Test

Sony Xperia Z2 im Test - Keine Experimente

Sony stellt rund alle sechs Monate ein neues Flaggschiff vor. Damit unterscheidet sich die Veröffentlichungsstrategie der Japaner von der von so ziemlich jedem anderen großen Smartphone-Hersteller – abgesehen von Nokia. Der Vorteil: Die Modelle unterliegen einer vergleichsweise langsam wirkenden Evolution im Design und in der Hardware und veralten nicht so schnell.

Das Sony Xperia Z2 wurde auf dem Mobile World Congress 2014 in Barcelona offiziell vorgestellt und ging im April in den Handel. Erst vor rund sechs Monaten stellte das japanische Unternehmen sein letztes Flaggschiff, das Xperia Z1, auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vor. Damit setzt das Unternehmen neue Maßstäbe beim Veröffentlichungszyklus von Flaggschiff-Smartphones. Beinahe jeder andere große Hersteller, darunter Apple, Samsung und HTC, bringt nur ein neues Flaggschiff-Smartphone pro Jahr heraus.

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Sony kannibalisiert sich mit dieser Strategie ein wenig selbst. Schließlich wird kaum jemand ein Xperia Z2 für rund 600 Euro kaufen, wenn er erst vor einem halben Jahr ähnlich viel Geld für ein Xperia Z1 ausgegeben hat, das sich im Design und in Sachen Hardware kaum vom neueren Gerät unterscheidet. Dafür ist die Marke Xperia wertstabil. Denn auf den ersten Blick ist es für das ungeschulte Auge kaum zu erkennen, ob es sich um ein Xperia Z, ein Xperia Z1 oder ein Xperia Z2 handelt. Auch bei der Hardware muss sich kaum jemand Sorgen machen, ist das Xperia Z doch immer noch ein hervorragendes Smartphone, dessen Besitzer sich auch rund ein Jahr nach dem Marktstart noch nicht nach einem neuen Gerät umsehen müssen. Diese Evolutions-Strategie zielt auf Kunden ab, die sich für ein Xperia ZX entscheiden, um sich auf absehbare Zeit nicht weiter um ein neues Gerät kümmern zu müssen.

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Wahnsinnig schickes Design

Das Sony Xperia Z2 sieht wie alle Xperia Zs wahnsinnig schick aus. Das Gerät ist mit 8,2 Millimetern sehr dünn. Die flache Rückseite ist mit kratzfestem Glas überzogen und ist im Design symmetrisch zur Vorderseite. Im oberen linken Eck sitzt die Kamera, die mit 20,7-Megapixel auflöst und gestochen scharfe Bilder macht. Darunter hat Sony eine Single-LED-Blitz-Leuchte angebracht. Ansonsten können wir bei unserem schwarzen Modell nur den Sony-Schriftzug in Silber und am unteren Ende das dungelgraue und kaum zu sehende Xperia-Logo erkennen.

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Der Rahmen des Smartphones ist aus Aluminium und aus einem Guss gefertigt. Lediglich die Anschlüsse und Knöpfe stechen ins Auge. Auf der oberen Kante sitzt der Kopfhörer-Ausgang und ein zusätzliches Mikrofon zur Unterdrückung der Umgebungsgeräusche. An der unteren Kante hat Sony die Box zur Medienwiedergabe angebracht, von der aber nur drei dezente, kleine Löcher zu sehen sind. Die Sound-Qualität dieser Box ist für ein Smartphone relativ gut, reicht jedoch nicht an die Boxen des HTC One (M7) oder HTC One (M8) heran.

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An der linken Kante hat das Xperia Z2 eine Öse, mit der das Smartphone mittels einer Schnur gegen unfreiwillige Abstürze gesichert werden kann. Mittig hat Sony den obligatorischen Docking-Anschluss angebracht, über den das Smartphone geladen und mit weiteren Peripherie-Geräten aus dem hause Sony verbunden werden kann. Oberhalb des Docking-Anschlusses finden wir den Schacht für die microSIM-Karte und den microUSB-Anschluss. Beide Anschlüsse liegen hinter einer Klappe, die das Eindringen von Staub und Wasser verhindern soll. Das Sony Xperia Z2 hat sich damit die IP58-Zertifizierung erworben. Das bedeutet, dass das Smartphone in einer Wassertiefe von einem Meter oder mehr rund 30 Minuten oder länger überleben kann, ohne irgendeinen Schaden zu erhalten.

