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Datenbrille, FBI, Sonderwünsche der Nutzer: Google kämpft an allen Fronten für Kompromisse beim Datenschutz

Google versucht ein Geschäftsmodell, für das Privatsphäre eher hinderlich ist, mit dem Bedürfnis seiner Nutzer nach Anonymität zu vereinbaren. Das ist nicht immer leicht und führt gelegentlich zu Kollateralschäden, aber man kann nicht behaupten, dass Google es nicht versucht. Das Motto "Don't be evil" lebt. Google Glass stellt das Unternehmen nun vor neue Herausforderungen.

Google steht seit Jahren in der Kritik. Das ganze Geschäftsmodell der Kalifornier basiert schließlich darauf, Daten über die Nutzer sämtlicher Dienste, sei es die Suchmaschine oder Youtube, zu sammeln und an Firmen, insbesondere aus der Werbebranche, zu verkaufen. Das Firmenmotto „Don't be evil“ ist da nur ein kleines Trostpflaster. Google schwört allerdings, so viele Informationen wie möglich zu anonymisieren.

Android Chef Sundar Pichai trat letzte Woche bei der AllThingsD D11 Konfernenz auf und äußerte sich in diesem Zusammenhang auch über die Privatsphäre der Google-Nutzer. Er erklärte zwar, dass Google sich nach den Wünschen seiner User richten werde, aber wenn diese keinen besonderen Wert auf Anonymität legen würden, werde das auch keine Priorität für Google genießen. Beim Browser Chrome gab es zum Beispiel eine sehr hohe Nachfrage für einen Inkognito-Modus und mittlerweile sei der auch auf der Smartphone-Chrome-Version als Standard voreingestellt.

Auch bei der umstrittenen Datenbrille Google Glass gibt es viele Bedenken. Die Kamera kann einfach per Stimmbefehl zugeschaltet werden. Die rote LED ist da keine Versicherung für Leute, die nicht gefilmt werden wollen, denn die kann einfach abgeklemmt werden. Auch diverse Apps stellen eine Gefahr für die Privatsphäre der Nutzer und sämtlicher Leute in Sichtweite eines Glass-Trägers dar. Google weiß um die Befürchtungen und versucht gegen zu steuern. Sämtliche Apps für Glass werden, anders als bei einem Android-Smartphone, von Google kontrolliert. So darf zum Beispiel keine App auf der Datenbrille Werbung einspielen. Heute bestätigte der Internetgigant, dass keine Apps zugelassen werden, die eine Gesichtserkennung ermöglichen. Eine personalisierte Rasterfahndung mit der Brille soll also nicht möglich sein.

Und zu guter Letzt versucht natürlich auch der Staat seine Finger an Googles Daten zu legen. Allein zwischen 2003 und 2006 versuchte das FBI 192.499 mal Informationen bei Google abzufragen. Außerdem wird gegen 19 National Security Letters aktiv mit allen legalen Mitteln gekämpft, um die darin enthaltenen Anordnungen nicht umsetzen zu müssen. Ein US-District-Judge forderte jetzt Google dazu auf an das FBI Nutzer-Daten ohne jede weitere richterliche Anordnung herauszugeben. Allerdings ließ sie dem Internetgiganten eine Hintertür offen. Googles Verteidigung ist zu Allgemein gewesen und es besteht die Möglichkeit auf eine Berufung.

Die Datenkrake Google versucht einen gewagten Spagat. Das Geschäftsmodell vernichtet Privatsphäre, allerdings weiß die Firma auch, dass eine nicht vorhandene Privatsphäre zu Klagen und Nutzerverlusten führen würde. Anonymisierung ohne Rücksicht auf Verluste, egal ob Daten in die Wirtschaft verkauft werden oder an den Staat herausgegeben werden müssen, ist der Schlüssel wie Google sich selbst treu bleiben kann.

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