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Die vielversprechendsten Apps für Google Glass im Überblick

Es scheint sich auszuzahlen, dass Google Glass erst einmal nur an Entwickler verkauft hat, denn niemand will heutzutage ein Gerät erwerben, das ohne einen gut gefüllten App-Store auf den Markt kommt. Die Programmierer sind seit einem halben Jahr fleißig bei der Arbeit und die ersten Apps sehen sehr vielversprechend aus. Wir haben für euch ein Best-of zusammengestellt.

Es ist noch gar nicht abzusehen, was mit Google Glass alles möglich sein wird. Bilder und Videos schießen gehört noch zu den offensichtlichsten Funktionen. Auch der Zugang zu E-Mails und sozialen Netzwerken ist nichts, was nicht auch ein normales Smartphone ebenso gut hinbekommt. Augmented Reality dagegen ist etwas neues. Zwar gibt es bereits für Smartphones Apps, die digitale Informationen über ein reales Bild legen können. Allerdings funktioniert das recht umständlich, da sich derjenige ständig das Smartphone vor die Nase halten muss, um Gebäude mit der Kamera aufzunehmen und gleichzeitig die zugehörigen Informationen abzulesen.

Glass-Apps können einem aber nicht nur zusätzliche Informationen anzeigen oder als Echtzeit-Navigationsinstrument dienen. Sie können Türen öffnen, Lichter steuern und sämtliche elektronischen Geräte bedienen - das richtige Equipment natürlich vorausgesetzt. Mit ihnen ist es möglich Step-by-Step-Anleitungen während der Tätigkeit einzublenden und Bilder oder Texte zu scannen, um sie anschließend im Internet zu suchen oder zu verschicken.

Das alles kratzt aber nur an der Oberfläche der Möglichkeiten. Google Glass steckt noch in den Kinderschuhen und wir alle, Entwickler und Kunden, werden uns damit auseinandersetzen müssen, was die Datenbrille alles können wird, soll und darf.

Revolv: Die Wohnung mit der Brille steuern

Revolv beschäftigt sich in erster Linie mit intelligenten Häusern und hat Google Glass als Steuerungsinstrument entdeckt. Blickt der User beispielsweise mit der Datenbrille auf ein smartes Türschloss, verbindet sich die Brille mit Hilfe der Revolv-App automatisch mit dem Schloss. Anschließend kann die Tür mit einem Sprachbefehl geöffnet werden. Außerdem kann die Revolv-App Lampen, Herdplatten, Stereoanlagen und Fernseher steuern, je nachdem, welche kompatiblen Peripherie-Geräte sich in der Wohnung befinden.

GalssTesla: Nie mehr leere Tanks

GlassTesla verfolgt einen ähnlichen Ansatz wir Revolv, nur, wird hier das Auto anstelle eines Hauses gesteuert. GlassTesla verbindet sich mit dem Elektroauto von Tesla, das man natürlich zur Brille dazukaufen muss und funktioniert wie ein Heads-Up-Display. Informationen zur Fahrtstrecke, Geschwindigkeit und Reichweite werden in der Datenbrille eingeblendet. Aufladestationen für Elektroautos sind relativ dünn gesät. Ein Display, das die verbleibende Reichweite und den Weg zur nächsten Ladestation anzeigt, dürfte deshalb extrem nützlich sein.

Winky: Fotos schießen ohne bemerkt zu werden.

Winky erlaubt es, Bilder mit einem Augenzwinkern zu schießen. Dazu ist kein Tastendruck und auch kein Sprachbefehl notwendig, ein einfaches Zwinkern reicht aus, um den Auslöser zu betätigen. Die App wurde nur im Android-Source-Code veröffentlicht. Wer sie also nutzen will, muss sie erst kompilieren, in eine reguläre App umwandeln und nach der Installation kalibrieren. Diese App wird von Googles AGBs erlaubt, obwohl es damit möglich ist, unbemerkt Fotos zu machen.

Genie: Die Meta-App

Genie wird völlig zurecht als Schweizer Messer von Google Glass bezeichnet. Die App besteht momentan aus fünf Hauptkomponenten. Ein Feature erlaubt es, Notizen und Listen anzulegen, ein anderes setzt Markierungen auf Google Maps, um sich zum Beispiel seinen Parkplatz merken zu können, wieder ein anderes lässt den Nutzer neue Kontakte im Adressbuch via Sprachsteuerung anlegen. Mit dem „Daily Log“ kann man seine Kalorien zählen oder seine täglichen Ausgaben kontrollieren. Beim fünften Feature handelt es sich um einen Wecker. Wie nützlich der sein soll, ist aber unklar, da wohl kaum jemand mit seiner Brille schlafen wird. Aktuell befindet sich Genie im Betatest. Ob es bei den fünf Features bleibt, oder noch weitere Mini-Apps in diese Meta-App eingebaut werden, ist noch nicht bekannt.

Glass Battle: Für die Langeweile zwischendurch

Glass Battle bringt das Spiel „Schiffe Versenken“ auf Googles Datenbrille. Beim Einkauf, in der Arbeit oder beim Putzen, also bei jeder stumpfsinnigen Tätigkeit, bei der man dringend ein bisschen Ablenkung nötig hat, kann man nebenher gegen andere Google-Glass-User Glass Battle spielen. Die Grafik ist nicht sehr anspruchsvoll, aber das ist sie beim Brettspiel ja auch nicht. Gesteuert wird das Spiel mit Sprachbefehlen, man sollte dabei aber tunlichst darauf achten, dass man nicht gehört wird, wenn man „A6“, „B12 oder „F1“ vor sich hinmurmelt. Es könnte sonst schnell passieren, dass die Männer mit den weißen Jacken an der Haustür klingeln.