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An der rechten kante hat Sony unten eine extra Kamera-Taste angebracht, mit der Anwender die knipse bequem auslösen kann. Außerdem kann mit Drücken dieser Taste die Kamera-App aufgerufen werden, auch wenn sich das Smartphone im Stand-By-Modus befindet. Oberhalb der Kamera-Taste, circa in der Mitte der Kante, sitzt der Sony-typische runde Power-Button, mit dem Nutzer das Smartphone An- und Ausschalten oder aus dem Stand-By-Modus wecken können. Am oberen Ende der rechten Kante finden wir, wieder unter einer Abdeckung versteckt, den Schacht für die microSD-Karte.

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Bei der ersten Nutzung weist uns das Betriebssystem auf offene Klappen hin. Denn nur wenn sie richtig geschlossen sind, ist das Smartphone auch wasserdicht. In unserem Test haben wir das Sony Xperia Z2 rund eine Stunden im kalten Wasser Waschbecken liegen lassen. Es funktionierte anschließend einwandfrei. Lediglich das Display mussten wir abtrocknen, damit der Touch-Screen unsere Eingaben via Finger wieder zuverlässig erkannte.

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Auf der Vorderseite ziert oberhalb des Displays ein weiteres silbernes Sony-Logo das Smartphone. Rechts neben dem Logo ist die Frontkamera angebracht, die sich lediglich für Video-Telefonie eignet. Die Ohrmuschel versteckt sich am obersten Ende der Vorderseite zwischen der Verglasung, die sich über das Display hinaus bis zum Rand des Smartphones zieht, und dem umlaufenden Aluminium-Rand. Dort ist ebenfalls die Statusleuchte zu finden, die aus einem langen schmalen Balken besteht und nur zu erkennen ist, wenn sie tatsächlich aufleuchtet. Das Mikrofon ist wie die Ohrmuschel auf den ersten Blick kaum zu sehen und sitzt am unteren Ende der Vorderseite.

Im Vergleich zu anderen Smartphone verschwendet Sony beim Xperia Z2 oberhalb und unterhalb des Displays relativ viel Platz. Auch links und recht befindet sich zwischen Bildschirm und Rahmen relativ viel Fläche. Durch diese sogenannten Bezels ist das Smartphone mit 146,8 x 73,3 Millimetern relativ groß. Da Sony außerdem beim Gehäuse ausschließlich auf hochwertige aber auch schwere Materialien setzt, ist das Smartphone mit 163 Gramm auch schwerer als viele andere Telefone dieser Größe.

Die Verarbeitung des Xperia Z2 ist hervorragend. Die Spaltmaße sind minimal und sehr klein. Es knarzt nichts. Trotz der Glasoberfläche auf beiden Seiten ist das Smartphone zudem leicht biegsam. Es sollte also nicht sofort zu Bruch gehen, wenn es auf eine harte Oberfläche fällt. Ausprobiert haben wir das jedoch nicht.

Unser einziger Kritikpunkt am Design ist die absolut flache Rückseite. Die sieht zwar schick aus und dadurch liegt das Xperia Z2 bündig auf geraden Oberflächen wie zum Beispiel Tischen. Allerdings liegt das Smartphone aufgrund dieser flachen Rückseite und seiner Größe etwas unangenehm in der Hand. Denn im Gegensatz zu anderen Telefonen mit einem 5-Zoll-Display oder mehr, schmiegt sich das Xperia Z2 leider nicht in die Hand des Trägers, sondern wirkt immer leicht wie ein Fremdkörper. Da die Rückseite aus Glas ist, ist das Gerät außerdem nicht sehr griffig. Wir empfehlen also ein Schale für das Xperia Z2 dazuzukaufen, damit das Gerät angenehmer und sicherer in der Hand liegt.

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Hardware auf dem neuesten Stand

Bei der von Sony verbauten Hardware des Xperia Z2 gibt es nichts zu meckern. Das Display ist mit seiner 5,2 Zoll Bildschirmdiagonale relativ groß. Die Auflösung entspricht mit 1.080 x 1.920 Pixeln (Full-HD) dem Stand der Technik. Unter der Haube taktet ein Snapdragon-Quad-Core-Prozessor von Qualcomm mit 2,3 GHz. Auch hier gibt es derzeit für Smartphones keinen besseren Prozessor. Der Arbeitsspeicher liegt bei großzügigen 3 GB, während der interne Speicher mit 16 GB jedoch etwas knapp bemessen ist. Allerdings kann man diesen Flash-Speicher mittels einer microSD-Karte um weitere 128 GB erweitern.

