MTK Nucleus“. Wer das nicht weiß, würde nach ein paar Minuten mit dem B100 vermutlich auf eine klassische Symbian-Variante tippen. Vom Entsperren über die Sound-Profile bis hin zu den Einstellungen und der Menüführung haben sich die chinesischen Entwickler überdeutlich vom Nokia-System inspirieren lassen. Das ist grundsätzlich auch durchaus gelungen. Nach wenigen Minuten fühlen wir uns im System „zuhause“, alle Optionen und Einstellungen sind da, wo man sie vermutet. Die generelle System-Performance ist übrigens hervorragend. Der Start (der vom satten Baumaschinen-Sound begleitet wird) erfolgt innerhalb weniger Sekunden, Verzögerungen bei der Navigation konnten wir keine feststellen.

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In Sachen Bedienung lassen sich die Maßstäbe aktueller Smartphones natürlich nicht auf das Caterpillar CAT-Phone B100 anwenden, was nicht nur am fehlenden Touchscreen liegt. Und wie sieht es mit Apps aus? Diese sucht man vergeblich (sieht man von der Option ab, Java-Applets zu installieren – ohne Downloadportal, versteht sich). Messenger wie WhatsApp oder Zugriff auf Facebook und Twitter? Nope, wer in Kontakt bleiben möchte, ist auf das Telefonieren und SMS-schreiben beschränkt. Gänzlich offline ist das CAT B100 indes nicht. Über den vorinstallierten Opera Mobile-Browser könnt ihr Webseiten aufrufen, was auf dem kleinen Display und aufgrund der hakeligen Bedienung über Tastatur und Steuerkreuz allerdings nur für eine schnelle Recherchesession ausreicht.

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Dank GPS-Empfänger ist auch die Lokalisierung und Orientierung per Google Maps möglich. Das funktioniert einwandfrei und schnell, allerdings auch nur über die stark eingeschränkte Mobile-Version des Dienstes. Diese muss zunächst per Java-Download installiert werden und lässt den von Android oder iOS gewohnten Komfort freilich vermissen. Auf WLAN haben die Macher übrigens verzichtet, lediglich Bluetooth für die Übertragung von Dateien oder die Nutzung eines Headsets ist an Bord. Im Menübereich „Organisator“ finden sich immerhin einige Basisfunktionen wie eine Weltzeituhr, ein Währungsrechner (bei dem Ihr den Kurs manuell eingeben müsst) oder ein Kalender- und Aufgabenplaner. Für einfache Produktivtätsansprüche ist das B100 also durchaus geeignet.

…viel Phone

Während der Caterpillar-Neuling als Smartphone faktisch überhaupt nicht funktioniert, ist er in seiner Kerndisziplin ein wahrer Held: Empfang, Klang und Akkulaufzeit des Cat B100 bewegen sich auf einem absoluten Top-Niveau. Beim Telefonieren gefällt uns vor allem die Unterdrückung der Umgebungsgeräusche über das große rückseitige Mikrophon. Auch in lauten Umgebungen versteht uns die Gegenseite in unseren Telefonietest stets klar und deutlich – hier merkt man, dass das B100 für den Einsatz auf einer lauten Baustelle konzipiert wurde. Auch die Stimme des Anrufers klingt natürlich und laut genug aus der Ohrmuschel, sodass das B100 in den vorgesehenen Einsatzgebieten seinen Dienst optimal verrichtet. Einen weiteren großen Vorteil spielt das Feature-Phone-Konzept in Kombination mit der Wasserfestigkeit des Handys aus. Denn während IP67-zertifizierte Smartphones wie das Sony Xperia Z1 zwar genauso lange unter Wasser „überleben“ können wie das neue CAT-Phone, lässt sich letzteres im nassen Zustand auch noch wirklich nutzen – ein mit Wasser benetzter Touchscreen resultiert lediglich in einer Zitterorgie des Displays.

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Apropos Display: Dieses ist zwar mit 2,2 Zoll bei QVGA-Auflösung recht klein und pixelig, dafür lässt es sich selbst mit heruntergeschraubter Helligkeit selbst bei Sonneneinstrahlung hervorragend ablesen. Überhaupt gibt es an der Bedienung des B100 wenig zu bemängeln. Der mittig positionierte Joystick sowie alle anderen Tasten geben ein sehr angenehmes haptisches Feedback und sind dabei groß genug, um auch noch mit Handschuhen bedienbar zu sein. Abgerundet wird die hervorragende Leistung in Sachen Handy-Basics durch eine beeindruckende Akkulaufzeit. In unserer Testwoche mussten wir das CAT-Phone exakt einmal aufladen, obwohl es täglich im Einsatz war. Der Verzicht auf Smartphone-Features macht sich also vor allem durch Langlebigkeit bezahlt. Kein Smartphone überlebt auch nur ansatzweise so lange jenseits einer Steckdose wie der Caterpillar-Kampfzwerg.

Beschränkt aufs Wesentliche

Nicht nur beim Verzicht auf Smartphone-typische Features wie Apps und Social Media wird deutlich, dass Caterpillar mit dem B100 ganz klar den Einsatz im derben Job-Alltag vorsieht. Auch die Multimedia-Funktionen des taffen Neulings sind nämlich auf das Wesentliche beschränkt. So genügt die 3,2 Megapixel-Kamera allenfalls für schnelle Schnappschüsse, und auch der Blitz erfüllt seine Hauptfunktion als Taschenlampe (die jederzeit über einen seitlichen Knopf zugeschaltet werden kann). Eine Frontkamera fehlt und auch die Wiedergabe von Videos auf dem Mini-Display ist kein Vergnügen – mit vielen Formaten kommt der integrierte Player ohnehin nicht zurecht. In Ordnung ist hingegen die Option, MP3s wiederzugeben, sodass zumindest ein wenig Unterhaltung gegeben ist. Ein bei Feature-Phones oft verbautes FM-Radio fehlt hingegen.

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