Kitchme Glass: Einfach und abwechslungsreich Kochen.

News-Feeds, Kameras, Soziale Netzwerke, Augmented-Reality-Apps (HUD) und einfach Spiele werden für Google Glass in unzähligen Variationen erwartet. Kitchme zählt dagegen zu den originelleren Apps, die den Nutzer bei praktischen Tätigkeiten unterstützen sollen: So will Kitchme Glass nämlich das Kochen erleichtern. Durch die App wird der nutzer nicht nur mit Rezepten versorgt, sondern bekommt auch gleich mitgeteilt, welche Läden sich in der Nähe befinden, was sich so alles im eigenen Kühlschrank befindet und welche Gerichte sich daraus zaubern lassen. Das erleichtert den Einkauf, sorgt für Abwechslung in der Küche und bringt uns hoffentlich dazu, mehr und gesündere Sachen zu kochen.

GlassFeeds: RSS-Reader für News-Junkies

Google hat seinen RSS-Reader vielleicht zu früh beerdigt. Die offizielle Begründung seitens des Internetriesen war, dass sich der Dienst nicht mehr an die aktuellen Lesegewohnheiten angepasst ist. GlassFeeds gibt den RSS-Reader aber nicht auf, sondern steigert dagegen die Aktualität der Nachrichten. Über das RSS-Protokoll können sich Nutzer News auf die Datenbrille schicken lassen und bei Bedarf auch direkt als E-Mail oder via Twitter und Facebook an Freunde weiterverteilen. Ironischerweise besaß der Google Reader diese Funktionen auch, Google hätte nur eine App für Glass entwickeln müssen. Die Nachfrage nach so einer App sollte doch ziemlich groß sein, denn aktuell wird nicht nur der RSS-Reader GlassFeeds für Google Glass entwickelt, sondern auch Apps für die New York Times, Mashable, CNN und das Mode-Magazin ELLE.

GlassWedgies: Frag deine Freunde

GlassWedgies ist DIE Lösung für wenig entscheidungsfreudige Menschen. Mit der App lassen sich schnell Umfragen unter den eigenen Freunden erstellen, Als Antwort sind allerdings nur „Ja“ und „Nein“ zulassen. Nach Erstellung der Frage, schickt man sie an seine Freundesliste, zum Beispiel in Facebook, und wartet auf eine Antwort. Die App wertet die Ja-Nein-Verteilung in Echtzeit aus. Vielmehr gibt es zu GlassWedgies nicht zu sagen, außer vielleicht, dass uns der schlichte Stil gefällt.

Die große Überraschung: Soziale Netzwerke

Die sozialen Netzwerke dürfen natürlich nicht fehlen. Mit Glass to Facebook und Facebook gibt es mindestens zwei Apps, mit denen die Datenbrille mit Facebook verbunden wird. Mit beiden Apps kann man Bilder, die mit der Brille geschossen wurden, direkt auf Facebook hochladen. Die Apps Twitter, GlassTweet und Glassagram erlauben genau das gleiche für Twitter beziehungsweise Instagram. Ob auch Vine und Instagram Video unterstützt werden, ist noch nicht bekannt, vermutlich wird es dafür aber eigene Apps geben. Ice Breaker ist ein Spiel, mit dem man neue Leute in einer fremden Umgebung kennenlernen kann, Reddit Timeline erlaubt Zugang zur Frontpage des Internets und mit Fullscreen BEAM können Videos direkt auf Youtube hochgeladen werden. Path erlaubt die Verwaltung gleich mehrerer sozialer Netzwerke, wie Facebook, Twitter, Foursquare und Tumblr.

Fazit:

Wenn man einmal von Standard-Apps für die Kamera und die sozialen Netzwerke absieht, sprühen die Entwickler von Google-Glass-Apps nur so vor Kreativität. Augmented Reality ist ein Fass, dass noch gar nicht richtig aufgemacht wurde und schon soll man damit die Wohnung steuern oder Informationen über das Auto erhalten können, das man gerade fährt. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Größtes Hemmnis sind derzeit die notwendigen Peripherie-Geräte. Mit Glass alleine sperrt man noch kein Türschloss auf, man braucht natürlich auch das richtige Smart Lock dazu.

Organisations- und Anleitungs-Apps sollten aber ab Verkaufsstart problemlos funktionieren und könnten sich als extrem nützlich erweisen. Man lädt sich einfach die entsprechende App herunter und schon kann man Reifen wechseln oder sich beim Kochen nicht mehr verwürzen. Hier liegen die Grenzen eigentlich nur bei den Interessen und Fähigkeiten der App-Entwickler.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Zwar verbietet Google in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen für Google Glass glücklicherweise einige Programme, um Missbrauch vorzubeugen. Eine App darf zum Beispiel keine Gesichter erkennen können, keine Werbung schalten und auch keine Pornos anzeigen. Das hindert die Entwickler jedoch nicht daran, trotzdem die ein oder andere gruselige App zu bauen. Mit einem Augenzwinkern unbemerkt ein Bild zu machen, ohne, dass das Gegenüber etwas davon mitbekommt, zählt definitiv dazu. Ob und wie Google mit dieser speziellen Kreativität umgeht, werden wir sehen müssen.

Auch das Verbot der Gesichtserkennung wird Google noch einmal überdenken müssen. Die ist zwar Datenschutzrechtlich gesehen äußerst bedenklich, bei einem Verbot würde Google aber sehr viele Einsatzmöglichkeiten ausschalten. So könnte zum Beispiel die App MedRef Ärzten helfen, Daten über Patienten eindeutig zuzuordnen. Eine Verwechslung der Klemmbretter wäre damit ausgeschlossen. Das geht aber nur, wenn Google die Gesichtserkennung zulässt.

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