Auch bei der Konnektivität erfüllt das Xperia Z2 alle neuesten Standards. Sony hat einen NFC-Chip, GPS und GLONASS, Bluetooth 4.0 und den WLAN-Standard Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac verbaut. Allerdings hatten wir bei unseren Test-Gerät Schwierigkeiten ins WLAN zu kommen. Erst bei eingelegter SIM-Karte gelangten wir ins Internet. Um sicherzustellen, dass das Smartphone nicht das LTE-Mobilfunknetz nutzt, haben wir den Flugzeug-Modus aktiviert. Aber auch nach erfolgreicher Verbindung mit dem WLAN-Router war die Reichweite relativ beschränkt. Zum Vergleich: Das Nexus 5, das LG G2, das HTC One (M8), das iPhone 5s und das Samsung Galaxy S5 besaßen eine größere WLAN-Reichweite.

Auf der Vorderseite hat der Hersteller eine Kamera mit einem 2,2 Megapixel-Sensor verbaut. Diese Frontkamera eignet sich jedoch allenfalls für Video-Telefonie. Die rückseitige Kamera löst mit 20,7-Megapixeln auf und schießt hervorragende und farbgetreue Fotos. Lediglich den Vergleich mit den Super-Kameras der Nokia-Lumia-Reihe muss das Xperia Z2 fürchten. Allen anderen Smartphone-Kameras ist sie überlegen oder zumindest gleichwertig.

Der fest verbaute und nicht wechselbare Akku des Xperia Z2 ist mit seiner Kapazität von 3.200 mAh relativ groß. Damit hält das Smartphone trotz seines großen Displays vergleichsweise lange durch. Im durchschnittlichen Betrieb sind so durchaus zwei Tage drin. Power-Nutzer müssen sich zudem keine Sorgen machen: 24 Stunden Dauerbetrieb sind eigentlich immer drin, es sei denn man schaut durchgehend Filme und Serien an.

Sony-typische Software

Auf dem Xperia Z2 hat Sony das neueste Android 4.4.2 KitKat ab Werk installiert. Darüber hat das Unternehmen noch seine eigene Oberfläche gelegt, die sich jedoch nicht allzusehr von Googles reinem Vanilla-Android unterscheidet. Lediglich einige Symbole sehen anders aus und die Anordnung der Funktionen um Menü ist ein klein wenig umständlicher.

Sony erlaubt seinen Android-Nutzern jedoch mehr Anpassungsmöglichkeiten. So können die Apps im App-Menü auf verschiedenen Art und Weise und nicht nur alphabetisch angeordnet werden, sondern auch nach Häufigkeit der Nutzung oder nach eigenen Sortierung. Ein Wisch von links in das Display genügt, um diese Einstellung vorzunehmen. Überhaupt sollten Nutzer in jedem Menü diesen Wisch ausprobieren. Meistens erscheint ein neues Menü, in dem Anwender weitere Anpassungen vornehmen können.

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Im Task-Manager erlaubt Sony zudem alle aktiven Apps mit einem einzigen Klick zu schließen. Außerdem verstecken sich hier die Shortcuts für das Rechner- oder Timer-Widget. Wischt man von unten in das Display, ruft das Smartphone Andoird-typisch Google Now auf. Allerdings hat Sony hier einen weiteren Button angebracht. So kann man mit dieser Geste auch das Medien-Center aufrufen, in dem Filme, Musik, Bilder und weitere Inhalte wie Bücher in einer schicken Überblicksansicht angezeigt werden.

Das Sony Xperia Z2 ist seit rund einem Monat auf dem Markt und kostet derzeit circa 600 Euro. 

Bewertung
Name
Sony Xperia Z2
Website
Pro
  • Das Sony Xperia Z2 ist hervorragend verarbeitet und glänzt mit seinem einzigartigen und schicken Design. Vor allem die Rückseite aus kratzfestem Glas sticht ins Auge.
  • Die Hardware des Sony Xperia Z2 kann sich sehen lassen. Das Smartphone spielt in einer Liga mit den derzeit aktuellen Flaggchiff-Smartphones von Apple, Samsung, HTC und Co.
Contra
  • Sony setzt in erster Linie auf Innovationen und Anpassungs-Möglichkeiten bei der Software. Wir vermissen allerdings die ein oder andere mutige Entscheidung bei der Hardware, zum Beispiel einen Fingerabdruck-Scanner.
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